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1 Lebenslaeufe Roger Melis    MDRRoger Melis

TV-Tipp-News: Nüchtern, bescheiden und bewundert: Der ostdeutsche Fotograf Roger Melis

Donnerstag, den 17. Oktober 2019

Unbestechlich ist sein nüchterner Blick auf die Lebenswirklichkeit der DDR. Er schaut genau hin und will ans Licht holen, was in der DDR offiziell nicht gezeigt wird. Roger Melis ist einer der Großen des ostdeutschen Fotorealismus. Anlässlich seines zehnten Todestages lässt das MDR-Fernsehen am 17. Oktober um 23.05 Uhr sein Leben und Wirken in „Lebensläufe: Der Fotograf Roger Melis – Chronist der Ostdeutschen“ Revue passieren.

Stets auf der Suche nach dem, was „wahr“ ist! Roger Melis mochte nicht, wenn der Fotograf im Vordergrund stand, nie wollte er sich als Künstler exponieren. “Ein Fotograf ist wie ein Literat. Er soll mit seinen Bildern Geschichten erzählen. Er soll sich mit der Wirklichkeit auseinandersetzen und eine Position beziehen“, erklärte er einmal selbst seine Arbeit. Dafür konnte er warten – auf den ehrlichen, unverstellten Moment.

Es war das Fernweh, das den jungen Roger Melis dazu brachte, sich für den Beruf des Fotografen zu entscheiden. Nach der Fotografenlehre heuerte er zunächst bei der DDR-Fischereiflotte an. Hier entstanden seine ersten Fotoreihen. Als er mit der Kamera in die Welt ziehen wollte, wurde die Mauer gebaut. Frustriert plante er seine Flucht, doch seine Familie beschwor ihn, aus Angst vor Repressionen, zu bleiben.

Als Heranwachsender bekam er zu Hause die hitzigen Debatten der Dichter und Schriftsteller über die DDR-Kulturpolitik zu hören. Um ihn und seine Bedürfnisse kümmerte sich kaum einer. So wurde Melis zu einem stillen, dafür um so genaueren Beobachter.

Melis blieb in der DDR und trieb sein fotografisches Schaffen mit Aufträgen für Zeitschriften und freien Arbeiten voran. Schließlich durfte er sogar nach West-Berlin reisen. Bewundert wurde er für seine Porträts von Schriftstellern und Kulturschaffenden. Später fotografierte er seinen Sehnsuchtsort Paris. Wie so viele Künstler und Intellektuelle glaubte er, an einer allmählichen Liberalisierung des SED-Staates mitwirken zu können. Doch diese Hoffnung wurde nicht eingelöst. Vielmehr erhielt Melis nach einer Zusammenarbeit mit Erich Loest in den 80er Jahren vom Berliner Verlag keine Aufträge mehr.

Obwohl Roger Melis in der DDR-Kunstszene gut vernetzt war, versank er Ende der 80er Jahre immer mehr in Melancholie, die er nicht abzuschütteln vermochte.

In seinen Reportagen zeigte Roger Melis den Alltag, die Arbeits- und Lebensbedingungen der Ostdeutschen und die politischen Rituale im realen Sozialismus. Machte er eine Reportage, gab es auch immer wieder Bilder, die nicht veröffentlicht werden durften. 2007 – zwei Jahre vor seinem Tod – veröffentlichte er den Fotoband „In einem stillen Land“. Darin zeigte er erstmals auch unveröffentlichte Bilder und schuf ein umfassendes Porträt der DDR und ihrer Bewohner.

Foto: Roger Melis © MDR Roger Melis