veröffentlicht am Mittwoch, 8. April 2026
Magdeburg. Bunker besichtigen, unter Tage gehen, auf historischen Eisenbahnstrecken die Landschaft genießen – oder die Vorläufer des modernen Industriebaus neu entdecken: Der 16. Tag der Industriekultur in Sachsen-Anhalt macht all das am kommenden Sonntag, 12. April, möglich. Im Zentrum steht in diesem Jahr Dessau. Dort wird der Aktionstag bereits am Donnerstag, 9. April, mit der offiziellen Eröffnungsveranstaltung in der wiederentdeckten Kraftmaschinenhalle eingeläutet.
„Die Kraftmaschinenhalle in Dessau steht exemplarisch für das, was der Tag der Industriekultur sichtbar macht: Orte, die lange übersehen wurden und plötzlich wieder im Mittelpunkt stehen. Genau darin liegt der Reiz für [...] Besucher“, sagt Dr. Thomas Fischer vom Netzwerk Industriekultur Sachsen-Anhalt. Der Industriebau wurde vom Architekten und Vordenker der legendären Bauhaus-Schule für Kunst, Design und Architektur, Peter Behrens, für die Weltausstellung 1910 in Brüssel entworfen, später nach Dessau umgesetzt und geriet über Jahrzehnte in Vergessenheit. Heute gilt die Halle als Schlüsselwerk moderner Industriebaukunst – und rückt im Bauhaus-Jubiläumsjahr zum Landesweiten Industriekulturtag erneut in den Fokus.
Am Sonntag lockt die Industriekultur dann allerorten Gäste an: „Dass sich in diesem Jahr erstmals mehr als 100 Orte beteiligen und für einen neuen Rekord sorgen, zeigt, wie groß das Engagement für und das Interesse an Industriekultur ist“, so Fischer. Die vom Netzwerk Industriekultur mit Unterstützung zahlreicher Einrichtungen, Vereine und Ehrenamtlicher organisierte Veranstaltung zählt damit zu den größten landesweiten Kulturaktionen.
Von der Altmark im Norden bis in den Burgenlandkreis im Süden des Landes reicht die Spannweite: In Tangerhütte (Landkreis Stendal) wird zum Beispiel die Industriekultur rund um das Alte Schloss und die Gießerei erlebbar. In der Landeshauptstadt Magdeburg öffnet unter anderem das historische Schiffshebewerk Rothensee seine Anlagen. In Dessau und Gräfenhainichen sind historische Doppeldeckerbusse ganztägig im Einsatz, in Naumburg verkehrt die Straßenbahn mit dem Lindner-Triebwagen von 1928 im 30-Minuten-Takt, im Harz werden im Schaubergwerk Büchenberg Elbingerode Führungen unter Tage angeboten. Und in Braunsbedra (Saalekreis) ist ein ehemaliger Luftschutzbunker zugänglich. Die Stadt Bitterfeld-Wolfen hat eigens für den Tag der Industriekultur ein Programm mit zahlreichen Spaziergängen, Führungen und Radtouren erarbeitet.
Zahlreiche weitere Orte öffnen ihre Tore – von technischen Denkmalen bis zu Industrieanlagen, einige sind nur an diesem Tag für die Öffentlichkeit begehbar oder werden mit speziell für diese Aktion konzipierten Programmen und Führungen erlebbar gemacht.
Bereits am Freitag und Samstag ermöglichen außerdem Unternehmen mit dem „Offenen Werktor“ zusätzliche Einblicke in die Produktion von heute. Hier liegt der Schwerpunkt in diesem Jahr auf dem Burgenlandkreis.
Bildunterschrift: Heute befindet sich auf der grünen Salineinsel (Halle/Saale) im ehemaligen Gasometer ein Planetarium.
Text: Netzwerk Industriekultur Sachsen-Anhalt/agentur pres(s)tige
Foto: Thomas Fischer