veröffentlicht am 26. Mai 2026
Foto: Gestresste Frau mit Angststörungen
Bad Saulgau im Mai 2026. Veränderungen gehören zum Leben dazu – vom Jobwechsel über Umzüge bis hin zu ungewohnten Abläufen im Alltag. Während viele Menschen flexibel auf sie reagieren können, lösen bei anderen schon kleine Abweichungen eine starke innere Anspannung aus. „Wer neue Situationen nicht als interessante Chance, sondern vor allem als Stressauslöser empfindet, spürt die Auswirkungen sowohl körperlich als auch emotional. Das ist keineswegs ein Zeichen von Schwäche, sondern oft Ausdruck eines erhöhten Belastungserlebens. Bei Betroffenen können selbst alltägliche Entscheidungen oder kleine Veränderungen plötzlich enorm viel Kraft kosten“, so Dr. med. Steffen Häfner, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und Ärztlicher Direktor der Klinik am schönen Moos.
Anfälligkeit für Stressreaktion
Wie belastend Veränderungen erlebt werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Menschen, die in der Vergangenheit häufig Unsicherheiten, instabile Verhältnisse oder Kontrollverlust erlebt haben, reagieren auf Neues und Unbekanntes oft sensibler. Neben negativen Lebenserfahrungen beeinflussen oftmals auch Selbstvertrauen, soziale Unterstützung und die Frage, ob eine Veränderung freiwillig oder erzwungen ist, wie problematisch diese empfunden wird. Darüber hinaus können psychische Belastungen und Vorerkrankungen die Stressanfälligkeit erhöhen.
Der Facharzt weiß: „Besonders häufig beobachten wir diese Überforderung bei Menschen mit Angst- oder Zwangsstörung, Depressionen oder mit traumatischen Erfahrungen. Auch jene mit Hochsensibilität, ADHS oder der Autismus-Spektrum-Störung leiden oft stärker unter Abweichungen vom Gewohnten als andere.“
Beeinträchtigungen im Alltag
Schon bei scheinbar harmlosen Änderungen – etwa eine Terminverschiebung, eine neue Kollegin im Büro oder Unterbrechungen der Alltagsroutine – verspüren Betroffene eine starke innere Unruhe. „Ihre Gedanken kreisen meist stundenlang um die ungewohnte Situation und sie nehmen bei sich Symptome wie Reizbarkeit, Anspannung und Schlafprobleme wahr“, erläutert Dr. Häfner. Die Folgen: Durch die erhöhte Stressreaktion kommt es zu Konzentrationsproblemen und es passieren häufiger Fehler. Die anhaltende Erschöpfung führt außerdem dazu, dass sich Erledigungen wie Einkaufen, Kochen oder Nachrichtenbeantworten plötzlich wie unüberwindbare Hürden anfühlen. Alles stellt einen energieraubenden Kraftakt dar, wodurch die Belastbarkeit immer weiter abnimmt.
Weitreichende Folgen
Meist sagen Menschen mit dieser Symptomatik zunehmend Gespräche oder Treffen ab, weil zusätzliche Reize oder unvorhersehbare Situationen als zu belastend erlebt werden. Das führt dazu, dass Außenstehende sie teilweise als unzuverlässig oder distanziert wahrnehmen, obwohl in Wahrheit eine starke innere Überforderung dahintersteckt. „Viele Betroffene versuchen, ihre Abläufe möglichst kontrollierbar zu halten und Veränderungen zu vermeiden.
Das kann zwar kurzfristig Sicherheit geben, führt aber langfristig oft zu einer Einschränkung der Lebensgestaltung – etwa wenn auf berufliche Chancen, Reisen oder soziale Aktivitäten verzichtet wird“, erklärt Dr. Häfner und ergänzt: „Häufig entsteht so ein Kreislauf: Die Symptome führen zu vermehrtem Rückzug, wodurch wiederum weniger positive Erfahrungen mit Veränderungen gemacht werden, was den Wunsch nach Vermeidung weiter verstärkt. Dadurch bleiben Abweichungen langfristig eine große Belastung, die mit den Jahren zunimmt.“
Umgang mit Neuem erlernen
Damit Betroffene nicht mehr so stark unter einer Veränderung leiden, sollten sie sich ihr in kleinen, überschaubaren Schritten annähern. So können sie die Erfahrung machen, dass Unsicherheiten zwar unangenehm sind, aber sich bewältigen lassen. „Dabei ist es ratsam, zunächst auf feste Routinen in anderen Lebensbereichen wie Schlafenszeiten, Mahlzeiten oder regelmäßige Bewegung zu achten, da sie ein Gefühl von Stabilität und Verlässlichkeit vermitteln.
Kontraproduktiv wird es hingegen, wenn Routinen dazu dienen, Neues komplett zu umgehen“, weiß Dr. Häfner. Es empfehlen sich außerdem ausreichend Erholungszeiten, realistische Erwartungen an sich selbst, soziale Unterstützung sowie das frühzeitige Ansprechen von Ängsten und Überforderung. Entspannungsverfahren, psychotherapeutische Begleitung oder Coaching können zusätzlich unterstützen, mehr Sicherheit im Umgang mit Ungeplantem zu entwickeln.
Text / Foto: Borgmeier Public Relations / Magdeburger-News – KI-generiert