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Wiedemann

Darmkrebsvorsorge in Sachsen-Anhalt: Corona-Pandemie sorgt für deutlichen Rückgang

Montag, den 5. April 2021

Magdeburg. Während der Corona-Pandemie haben viele Sachsen-Anhalterinnen und Sachsen-Anhalter die kostenfreien Untersuchungen zur Darmkrebsfrüherkennung nicht in Anspruch genommen. Das zeigen Auswertungen der BARMER aus Abrechnungsdaten. „Wir sollten die Gesundheitsrisiken der Pandemie nicht durch mangelnde Krebsvorsorge vergrößern“, sagt Axel Wiedemann (Foto), Landesgeschäftsführer der BARMER in Sachsen-Anhalt. „Alle Versicherten, die ihre Vorsorge aus Angst vor Ansteckungsrisiken verschoben haben, sollten diese wichtigen Untersuchungen bald nachholen. Auf keinen Fall sollte damit bis zum Ende der Pandemie gewartet werden. Im Ernstfall kann nur durch Früherkennung wertvolle Zeit gewonnen werden.“ Bei Stuhltests zur Darmkrebsvorsorge wird der Stuhl auf nicht sichtbare Blutspuren untersucht. Während der Corona-Pandemie wurden diese Tests deutlich weniger genutzt als noch im Vorjahr. Vergleicht man jeweils das erste Halbjahr 2019 und 2020, zeigt sich für Sachsen-Anhalt in diesem Zeitraum ein Rückgang der Inanspruchnahme um ganze 28,3 Prozent – die Inanspruchnahme sank von 45.623 auf 32.720 Frauen und Männer.

Darmspiegelung: Rückgang trotz erweiterter Anspruchsberechtigung

Im Rahmen der Darmkrebsfrüherkennung gibt es unterschiedliche Untersuchungen. Stuhltests zur Darmkrebsvorsorge können gesetzlich Versicherte zwischen 50 und 54 einmal im Jahr in Anspruch nehmen und nach dem 55. Geburtstag dann alle zwei Jahre. Es sei denn, sie entscheiden sich für eine Darmspiegelung, also für die endoskopische Untersuchung des Dickdarms. Gesetzlich versicherte Frauen können sich für zwei kostenlose Spiegelungen anmelden, die erste ab 55 Jahren, die zweite zehn Jahre später. Seit April 2019 können Männer die Vorsorge bereits im Alter von 50 Jahren in Anspruch nehmen, statt wie zuvor ab dem 55. Lebensjahr. Obwohl sich damit der Kreis der Anspruchsberechtigten vergrößerte, deuten die ersten Zahlen des dritten Quartals 2020 bei der Inanspruchnahme der Endoskopie zur Darmkrebsvorsorge auf eine deutliche Reduktion hin.

Rund 1000 Darmkrebstote pro Jahr in Sachsen-Anhalt

Laut dem Klinischen Krebsregister Sachsen-Anhalt gehört Darmkrebs nach Lungen-, Brust- und Prostatakrebserkrankungen zu den Krebsarten, die in Sachsen-Anhalt am häufigsten auftreten. Unter den bösartigen Neubildungen (Krebs) treten besonders häufig Neubildungen der Verdauungsorgane auf. Daran verstarben 2017 insgesamt rund 2.700 Personen, was rund einem Drittel aller Krebstoten entspricht. Von ihnen erlagen 944 Personen Darmkrebs. Das Tückische an dieser Krebsart: Gerade im Anfangsstadium verursacht er in der Regel keine Beschwerden. „Gerade der symptomfreie Beginn der Erkrankung macht die regelmäßige ärztliche Vorsorge so wichtig. Wird Darmkrebs früh erkannt, steigen die Therapiechancen erheblich an“, sagt Wiedemann.