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Titelbild 30

Lucy & Dicki, Teil 30 – Eine Geschichte von Kathrin König aus Haldensleben

Die unfreiwillige Autofahrt

Haldensleben, 12. Mai 2019


Eine Geschichte von Kathrin König

Die Katzeneltern von Dicki kommen mit dem Auto vom Großeinkauf. Sie tragen alle Waren ins Haus. Es ist ein warmer Sommertag und Walter macht die Autoscheibe halb herunter, damit sich der Wagen innen nicht so stark erhitzt. Sie wollen beide noch zum Kaffeetrinken zu Tante Agnes in den Nachbarort fahren. 

Lucy und Dicki kommen von ihrem Reviergang zurück und sehen das Auto auf dem Hof stehen. Auch bekommen sie mit, dass das Fenster halb geöffnet ist. Dicki stupst Lucy an und sagt zu ihr: „Wetten, dass ich durch das Fenster passe?“ Lucy schüttelt den Kopf und meint: „Nein, das glaube ich nicht! Du hast nach unseren Katzenwettspielen schon wieder ein Bäuchlein bekommen. Du passt da nicht durch!“ „Das werde ich dir zeigen!“, entgegnet Dicki. Er braucht ein paar Versuche und beim dritten Mal hält er sich mit den Krallen am Fenster fest und zieht sich durch die Öffnung. Der Bauch ist tatsächlich di-cker geworden, denn Dicki steckt fest. Er strampelt lange, bis er endlich auf dem Fahrersitz landet. Er zeigt sich gleich am Fenster und macht Faxen. „Schaffst du das auch?“ Das lässt sich Lucy nicht zweimal sagen. Sie braucht nur einen Anlauf und schon zieht sie sich gekonnt durch das Fenster. Bei-de lachen und freuen sich, dass sie im Auto sind. Die Wärme im Wagen macht sie müde. „Komm, wir ruhen uns hier eine Weile aus, bis wir wieder rausklettern!“, sagt Dicki. Beide legen sich auf die Rückbank und schlafen fest ein. Sie werden erst wach, als sie während der Autofahrt die Unebenheiten der Straße spüren.

Dicki springt vor Furcht  seiner Katzenmama auf den Schoß und Anne schreit erschreckt auf. Lucy bekommt allein auf dem Rücksitz große Angst und miaut laut. Katzenpapa Walter hält den Wagen an und schaut seine Anne an. „Was machen wir jetzt? Nehmen wir die Katzen mit zu Tante Agnes oder bringen wir sie wieder nach Hause?“ Sie überlegen beide, eigentlich stehen sie schon fast vor Tantes Haus. Sie beschließen, die Katzen mitzunehmen. Das haben sie nun davon, wenn sie heimlich ins Auto klettern und darin schlafen. Walter fährt bis zu Tante Agnes Haus weiter. Anne steigt mit Dicki im Arm aus und sperrt ihn in den alten Schweinestall ein. Walter kommt mit Lucy im Arm hinterher. Sie wird zu Dicki gelassen und die Tür wird   zugemacht. Tante Agnes kommt ihnen zur Begrüßung entgegen. Anne berichtet ihr, dass sie zwei blinde Passagiere eingesperrt haben, die sie nachher, wenn sie nach Hause fahren, wieder mitnehmen.

Lucy und Dicki finden das überhaupt nicht gut, dass sie im ehemaligen Schweinestall mit vielen Gartengeräten, alten Fahrrädern und Handwagen eingesperrt sind. Es steht auch eine große Holztruhe an der Wand. Dicki hält sein Näschen in die Luft und schnuppert. Ein eigenartiger Duft kommt von der Holztruhe her. Nach Mäusen riecht es hier nicht! Aber was ist das für ein strenger Geruch? Lucy und Dicki springen auf die Truhe und schnuppern daran herum. Plötzlich kommt eine große, dicke Ratte aus einem Loch der Truhe und baut sich vor den Katzen auf: „Wer stört hier unsere Ruhe? Verschwindet sofort, sonst mache ich euch Beine!“ Dicki und Lucy erschrecken sich. Dicki fasst sich zuerst und antwortet: „Wir haben keine Angst vor dir! Wir sind hier, um dich zu verjagen!“ Die Ratte krümelt sich vor Lachen und meint: „Hahaha!  Ihr wollt mich verjagen?“ Die Ratte pfeift mehrmals laut und es kommen viele Ratten in unterschiedlichen Größen aus dem Loch der Holztruhe heraus und stellen sich kampfbereit auf. Oh, oh! Lucy und Dicki geraten in arge Bedrängnis, denn sie sind hier die Unterlegenen!



Lucy spricht den Rattenkönig an: „Wir wollen euch nichts tun! Wir sind hier nur für eine kurze Zeit eingesperrt worden, weil wir unerlaubt mit im Auto waren. Unsere Katzeneltern besuchen ihre Tante. Sie haben aber einen großen und gefährlichen Hund mit, der jagt Mäuse und auch größere Tiere. Er ist auf keinen Fall ein freundlicher Hund! Er jagt alles, was sich bewegt. Uns kennt er und uns tut er nichts. Aber ihr solltet solange euer Revier verlassen, bis wir wieder weg sind. Wir wollen doch nicht, dass der Hund euch frisst!“ Da verschlägt es dem Ratten-König die Sprache. Er überlegt, was er nun machen soll. Er denkt: „Wenn ich mein Ratten-Rudel nicht beschützen kann, bin ich keine Alpha-Ratte mehr. Ich muss mein Rudel aus dieser Gefahrenzone herausführen!“ So entgegnet er Lucy: „Wir verlassen vorübergehend unser Revier und kommen wieder, wenn ihr weg seid.“ Er pfeift sein Rudel zusammen und marschiert als Erster durch das Abflussloch des ehemaligen Schweinestalls. Alle anderen Ratten folgen ihm. Lucy und Dicki sind nun außer Gefahr, von allen Ratten angefallen und erheblich verletzt zu werden. Sie atmen erleichtert auf. So viele Ratten hatten sie noch nie gesehen. Dicki findet seine Sprache wieder: „Lucy, du hast uns das Leben gerettet! Wie bist du denn auf einen Hund gekommen?“ „Ach,“, antwortet Lucy, „ich habe an Falko gedacht! Du siehst ja, es hat doch wunderbar funktioniert!“

Anne und Walter halten sich dieses Mal nicht solange bei Tante Agnes auf. Sie wollen sich ein anderes Mal mehr Zeit nehmen. Sie vergessen natürlich nicht, Lucy und Dicki aus dem Stall zu holen. Anne setzt sich auf die Rückbank und nimmt beide Katzen auf den Schoß. Als Walter den Wagen startet und losfährt, miaut Lucy wieder. Aber Anne streichelt sie und sie verliert die Angst. Zu Hause angekommen, macht Anne die Wagentür auf und beide Katzen laufen in den Garten und verstecken sich. Erst in der Dunkelheit gehen sie nach Hause. Anne informiert die Katzenmama von Lucy und erzählt ihr die Geschichte. 

Als Lucy nach Hause kommt, wird sie von Undine schon mit mahnenden Worten empfangen: „Ihr macht ja Sachen! Das macht ihr beide aber nicht wieder, heimlich in ein Auto zu steigen!“ Lucy verzieht sich gleich auf ihre Schlafdecke und rührt sich nicht mehr. Und Dicki hat auch keinen Hunger und legt sich sofort auf seine Decke. Er kann lange nicht einschlafen. Irgendwann fallen ihm die Augen zu. Er träumt von den vielen Ratten, die ihn beißen wollen. Er schreit laut auf und wird davon wach. Anne hört ihn und geht zu ihm. Sie streichelt ihn und sagt ganz leise: „Du hast wohl schlecht geträumt? Es ist alles in Ordnung! Schlaf weiter, mein Kleiner!“ Dicki atmet hörbar erleichtert und macht seine Augen wieder zu.