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Schule Klasse Tafel pixabay

Magdeburg-News: Trotz 1,1 Millionen Überstunden bleibt Unterrichtsausfall auf Rekordniveau


veröffentlicht am Mittwoch, 24. September 2025

Magdeburg. Der Unterrichtsausfall verharrte im Schuljahr 2024/25 trotz mehr als 1,1 Millionen Überstunden der Lehrkräfte durch Vorgriffstunden, Zusatzstunden und Mehrarbeit auf dem Rekordniveau, das sich nach der Coronapandemie in allen Schulformen eingestellt hat. Das geht aus der Auswertung einer Kleinen Anfrage hervor, die von Der Linken regelmäßig zu Umfang und Ursachen von Unterrichtsausfall und Vertretungsunterricht gestellt wird. Danach ist der Anteil des Unterrichts, der beim Ausfall von Lehrkräften nicht durch andere Lehrkräfte vertreten werden kann, an den allgemeinbildenden Schulen mit 8,6 Prozent des gesamten Unterrichtes auf den bisher höchsten Stand gestiegen und hat sich damit in den letzten 20 Jahren fast verdreifacht. Mit 10,8 Prozent liegt dieser Anteil an den berufsbildenden Schulen noch einmal deutlich darüber. Den mit Abstand höchsten Anteil nicht vertretenen Unterrichts verzeichnen die Förderschulen mit 11,6 Prozent. Das ist mehr als jede 9. Stunde. Dazu erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher, Thomas Lippmann:

„Die Belastungen der Lehrkräfte durch ständige Überstunden und immer größere Herausforderungen durch volle Klassen und fehlende Unterstützung bei der Inklusion und der Sprachförderung von Migranten in den Regelschulen fordern ihren Tribut. Der hohe Krankenstand und das anhaltende massenhafte Ausscheiden von Lehrkräften vor dem Erreichen der regulären Altersgrenze verschärfen die Personalprobleme in den Schulen.

Der extrem hohe Krankenstand unter den Lehrkräften bleibt trotz leichter Rückgänge seit dem Höchststand im Schuljahr 2022/23 der größte Treiber für den Unterrichtsausfall. Dabei gibt es zunehmend Unterschiede zwischen den Schulformen. Schule unter den heutigen Bedingungen macht immer mehr Lehrkräfte krank, vor allem in den Förderschulen aber auch in allen anderen Schulformen. Etwas weniger betroffen sind nur die Lehrkräfte an den Gymnasien.

Hinzu kommt ein starker Anstieg von Ausfällen durch Mutterschutz, Elternzeit und Krankheit der Kinder, der infolge der stark angewachsenen Einstellungen jüngerer Lehrkräfte in einem von Frauen dominierten Beschäftigungsbereich festzustellen ist. Mit immer weiterer Arbeitsverdichtung für die Lehrkräfte kann der Unterrichtsausfall nicht gesenkt werden. In den Schulen müssen mehr qualifizierte Menschen eingesetzt werden, um das Bildungsangebot zu stabilisieren. Dazu zählen neben mehr pädagogischen Mitarbeitern vor allem Schulsozialarbeiterinnen und auch zertifizierte Bildungsträger, soweit diese Angebote für die Erteilung von Unterricht nach Stundentafel oder für berufspraktischen Unterricht anbieten können.

Es müssen neue Wege gegangen werden und es muss endlich gelingen, die ungefähr 200 Millionen Euro, die derzeit jährlich für nicht eingesetzte Lehrkräfte zurückgehalten werden, für andere qualifizierte Bildungsangebote zu mobilisieren. Die Folgen für die Perspektiven der jungen Menschen aber auch für die Ökonomie und Demokratie im Land sind sonst unabsehbar. Es darf hier kein ‚weiter so‘ geben!“


Erläuterung: Die hier angesprochenen Überstunden setzen sich zusammen aus den Vorgriff- und Zusatzstunden, für die mit den vom Bildungsministerium angegebenen 12.500 Lehrkräften bei 38 vollen Schulwochen im Schuljahr 2024/25 ein Gesamtarbeitsvolumen von zirka 475.000 zusätzlichen Unterrichtsstunden zugrunde gelegt wurde, und dem in der Kleinen Anfrage angegebenen Vertretungsunterricht an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen von rund 645.000 Unterrichtsstunden (Anlage 3, Buchstabe a)).

Bei rund 1,1 Millionen Überstunden und etwa 15.000 Lehrkräften im Unterrichtseinsatz leisten die Lehrkräfte derzeit durchschnittlich zirka 73 Überstunden pro Schuljahr. Das entspricht fast 2 Überstunden pro Woche oder 3 zusätzliche Wochen Unterricht.


Text: Fraktion Die Linke im Landtag von Sachsen-Anhalt
Symbolfoto: pixabay