- Verkehrsminister beschließen Änderungen bei den Ausbildungsinhalten
- AvD will Kosten für junge Menschen gesenkt sehen
- Mobilitätszuschuss als zusätzliche Maßnahme
Die geplante Führerscheinreform soll 2027 in Kraft treten. Die Verkehrsminister von Bund und Ländern haben das auf ihrer am 26. März 2026 beendeten Verkehrsministerkonferenz (VMK) in Lindau beschlossen.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder erwartet, die Neuregelung im parlamentarischen Verfahren noch in diesem Jahr abschließen zu können. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) unterstützt die politischen Bemühungen, den Führerschein für junge Fahranfänger wieder bezahlbar zu machen.
Die aktuelle Entscheidung basiert auf einem im letzten Oktober vom Bundeverkehrsministerium vorgelegten Diskussionspapier, dass in einer Arbeitsgruppe mit den Fachleuten der Länder weiter ausgearbeitet wurde. Unter anderem sollen die vorgeschriebenen Sonderfahrten von derzeit 12 auf mindestens drei reduziert werden. Der Theorieunterricht kann künftig sowohl in Präsenz als auch rein digital stattfinden.
Auch eine Einbeziehung von Eltern bei den Ausbildungsfahrten, außerhalb des begleiteten Fahrens, mit einer Experimentierklausel und paralleler Evaluation ist vorgesehen. Berücksichtigung sollen auch Erfahrungen finden, die einige Fahrschüler aus anderen Führerscheinen schon erworben haben. Fahrsimulatoren sollen künftig Teil der praktischen Ausbildung sein, ohne dass Fahrstunden ausschließlich virtuell absolviert werden dürfen.
Der AvD begrüßt die Reformbemühungen, wenn dadurch die individuelle Mobilität junger Menschen bezahlbar gehalten wird. Festzuhalten ist, dass die Kosten des Führerscheinerwerbs in den letzten Jahren enorm angestiegen sind. Preise von mehr als 4.000 Euro sind für viele junge Menschen, die sich noch in Schule und Ausbildung befinden, nicht zu bezahlen. Gleichzeitig ist aber der Alltag ohne Auto in etlichen Regionen in Deutschland kaum zu bewältigen. Besonders in ländlichen Regionen ohne regelmäßig nutzbare öffentliche Verkehrsmittel ist das Problem vorhanden.
Der AvD sieht deshalb im ergänzenden Simulatoreinsatz und einem synchron angebotenen E-Learning gute Ansätze für eine Reduzierung des Gesamtaufwandes. Allerdings muss darauf geachtet werden, dass weiter im realen Verkehr gelernt wird. Simulatoren können bei der Einübung von Grundfertigkeiten und einer Absenkung des Stresslevels helfen. Wie man sich als Fahrer im täglichen Straßenverkehr verhält, muss jedoch immer real vermittelt und erarbeitet werden.
Der AvD sieht in einer Straffung des vermittelten Lernstoffs und eine Verzahnung mit digitalen Szenarien aus den Fahrsimulatoren einen produktiven Ansatz, um effektives Lernen zu ermöglichen. Wissenserweiterung und Kompetenzerwerb ist durch Einsatz von solchen E-Learning-Modulen sicherzustellen. Der Umfang des theoretischen Lernstoffs, der allein für die Klasse B aktuell rund 1.200 Fragen beträgt, kann so reduziert und an die Bedürfnisse der Lernenden angepasst werden. Die allgemeine Verkehrssicherheit wird so im Blick behalten.
AvD-Präsident Lutz Leif Linden: “Der Führerschein ist für junge Menschen ein wichtiger Schritt in die selbstbestimmte individuelle Mobilität. Der AvD unterstützt deshalb die Führerscheinreform, um die Kosten für Fahranfänger zu begrenzen. Der gemeldete Rückgang der Anmeldezahlen in den Fahrschulen bei Ankündigung der Reform belegt, wie groß der Handlungsbedarf ist. Der Gesetzgeber ist aufzufordern, über Gesetzesänderungen hinaus über einen Mobilitätszuschuss für junge Menschen beim Erwerb des Führerscheins nachzudenken.”
AvD – Der Automobilclub. Seit über 125 Jahren.
Mit über 125 Jahren Geschichte ist der Automobilclub von Deutschland (AvD) einer der traditionsreichsten und zugleich vielseitigsten Mobilitätsdienstleister des Landes. Seit seiner Gründung im Jahr 1899 setzt sich der AvD für die Interessen einer mobilen Gesellschaft ein und hat die Entwicklung des Automobils von Beginn an aktiv mitgestaltet. Bereits 1904 gehörte der AvD zu den Gründern der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt und war Mitinitiator der AIACR (Association Internationale des Automobile Clubs Reconnus), aus der später der Weltautomobilverband FIA hervorging. Meilensteine wie die Einführung der ersten Kfz-Versicherung ab 1918 oder die ab 1924 ausgestellte „Bestallungsurkunde für Kraftfahrer“ als Vorläufer des heutigen Führerscheins unterstreichen die Pionierrolle des Clubs.
Auch im Motorsport steht der AvD seit jeher für Kompetenz und Engagement: So organisierte der Club bereits 1926 den ersten Großen Preis von Deutschland auf der legendären AVUS-Rennstrecke in Berlin. Heute verbindet der AvD seine motorsportliche Tradition mit modernen Formaten wie der seit 2022 ausgetragenen AvD Drift-Championship, die vor allem bei jüngeren Motorsportfans wachsende Aufmerksamkeit genießt. Als seit jeher kompetentem Ratgeber für Autofahrer führt der AvD seit 2025 wieder eigene, neutrale Reifentests durch und bietet damit praxisnahe Orientierung für fundierte Kaufentscheidungen. Mit rund 1,5 Millionen Mitgliedern und Kunden bietet der Club ein umfassendes Leistungsspektrum: von der weltweiten Pannenhilfe mit eigener 24/7-Notrufzentrale über internationalen Fahrzeug- und Reiseschutz bis hin zu maßgeschneiderten Versicherungsangeboten. Damit steht der AvD für sichere, zeitgemäße und ganzheitliche Mobilität.