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Sachsen-Anhalt-News: Gemeinsam für eine moderne psychiatrische Versorgung

Donnerstag, den 7. November 2019

Magdeburg. Erstmals seit 22 Jahren gibt es eine detaillierte Übersicht der vorhandenen psychiatrischen Strukturen in Sachsen-Anhalt mit den notwendigen Handlungsbedarfen zu deren Weiterentwicklung. Heute ist die vom Land beauftragte mehr als 200-seitige Studie einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt worden. Dazu sind rund 180 Teilnehmende der Einladung des Ministeriums für Arbeit, Soziales und Integration zum 2. Psychiatriesymposium nach Magdeburg gefolgt. Das Fazit: In Sachsen-Anhalt ist mehr als ein Drittel der Bevölkerung von psychischen Erkrankungen betroffen. Das Hilfenetz, das sie in Anspruch nehmen können, ist regional sehr unterschiedlich eng geknüpft. Es gebe, so die Autoren um Prof. Dr. Rudolf Schmid (FOGS), wenig niedrigschwellige Angebote und vergleichsweise wenig regionale Koordination und Steuerung.

„Erhobene Daten und Handlungsempfehlungen liegen uns nun vor, doch die eigentliche Arbeit mit der konkreten Umsetzung beginnt jetzt. Gemeinsam müssen wir die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und seelischen Behinderungen im Land weiter verbessern“, appelliert Sozialministerin Petra Grimm-Benne. Sie fordert kommunale Psychiatrieplanung insbesondere in den Landkreisen ein, um Angebote besser aufeinander abzustimmen, Teilhabe Betroffener zu fördern und Selbsthilfe zu unterstützen. Für diesen Prozess würden sowohl Kommunale Spitzenverbände, Kommunen, LIGA der freien Wohlfahrtspflege, Kassenärztliche Vereinigung, Krankenkassen, Krankenhausgesellschaft und Ärztekammer gebraucht genauso wie der Landespsychiatrieausschuss, die Angehörigen und mehr als bisher die Betroffenen selbst. „Es ist mein Ziel, Vernetzung, Zusammenarbeit und gemeindepsychiatrische Strukturen zu fördern“, sagt Grimm-Benne.

Matthias Rosemann, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der gemeindepsychiatrischen Verbünde, sagt: „Jedem psychiatrisch hilfebedürftigen Bürger in einer Kommune muss die für ihn individuell passende Hilfe zugänglich gemacht werden.“ Bislang seien in der Psychiatrie individuell passende Hilfen noch selten. Wenn mehrere Menschen oder mehrere Einrichtungen und Dienste nacheinander oder gleichzeitig an der Leistung beteiligt sind, müssen sie gemeinsam geplant und gegenseitig abgestimmt durchgeführt  werden, betont Rosemann.

Ein Schwerpunkt solle nach den Worten von Ministerin Grimm-Benne auf der Versorgung betroffener Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener gelegt werden. „Das heißt zum Beispiel, die Schnittstellen zwischen Erziehungs- und Jugendhilfe, Schule und therapeutischem System zu verbessern“, so Grimm-Benne. Auch mehr Begegnungsstätten für psychisch Kranke und familienübergreifende Konzepte werden laut Studie eingefordert. Es fehle oft z.B. an Hilfen für Kinder von psychisch kranken Menschen.

Hintergrund:

Die Kölner Gesellschaft für Forschung und Beratung im Gesundheits- und Sozialbereich (FOGS) gibt in der Studie mit dem Titel „Bestandsanalyse, Prognose und Handlungsempfehlungen zur Versorgung von psychisch kranken und seelisch behinderten Menschen im Land Sachsen-Anhalt unter Berücksichtigung der demografischen und regionalen Entwicklungen“ einen detaillierten Überblick über klinische und ambulante Angebote zwischen Altmark und Burgenlandkreis und stellt Handlungsempfehlungen auf. Die Studie ist auf den Seiten des Ministeriums einsehbar unter: https://lsaurl.de/CUeQ

Die Ergebnisse der Studie sind in die die Neufassung des Gesetzes über Hilfen und Schutzmaßnahmen für Personen mit einer psychischen Erkrankung  des Landes Sachsen-Anhalt, kurz Psychischkrankengesetz (PsychKG LSA) eingeflossen. Anfang September gab es dazu die erste Kabinettbefassung, im Rahmen derer ein Anhörungsverfahren beschlossen wurde. Im Sozialministerium eingegangene Stellungnahmen wurden ausgewertet. Die zweite Kabinettbefassung wird voraussichtlich im November erfolgen. Mit Beschluss des Kabinetts über den Gesetzentwurf wird dieser an den Landtag zur Einbringung weitergeleitet.

 
Foto: : Psychiatriesymposium von links nach rechts: Sozialministerin Petra Grimm-Benne, Moderatorin Kristin Hendinger und Prof. Dr. Rudolf Schmid (FOGS), Bildrechte: © MS