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Motorrad 31.03

Motorrad-News: Ein Leitfaden für den Kauf aus zweiter Hand - Mit dem gebrauchten Motorrad in die Saison


veröffentlicht am 31. März 2024

Motorräder sind beliebt wie nie zuvor: Laut Kraftfahrt-Bundesamt landeten die motorisierten Zweiräder Anfang 2024 mit fast fünf Millionen Einheiten auf Platz zwei im deutschen Fahrzeugbestand. Doch muss die Wahl beim Kauf immer auf eine Maschine frisch vom Band fallen?  
 
Gerade für Fahranfängerinnen und Fahranfänger kann ein gebrauchtes Motorrad eine günstige Alternative sein. Bernd Schuchna, Leiter der TÜV NORD Station Magdeburg, gibt Tipps worauf man beim Kauf eines Kraftrades aus zweiter Hand achten sollte. 
 
Cruiser, Tourer oder doch lieber was Sportliches? 
Die Vielfalt auf dem Markt ist groß und die Auswahl oft überfordernd. Doch schon ein paar Fragen können Licht ins Dunkel bringen, denn: Für jedes Fahrbedürfnis gibt es das passende Modell. Hat man gerade erst seinen Führerschein in der Tasche oder langjährige Erfahrung? „Gerade für Anfängerinnen und Anfänger hinterm Lenker empfehlen sich Maschinen, die über weniger PS verfügen“, sagt Bernd Schuchna. Bei längeren Reisen sind die sogenannten Tourer mit leistungsstarken Motoren eine gute Wahl. 
Die Verkleidung schützt vor Fahrtwind und der Stauraum bietet genügend Platz fürs Gepäck. Für alle, die lieber fernab vom Asphalt unterwegs sind, eignen sich Enduro- oder Motocross-Bikes. Sie sind leicht, robust und mit dem groben Reifenprofil ideal für Offroad-Strecken geeignet. Schuchna warnt jedoch: „Motocross-Maschinen besitzen keine Lichtanlage, akustische Warnsignale oder Kennzeichen und haben daher keine Straßenzulassung.“ 
 
Wie tief fällt der Griff in den Geldbeutel aus? 
Zusätzlich zum Kaufpreis, der Kfz-Steuer und Wartungsintervallen fallen weitere Kosten an, unter anderem für die Versicherung. Neben der vorgeschriebenen Haftpflicht empfiehlt sich auch die Investition in eine Teil- oder Vollkaskoversicherung. Unerwartete Reparaturen und Ausbesserungen nach dem Kauf sollten ebenfalls in die Kostenkalkulation einbezogen werden.  
 
Potenziellen Mängeln auf den Grund gehen  
Leichte Gebrauchsspuren oder Anbauten sind bei Fahrzeugen aus zweiter Hand keine 
Seltenheit. Schließlich haben diese meist schon einige Kilometer hinter sich. Größere Schäden und Mängel sollten beim Kauf in jedem Fall schriftlich festgehalten werden. Zeigen sich Spuren früherer Stürze oder Unfallschäden? „Hier empfiehlt es sich einen genauen Blick auf Komponenten wie Lenker, Schwingungsdämpfer und dem Rahmen zu werfen. Gerade der Austausch eines kaputten Rahmens kann teuer werden“, betont der TÜV-Experte. Das Scheckheft beziehungsweise vergangene Werkstattrechnungen geben nicht nur Aufschluss über vergangene Reparaturen, sondern schaffen auch Vertrauen für einen sicheren Kauf.  
 
Ein prüfender Blick sollte ebenfalls auf die Verschleißteile fallen wie:  
  • Bremsen: Sind die Beläge bis auf die Mindestdicke abgefahren oder gibt es Anzeichen von Feuchtigkeit auf den Bremssätteln? Wie ist der Stand der Bremsflüssigkeit? 
  • Reifen: Sind Risse zu sehen? Ist die gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern bereits erreicht? Wie steht es um das Alter der Pneus? (Dieses sollte sechs Jahre nicht überschreiten) 
  • Kette: Ist diese beschädigt oder hebt sich vom Ritzel ab? Sind die Zähne der Ritzel verformt? 
  • Gibt es Verschleiß an den Gabelringen?  
  • Lassen sich poröse Schläuche ausfindig machen oder gibt es Undichtigkeiten beim Motor, Kühlsystem, der Kraftstoffanlage oder Getriebe?  

Obacht bei Tacho-Manipulationen: „Das Zurückdrehen eines Tachos ist leicht, aber natürlich gesetzlich verboten. Am besten vergleicht man den aktuellen Tachostand mit den eingetragenen Kilometerständen im Scheckheft oder anhand vergangener Unterlagen wie alte Kaufverträge, Prüfberichte oder Werkstattrechnungen und lässt diesen auch im Kaufvertrag festhalten“, erklärt der Stationsleiter. 
 
Technische Ausstattung und Sicherheitsfeatures 
Durch das Zweirad-System ist die Gleichgewichtsverteilung im Vergleich zum Pkw deutlich anders. Eine Ausbalancierung erfolgt erst nach Start der Fahrt durch die Drehbewegung der Räder. Wie Pkw verfügen auch Motorräder über verschiedene Assistenzsysteme, die Fahrende dabei unterstützen, sicher an ihrem Ziel anzukommen. Dazu zählen unter anderem das ABS oder die Traktionskontrolle. Ihre Funktionen sollten bei einer Probefahrt überprüft werden. Weiter wichtige Checks umfassen technische Einrichtungen, wie die Lichtanlage, die Batterie oder den Motor. 
Zudem ist eine funktionsfähige und vollständige Schutzkleidung bei der Fahrt mit dem Zweirad entscheidend.  
 
„Eine ausgiebige Probefahrt ist essenziell, um alle Funktionen, technischen Ausstattungen und Sicherheitssysteme zu kontrollieren. Ist man neu in der Motorradwelt, empfiehlt es sich eine erfahrene Person an der Seite zu haben. So drohen beim Kauf keine bösen Überraschungen“, rät der TÜV-Experte.   
 
Wichtige Dokumente unter die Lupe nehmen  
Die Kaufentscheidung rückt näher? Dann führt auch kein Weg an einem gründlichen Check aller relevanten Dokumente vorbei. Hierzu zählen vor allem die Fahrzeugpapiere sowie Nachweise über durchgeführte Wartungen und Inspektionen. Anhand des Fahrzeugbriefs lässt sich beispielsweise die Fahrgestellnummer überprüfen. Achtung bei Umbauten und Tuning-Tätigkeiten in der Vergangenheit: Liegen alle Gutachten, Prüfberichte und die allgemeine Betriebserlaubnis für die Änderungen vor? So lässt sich sicherstellen, dass bei der nächsten Verkehrskontrolle oder Hauptuntersuchung keine Fragen aufkommen. Im Zweifel wird sonst die Plakette nicht vergeben oder es droht im schlimmsten Fall sogar das Erlischen der Betriebserlaubnis.  
 
 


Text / Foto: TÜV NORD Station Magdeburg / pixabay