header-placehodler
MAGDEBURGER-NEWS.DE


image header
image
Lucy und Dicky 36

Lucy & Dicki, Teil 36 - Eine Geschichte von Kathrin König aus Haldensleben

Sonntag, den 28. Juli 2019


Beim Tierarzt

Die Katzenmama Anne wartet vergeblich auf Lucy und Dicki. Heute sind sie und noch ein paar andere Katzen aus dem Ort zur jährlichen Impfung beim Tierarzt angemeldet. Es wird Zeit, dass sie nach Hause kommen, denn sonst muss der Termin verschoben werden. Nun fällt Anne ein, dass Walter und sie heute Morgen beim Frühstück über den Tierarztbesuch gesprochen haben und das hat Dicki bestimmt mitbekommen. Erst spät am Abend kommt er heim und legt sich gleich schlafen. 

Die Katzeneltern sagen zu Hause kein Wörtchen über den Tierarztbesuch. Dicki und Lucy kommen in die Trageboxen und Anne fährt zu Doktor Brömmel, denn er macht Urlaubsvertretung. Der Warteraum der Praxis füllt sich. Es kommen Tiereltern mit Hunden und Katzen, zwei Hamster sowie mehrere Wellensittiche. Die Tiereltern kennen sich und ebenfalls die Hunde und Katzen. So entsteht eine rege Unterhaltung auch zwischen den Tieren. Alle sind aufgeregt – nur Hasso nicht und er ist der größte Hund. Er brüstet sich, dass er ein Held sei und keine Angst kenne. Er zeigt mit seiner Pfote auf die kleinen Hunde, die zitternd auf dem Schoß ihrer Tiereltern sitzen. 

Die kleine Hündin Cora ist nun dran. Sie geht mit ihrem Frauchen selbstbewusst in die Praxis. Alle Tiere warten auf ihr Wehklagen, aber es ist nichts zu hören. Als sich die Tür wieder öffnet, kommt Cora stolz heraus und sagt: „Der kleine Piekser tat überhaupt nicht weh!“ Nun wird der große Hund Hasso aufgerufen und keiner hätte es je vermutet, dass ausgerechnet Hasso laut quieken und winseln würde. Eine Katze meint zu Lucy: „Das habe ich mir gleich gedacht! So ein Prahlhans!“ Alle Tiere sind nun recht schadenfroh, als er und sein Herrchen aus der Praxis kommen. „Na, du Angeber? Du bist ja ein Hasenfuß, sonst hättest du nicht so gejammert, als du die Spritze bekommen hast!“, sagt ein kleiner Hund, der auf dem Schoß bei seinem Frauchen sitzt und kläfft in hohen Tönen hinterher. 

Alle anderen Hunde geben ihren Kommentar dazu und lachen ebenfalls. Hasso kann gar nicht schnell genug den Warteraum verlassen und zieht sein Herrchen hinterher. 

Eine junge Katze schreit fürchterlich und die Katzenmama nimmt sie aus der Box heraus auf ihren Schoß und spricht beruhigend auf sie ein. Die Warteraumtür geht auf und ein Herr mit Hund kommen herein. Diese Gelegenheit nutzt die Katze sofort zur Flucht und die Katzenmama läuft erschreckt hinterher. Die Katze ist nicht mehr zu sehen und die Frau kehrt zurück. Anne sagt: „Sie findet sicher den Weg allein nach Hause!“ „Das kann Minka nicht!“, sagt die Frau traurig. „Sie ist noch nicht so lange bei uns!“
Lucy hat alles mitbekommen. Anne wird aufgerufen und sie geht mit den beiden Trageboxen in die Praxis. Doktor Brömmel untersucht die Katzen und dann erfolgt die Impfung. Beide sagen keinen Ton. Sie wollen mit gutem Beispiel vorangehen, dass man vor so einer kleinen Spritze keine Angst haben muss. Schon sind sie fertig und Anne fährt mit ihnen wieder nach Hause. 

Im Auto erzählt Lucy Dicki jede Einzelheit und meint: „Wir müssen die Katze suchen, sonst verläuft sie sich immer mehr!“ Zu Hause angekommen laufen Lucy und Dicki zu Kater Arno und erzählen ihm die Geschichte. Er ruft alle Katzen über die Nachrichtenkette zusammen und in der alten Feldscheune erklärt ihnen Arno die Situation.

Die Tierarztpraxis befindet sich im Nachbarort und die Katzen sind schnell dort. Beim Suchen der kleinen Ausreißerin verteilen sie sich und sie fragen die im Ort wohnenden Katzen. Diese bringen sie zu einem Bauernhof und zum Schweinestall. Dort habe sich eine fremde Katze versteckt. Arno und Lucy gehen in den Stall. „Du bist doch die weggelaufene Katze, nicht wahr?“ fragt sie Lucy. Diese macht große Augen. „Ich bin Lucy und das ist Arno. Und wie heißt du?“ Die Katze flüstert: „Meine Katzenmama ruft mich Minka!“ „Deine Katzenmama sucht dich überall und sie ist ganz traurig, dass du weggelaufen bist. Komm aus deinem Versteck und erzähle uns von dir.“ Minka kommt hervor und berichtet, dass sie vorher auf der Straße gelebt hatte, bis sie ihre Katzenmama mit nach Hause nahm. Sie hatte eine Wunde am Bein und der Tierarzt musste sie behandeln. Sie bekam viele Spritzen und die taten fürchterlich weh. Und als sie heute im Wartezimmer saß, bekam sie Panik und lief weg. „Willst du wieder auf der Straße leben und von großen Hunden gejagt werden? Außerdem gibt es dann kein Katzenfutter mehr aus der Dose und du musst für dich alleine sorgen. Wenn du keine Maus fängst, musst du hungern. Du bist bei jedem Wetter draußen und dein Fell wird nass und im Winter frierst du. Es ist keiner da, der dich lieb hat und dich streichelt. Überlege es dir gut! Wir beide – Lucy und ich – und meine Freunde sind sehr froh, dass wir ein so schönes Zuhause und liebevolle Katzeneltern haben. Auch wir müssen hin und wieder zum Tierarzt und bekommen eine Spritze. Das muss sein, damit wir nicht krank werden oder uns gegenseitig anstecken. Komm mit, Minka, wir gehen jetzt zu Doktor Brömmel und er wird deine Katzenmama anrufen.“ Das war eine lange Rede von Arno. 


Minka nickt und sie gehen nun zusammen zur Tierarztpraxis. Dicki setzt sich ans Fenster und klopft mit seinem Kopf an die Scheibe. Die Tierarzthelferin öffnet das Fenster und guckt hinaus. „Schauen Sie mal, Herr Doktor! Da draußen sind lauter Katzen und wie es aussieht, ist die weggelaufene Katze mit dabei!“ Doktor Brömmel guckt auch hinaus. Nach dem Foto muss es die Minka sein und die Tierarzthelferin ruft bei der Katzenmama an. Es dauert nicht lange und die Katzenmama ist da und nimmt ihre Minka glücklich in die Arme. „Da bist du ja, du kleine Ausreißerin!“ Nun hält Minka ganz still, als sie die Impfung gegen viele schlimme Krankheiten erhält. Sie ist aber froh, als sie danach wieder in die Tragebox gehen kann und ihre Katzenmama mit ihr heimfährt. Zu Hause bekommt sie zur Belohnung leckeres Futter. 

Unsere Katzenfreunde laufen nach Hause. Es hatte sich gelohnt, ein weggelaufenes Katzenkind zu suchen und zu finden. Übermütig necken sie sich gegenseitig auf dem Heimweg. Viele Katzen sind bereits geimpft und die anderen Katzen haben auch schon einen Termin, aber das wissen sie noch nicht, damit sie sich nicht verstecken können.