header-placehodler
MAGDEBURGER-NEWS.DE


image header
image
M20 5417 fine

Motorsport-News: Sieben Jahre IMSA, sieben Titel: der Porsche 911 RSR in Nordamerika

Mittwoch, den 18. November 2020

Stuttgart. Das Werksengagement von Porsche in der nordamerikanischen Sportwagenszene ist seit dem letzten Einsatz am vergangenen Wochenende in Sebring vorerst beendet. Beim Zwölfstundenrennen in Florida setzte das Porsche GT Team zusammen mit dem langjährigen Partner Core Autosport noch einmal ein Ausrufezeichen: In einem spektakulären Saisonfinale fuhren die beiden Porsche 911 RSR einen Doppelsieg ein. Der emotionale und äußerst erfolgreiche Abschied aus der hart umkämpften GTLM-Klasse mit zahlreichen Herstellern in Nordamerika ist der Schlusspunkt unter einem Programm, das innerhalb von sieben Jahren eine famose Bilanz lieferte: Sieben Titelgewinne in der IMSA-Serie, fünf Meisterschaften im North American Endurance Cup, 21 Rennsiege, und 56 Podestplätze stehen für Porsche zu Buche.

Perfektes Debüt mit großen Siegen und vielen Titeln

Als sich durch den Zusammenschluss der ehemaligen Rennserien American Le Mans Series und der Grand-Am zur Saison 2014 die neue Tudor United SportsCar Championship formiert, entscheidet Porsche konsequent: Die neu gestaltete Sportwagenszene wird mit einem neuen Werksteam und zwei Porsche 911 GT3 RSR bespielt. In Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Team Core Autosport aus dem US-Bundesstaat South Carolina formiert sich innerhalb kürzester Zeit eine Topmannschaft. Gleich beim ersten Renneinsatz gelingt ein großer Coup. Die Werksfahrer Nick Tandy aus Großbritannien, Richard Lietz aus Österreich und Patrick Pilet aus Frankreich feiern beim Debüt einen Klassensieg bei den 24 Stunden von Daytona. Im zweiten Saisonrennen, dem legendären Zwölfstundenklassiker in Sebring, triumphieren die Markenkollegen Michael Christensen aus Dänemark, Jörg Bergmeister aus Langenfeld (Deutschland) und Patrick Long aus den USA. Nach starken Leistungen in den folgenden Läufen sowie einem weiteren Sieg beim Petit Le Mans zum Abschluss der Saison feiert Porsche auf Anhieb den Gewinn des Herstellertitels.

Unvergessen: Gesamtsieg für Porsche beim Petit Le Mans 2015

Die Fans staunen, die starke Konkurrenz in der GTLM-Klasse applaudiert, denn der Sportwagen-Hersteller aus Stuttgart räumt im ersten Einsatzjahr auch alle Titel im North American Endurance Cup ab. Diese Wertung umfasst die längsten und härtesten Rennen der Saison in Daytona, Sebring, Watkins Glen und auf der spektakulären Road Atlanta. Genau diese Strecke nahe dem Hauptsitz von Porsche Cars North America ist auch der Schauplatz des wohl größten Erfolges des Werksteams in Nordamerika. Nick Tandy, Patrick Pilet und Richard Lietz setzen sich Anfang Oktober 2015 beim „Petit Le Mans“ in Braselton nicht nur gegen die GTLM-Konkurrenz durch, sondern lassen im starken Regen auch alle Prototypen-Fahrzeuge hinter sich. Der Porsche 911 GT3 RSR fährt zum Gesamtsieg. Dieser unglaubliche Erfolg beschert Porsche den zweiten Herstellertitel in Folge, die Teammeisterschaft und dem Werkspiloten Patrick Pilet die begehrte Fahrerkrone in der US-Rennserie.

Neuer Porsche 911 RSR bestimmt 2017 den Wettbewerb auf der Langstrecke

Zur Saison 2016 wird – vorübergehend – alles anders. Die Veranstalter tragen die Meisterschaft unter dem neuen Namen IMSA WeatherTech SportsCar Championship aus. Porsche bringt hier erstmals den brandneuen 911 RSR an den Start. Im intensiven Wettbewerb gegen fünf weitere Hersteller in der GTLM-Klasse kann das Werksteam unter dem Namen Porsche North America bei den Klassikern in Daytona und Sebring zum Saisonbeginn keinen Erfolg verbuchen. Aber bereits beim dritten Lauf auf dem spektakulären Straßenkurs von Long Beach in Kalifornien ist die Mannschaft zurück in der Erfolgsspur. Patrick Pilet und Nick Tandy fahren auf der Strecke nahe der Metropole Los Angeles mit dem neuen 911 RSR zum ersten Sieg. Die Werksfahrerkollegen Earl Bamber aus Neuseeland und Frédéric Makowiecki aus Frankreich lassen einen zweiten Klassensieg im texanischen Austin folgen. Zum Start der darauffolgenden Saison bringt Porsche eine komplette Neuentwicklung des RSR an den Start – der 4,0-Liter-Boxermotor ist nun erstmals vor der Hinterachse verbaut. Pilet feiert 2017 gemeinsam mit seinem deutschen Kollegen Dirk Werner in Abwesenheit der Prototypen einen Gesamtsieg auf der malerischen Strecke von Lime Rock. Das Duo gewinnt zudem den Fahrertitel im North American Endurance Cup. Im ersten Jahr des brandneuen Porsche 911 RSR kann das Team über die Meisterschaft in der Langstreckenwertung jubeln.

Besser geht es nicht – Rekorde, Siegesserie und alle Titel im Jahr 2019

In der Saison 2018 gelingen der Werksmannschaft mit den beiden damals rund 510 PS starken GT-Elfern aus Weissach zwar drei Siege und zahlreiche Top-Positionen im Qualifying, aber weitere Titel bleiben dem Team verwehrt. Ein Jahr später ändert sich dies grundlegend. 2019 geht als eines der erfolgreichsten Jahre von Porsche Motorsport in die Historie ein. Nachdem die Kollegen in der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft in Le Mans gesiegt und alle Titel gewonnen haben, legt die US-Mannschaft von Porsche nach: Platz eins in der Herstellermeisterschaft, Triumph in der Teamwertung und Fahrertitel für Earl Bamber und seinen belgischen Kollegen Laurens Vanthoor. Dem erfolgreichen Duo und den Kollegen Nick Tandy und Patrick Pilet im Schwesterauto gelingen in der ersten Saisonhälfte fünf Siege in Folge. Eine solche Erfolgsserie hat es bis dahin in der GTLM-Kategorie noch nie gegeben. Ein zusätzlicher Gesamtsieg auf dem Virginia International Raceway und ein bärenstarker Auftritt der beiden Porsche 911 RSR im Coca-Cola-Design beim Saisonfinale auf der Road Atlanta sind die Sahnehäubchen am Ende eines erfolgsverwöhnten Jahres.

Das Beste kommt zum Schluss: Doppelsieg im „Wohnzimmer Sebring“

In der Saison 2020 wird das Porsche GT Team zunächst auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Der neue, rund 515 PS starke Porsche 911 RSR, der seine Qualitäten in den ersten Saisonrennen der FIA WEC bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatte, beeindruckt auch in der IMSA. Die Werksmannschaft erreicht bei den sechs ersten Events des Jahres insgesamt viermal die Pole-Position. Die beiden Autos sammeln im gleichen Zeitraum 3.445 Führungskilometer – dies entspricht in etwa der addierten Renndistanzen der Langstreckenrennen in Sebring und auf der Road Atlanta. Dennoch dauert es bis zum 17. Oktober, bis der ersehnte Sieg gelingt. Beim Petit Le Mans, dem Zehnstundenrennen vor den Toren von Atlanta, fahren Nick Tandy, Frédéric Makowiecki und der Australier Matt Campbell am Steuer der Startnummer 911 als Erste ins Ziel. Beim folgenden Rennen sorgen Earl Bamber und Laurens Vanthoor für den ersten Triumph eines Werks-Elfers in Laguna Seca. Die traditionsreiche Strecke in Kalifornien war bis zu diesem Zeitpunkt der einzige permanente Rennkurs im jährlichen IMSA-Kalender, auf dem Porsche noch nie gewonnen hatte.

Am vergangenen Wochenende folgte dann ein finaler Auftritt, wie er perfekter nicht sein kann. Der Renntag in Sebring beginnt mit Paraderunden von fünf Porsche 911 RSR aus drei verschiedenen Generationen. Die unter anderem im Brumos-, Coca-Cola- und Mobil1-Design angetretenen Fahrzeuge werden vom aktuellen Auto in der Abschiedsfolierung angeführt. Das Stars-and-Stripes-Design begeistert die Fans an der Strecke. Bei lautstarken Burnouts gibt es strahlende Gesichter. Und am Ende das große Staunen: Beide Werksautos fahren aufgrund einer makellosen Leistung der Einsatzmannschaft Core Autosport beim Zwölfstundenklassiker auf den ersten beiden Plätzen ins Ziel. Dieser Erfolg bildet die perfekte Klammer um das siebenjährige Engagement des Porsche GT Teams in der IMSA-Serie: Sieg beim ersten Auftritt in Daytona 2014, Sieg beim letzten Rennen in Sebring 2020.

Foto: Sebring 2020: Paraderunden Porsche 911 RSR © Porsche AG