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HBK Sebastian Massel

Sachsen-Anhalt-News: Orthopäde der Helios Bördeklinik klärt über fünf häufigsten Fußballverletzungen auf


veröffentlicht am Freitag, 14. Juni 2024
  • Oberarzt und leidenschaftlicher Fußballspieler Sebastian Massel aus der Helios Bördeklinik klärt auf
  • heute startet die Fußball-EM in Deutschland

Oschersleben. Fußballverletzungen sind in der Sportorthopädie und Sporttraumatologie sehr häufig. Experte Sebastian Massel, Oberarzt der Orthopädie in der Helios Bördeklinik, informiert zu den fünf häufigsten Sportverletzungen im Fußball und erklärt, was eine Verletzung für die Sportler bedeutet.

„Verschiedene Faktoren beeinflussen maßgeblich die Häufigkeit von Verletzungen im Fußball“, erklärt Oberarzt Sebastian Massel. So ist die Verletzungswahrscheinlichkeit während eines Wettkampfspiels etwa vier- bis sechsfach höher als im Training und steigt mit dem Alter.

Statistisch gesehen verletzen sich pro Spiel zwei Fußballer, wobei in der Hälfte der Fälle ein Gegner beteiligt ist. Rund ein Viertel der Verletzungen betreffen bereits zuvor verletzte Körperpartien. Etwa die Hälfte aller Verletzungen im Profifußball sind Prellungen, gefolgt von Verstauchungen und Muskelverletzungen. Am häufigsten betroffen ist der Oberschenkel. „Bei der Erstversorgung von Sportverletzungen gilt die PECH-Regel: Pause, Eis, Compression, Hochlagern“, weiß Oberarzt Massel aus eigner Erfahrung.

Viele dieser Verletzungen lassen sich konservativ, also ohne operativen Eingriff, behandeln. Nur einige wenige Fußballverletzungen müssen operiert werden.


Die 5 häufigsten Fußballverletzungen

 
1. Muskelzerrung und Muskelfaserriss

Diese Verletzungen entstehen oft durch plötzlichen Antritt oder Abstoppen. Besonders häufig betroffen sind Waden und der rückseitige Oberschenkel. „Dank guter Durchblutung heilt die Muskulatur meist gut, eine Operation ist selten nötig“, so der Experte. Die Akutbehandlung sollte nach der PECH-Regel erfolgen: Pause, Eis, Compression, Hochlagern. Die Heilung dauert bei Zerrungen ein bis zwei Wochen, bei ausgeprägten Muskelfaserrissen bis zu zwei Monate.

 
2. Bänderläsion im Sprunggelenk

Das Sprunggelenk ist aufgrund des häufigen Umknickens besonders verletzungsanfällig. Vor allem die Außenbänder und das Syndesmoseband zwischen Schien- und Wadenbein sind betroffen. Die Genesungszeit variiert stark, bei Bänderrissen beträgt sie drei bis vier Wochen. Eine komplette Ruptur des Syndesmosebandes wird aufgrund der drohenden dauerhaften Instabilität im Sprunggelenk operativ versorgt und erfordert etwa zwei bis drei Monate Pause“, so Oberarzt Massel. Die Therapie von Außenbandverletzungen erfolgt meist konservativ mit einer Stützschiene und Muskeltraining.

 
3. Vordere Kreuzbandruptur

Bleibt das Bein im Rasen stecken und der Körper rotiert oder es kommt durch gegnerischen Kontakt zu einer Verdrehung des Beines, kann es zu einer Ruptur des vorderen Kreuzbandes kommen. Dies ist aufgrund seiner Funktion als Hauptstabilisator besonders gefährdet. Bei starker Krafteinwirkung können auch Seitenband- und Meniskusrisse resultieren, die eine lange Rehabilitation erfordern. Bei sportlich aktiven Patienten muss eine operative Rekonstruktion der verletzten Gelenkstrukturen erfolgen. Nur so lässt sich eine gute funktionelle Stabilität erreichen. „Die optimale Rehabilitationszeit beträgt sechs bis neun Monate, bei komplikationslosem Verlauf kann der Profisport meist wiederaufgenommen werden. Da Hobbysportler häufig keine zeitnahe Diagnostik erhalten, kann man erst nach Abklingen der Entzündungszeichen operieren. In der Regel sollen etwa vier bis sechs Wochen bis zur Operation gewartet werden, um Vernarbungen vorzubeugen“, sagt der Orthopäde.

 
4. Achillessehnenriss

Als Verlängerung der Wadenmuskulatur ermöglicht die Achillessehne das Abdrücken des Fußes vom Boden und ist besonders bei Sprungbewegungen stark beansprucht. Ein Riss der Sehne tritt meist auf, wenn bereits ein Verschleiß vorliegt, und betrifft eher ältere Spieler. „Bei einem Achillessehnenriss hört der Spieler oft einen lauten Knall und verspürt einen stechenden Schmerz. Eine konservative Behandlung ist mitunter möglich, bei sportlich Aktiven ist meist eine Operation zur Rückkehr in den Sport notwendig. Minimal invasive Techniken werden häufig angewendet und zeigen sehr gute Ergebnisse“ erklärt Sebastian Massel. Es ist mit einer Ausfallzeit von etwa sechs Monaten zu rechnen.

 
5. Gehirnerschütterungen und Kopfplatzwunden

Zusammenstöße mit dem Kopf sind im Fußball häufig. Nicht nur der Ball selber wird bei Annahme oder beim Kopfstoß zum Anprallobjekt, auch Körperteile des Gegners wie Kopf oder Ellenbogen oder der Aufschlag auf dem Boden nach einem Sprung gehören dazu. Sie können zu Gehirnerschütterungen oder Platzwunden führen. Die Langzeitauswirkungen dieser wiederholten Mikro-Gehirnerschütterungen sind Gegenstand wissenschaftlicher Studien.

„Bereits bei dem Verdacht auf eine Gehirnerschütterung mit den klassischen Symptomen wie kurzzeitige Bewusstlosigkeit, Sehstörungen oder Übelkeit muss der Spieler ausgewechselt werden. Dafür wurden standardisierte Untersuchungs- und Befragungsprotokolle erstellt und stehen auch schon im Jugendfußball zur Verfügung. Entsprechende Empfehlungen für die Wiederaufnahme des Sports sind von der Berufsgenossenschaft entwickelt worden.“, so der Mediziner. Platzwunden im Kopf- und Gesichtsbereich werden oft direkt am Spielfeldrand behandelt, um das Weiterspielen zu ermöglichen. „Unserer Mannschaft wünsche ich eine verletzungsfreie Europameisterschaft!“, sagt Oberarzt Sebastian Massel.

Bildunterschrift: Oberarzt der Orthopädie und selbst leidenschaftlicher Fussballer Sebastian Massel aus der Helios Bördeklinik


Text: Helios Bördeklinik
Foto: Helios Kliniken | Thomas Oberländer