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Gesundheit-News: Giftige Raupenhaare verleiden den Gang durch die Natur - Vorsicht vor dem Eichenprozessionsspinner

27. Juni 2020

(ams). Seite an Seite wie bei einer Prozession zieht die große Familie den Eichenstamm entlang: Eigentlich führen die Raupen auf der Suche nach Nahrung ein echtes Naturschauspiel auf. Doch sind die Eichenprozessionsspinner gefährlich für den Menschen – und vermehren sich massenhaft. Vorsicht ist daher auch in diesem Jahr wieder für alle geboten, die sich in der Nähe von Eichen aufhalten.

Von Augenreizungen über Quaddeln bis zum Schock: Der Eichenprozessionsspinner ist ein unscheinbarer Schmetterling, doch seine Raupen sind wegen ihrer gesundheitsschädlichen Brennhaare gefürchtet. Er liebt warmes und trockenes Klima und vor allem Eichen. Das Weibchen legt in der Krone dieser Bäume ihre Eier ab, im Frühjahr schlüpfen die Raupen. Bis sie sich im Sommer verpuppen, durchlaufen sie mehrere Larvenstadien. In der dritten Phase entwickeln die Raupen, die bis zu fünf Zentimeter groß werden, die gefürchteten Brennhaare.

Vermehrte Ausbreitung seit Mitte der 1990er-Jahre

Seit Mitte der 1990er-Jahre breitet sich der Eichenprozessionsspinner vermehrt in Deutschland aus, so das Julius-Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen. Betroffen seien vor allem Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Erste Erfolge der seit Jahren durchgeführten Schutzmaßnahmen zeigten sich beispielsweise in Brandenburg, so das Institut weiter. Dort sei ein Rückgang zu verzeichnen. Zu den Schutzmaßnahmen gehört zum Beispiel der Einsatz chemisch-biologischer Mittel. Vielerorts haben die Behörden auch Schilder aufgestellt, die auf Gebiete mit Eichenprozessionsspinnern aufmerksam machen oder den Zugang untersagen.

Brennhaare mit Widerhaken

Vorsicht ist allerdings nicht nur in Wäldern wichtig, sondern auch in Alleen und Parks genauso wie auf Campingplätzen und in Schwimmbädern - besonders, wo es sonnig ist. Denn überall dort kann man mit den Brennhaaren in Kontakt geraten. Die Brennhaare sind mit Widerhaken ausgestattet, die sich regelrecht in der Haut festklammern können. Sie sind vor allem ab dem dritten Larvenstadium und besonders direkt an der Eiche gefährlich - aber auch darüber hinaus. Sie können mit dem Wind weit getragen werden, außerdem sind ebenso die Nester eine Gefahr, selbst wenn die Schmetterlinge längst geschlüpft sind. Die Haare verbleiben in den Nestern, im Kot und in den Häutungsresten und behalten über Jahre ihre pseudoallergische Wirkung. "Diese Haare enthalten das Nesselgift Thaumetopoein, das eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems auslösen kann", sagt Dr. Eike Eymers, Ärztin im AOK-Bundesverband. Gefährdet sind übrigens auch Haustiere, etwa Hunde, wenn ihre Schnauzen und Schleimhäute mit den Brennhaaren in Berührung kommen.

Mögliche Symptome

Mögliche Symptome nach einem Kontakt mit den Brennhaaren können sein:


Juckreiz

Irritationen der Haut wie Quaddeln und Entzündungen

Gereizte Augen, Bindehautentzündung

Atembeschwerden bis zur Atemnot

Schwindel, Fieber

Schock

Oftmals treten diese Symptome auch erst Stunden nach der Berührung mit den Raupenhärchen auf. Betroffene sollten das dann auf jeden Fall ärztlich abklären lassen.

Wie Gefahren vermieden werden können

Um Gefahren zu vermeiden, sollte auch Folgendes beachtet werden:

Empfindliche Hautbereiche wie Nacken, Hals und Unterarme schützen

Raupen und Gespinste nicht berühren

Wege nicht verlassen, Warntafeln beachten

Nach einem Kontakt mit Brennhaaren schnell duschen, Haare und die Kleidung waschen

Die Bekämpfung der Schädlinge sollten nur Profis in Schutzkleidung übernehmen.

Trotz erster Erfolge ist es bislang nicht flächendeckend gelungen, dem Eichenprozessionsspinner beizukommen - und das, obwohl er eigentlich auch viele natürliche Feinde hat. Dazu gehören bestimmte Parasiten, die jedoch erst richtig zum Zuge kommen, wenn sich Prozessionsspinner einige Jahre massenhaft vermehrt haben. Auch der Kuckuck schert sich nicht um die Brennhaare. Er kann die Raupen verspeisen, weil er seine Magenschleimhaut mit den darin verhakten Brennhaaren herauswürgen kann. Um die Raupen-Plage zu bewältigen, setzen die Behörden bislang jedoch weder allein auf den Kuckuck noch auf die Parasiten.


Text: AOK Bundesverband