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PISA 2018: Deutschland stabil über OECD-Durchschnitt

Dienstag, den 3. Dezember 2019

Unser Anspruch muss mehr sein: zukünftig weitere Anstrengungen nötig

Fünfzehnjährige in Deutschland liegen in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften weiterhin über dem OECD-Durchschnitt. Lesen war bei PISA 2018 zum dritten Mal der zentral getestete Kompetenzbereich (Hauptdomäne). Die Leistungen bewegen sich auf einem ähnlichen Niveau wie 2009 und deutlich über den ersten Ergebnissen im Jahr 2000 - den beiden Jahren, in denen Lesen ebenfalls Schwerpunkt war.

Mathematik und Naturwissenschaften wurden ebenfalls getestet, wenn auch in geringerem Umfang (Nebendomäne). In den beiden Bereichen zeigen sich kurzfristig kaum Veränderungen. Langfristig betrachtet sind die Ergebnisse leicht rückläufig.

Der Anteil der leistungsschwachen Schülerinnen und Schüler - also derjenigen, die das Mindestniveau in den jeweiligen Domänen nicht erreichen - ist seit 2015 erstmals in allen drei Bereichen wieder gestiegen. Der Wert liegt bei rund 20 Prozent. Zeitweise war er auf rund 15 Prozent gesunken.

Verglichen mit 2009 gibt es in PISA 2018 mehr leistungsstarke Schülerinnen und Schüler im Bereich Lesen. Der Anteil der leistungsstarken Schülerinnen und Schüler liegt zwischen 11 Prozent im Bereich Lesen, 10 Prozent in Naturwissenschaften und gut 13 Prozent in Mathematik und damit signifikant über dem OECD-Durchschnitt.

Deutschland liegt in allen drei Bereichen in einer Gruppe mit Australien, Belgien, Frankreich, Norwegen, Slowenien, Schweden, Großbritannien und den USA. Als beste europäische Staaten schneiden Estland und zum Teil auch Finnland ab. In allen drei Bereichen erzielen die vier teilnehmenden Provinzen Chinas, gefolgt von Singapur, Macao und Hongkong die besten Ergebnisse.

Dazu erklärt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (Foto): "Deutschland hat ein gutes Schulsystem. Die Lehrerinnen und Lehrer leisten hervorragende Arbeit. Dadurch liegt Deutschland auch in dieser PISA-Studie leicht über dem OECD-Durchschnitt. Damit können wir aber nicht zufrieden sein. Andere Staaten ziehen an uns vorbei. Mittelmaß kann nicht unser Anspruch sein. Denn jedes Kind, jeder Mensch hat Anspruch auf gute Bildung. Und außerdem ist unser Wohlstand in Deutschland auf Innovation, Erfindergeist, Exzellenz, und nicht auf Mittelmaß gegründet.

Besonders bedenklich ist, dass jeder fünfte Fünfzehnjährige nicht einmal auf Grundschulniveau lesen kann. Das ist alarmierend, weil dadurch auch die Zahl von über sechs Millionen funktionalen Analphabeten nicht sinken wird. Das passt auch nicht zu unserem Ziel, niemanden zurückzulassen.

Bund und Länder sind gemeinsam gefordert, unser Bildungssystem weiter zu verbessern, jeder in seinem Verantwortungsbereich. Gerade zur frühkindlichen Leseförderung hat der Bund verschiedene Programme ins Leben gerufen. Die werden wir jetzt noch konsequenter weiterverfolgen. Mit Programmen wie ,Schule macht stark' werden wir versuchen, bessere Instrumente zu finden, um Schulen in sozial schwierigen Lagen zielgerichtet unterstützen zu können. Gleichzeitig fördern wir mit ,Leistung macht Schule' besonders leistungsstarke Schülerinnen und Schüler."

Der Präsident der Kultusministerkonferenz und Hessischer Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz erklärt: "Die Ergebnisse von PISA 2018 zeigen, dass Fünfzehnjährige in Deutschland im internationalen Vergleich über gute Kompetenzen verfügen. Es gelingt den Schulen, bei einer deutlich stärkeren Heterogenität der Schülerschaft weiterhin gute Ergebnisse im internationalen Vergleich zu erzielen. Dies zeigt, dass sich die Anstrengungen, die wir nach 2001 unternommen haben, gelohnt haben.

Ein Ergebnis stimmt mich zuversichtlich: Die Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungshintergrund in der 2. Generation, also diejenigen, die hier geboren wurden und unser Bildungssystem durchlaufen haben, haben sich gegenüber den früheren PISA-Studien deutlich verbessert. Es belegt, dass die Schulen einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Integration in unsere Gesellschaft leisten.

Leider bestätigt sich erneut der starke Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und sozioökonomischem Hintergrund. Damit können wir uns nicht zufriedengeben. Deshalb haben wir beispielsweise die gemeinsame Initiative von Bund und Länder für Schulen in sozial schwierigen Lagen ,Schule macht stark' sowie die Initiative ,Leistung macht Schule' für Leistungsstarke auf den Weg gebracht.

PISA 2018 legt den Schwerpunkt auf das Leseverstehen. Als Schwerpunktthema der hessischen KMK-Präsidentschaft 2019 habe ich die Bildungssprache Deutsch gewählt. Ohne deren Beherrschung ist es kaum möglich, erfolgreich an schulischen Lernprozessen teilzunehmen. Mit der diese Woche anstehenden Verabschiedung der KMK-Empfehlung zur Bildungssprache Deutsch sowie mit der Weiterentwicklung der gemeinsamen Initiative ,Bildung durch Sprache und Schrift' zu ,BiSS-Transfer' haben die Länder und der Bund sich dieser Aufgabe aktuell angenommen."
 

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick
 

Für den Bereich Lesen:

Deutschland liegt mit 498 Punkten signifikant über dem OECD-Durchschnitt von 487 Punkten. Die OECD-Spitzenstaaten sind Estland (523), Kanada (520), Finnland (520), Irland (518) und Korea (514).

Seit der ersten PISA-Erhebung 2000 ist der Kompetenzmittelwert für Deutschland damit um 14 Punkte gestiegen. Im Vergleich zu 2009 (497 Punkte) bleibt er ähnlich.

Seit 2009, als Lesen zuletzt Hauptdomäne war, ist der Anteil der Leistungsstarken von 7,6 auf 11,3 Prozent deutlich gestiegen. Der Anteil der Leistungsschwachen ist im Vergleich zu 2009 von 18,5 auf 20,7 Prozent leicht, aber nicht signifikant, gestiegen.
 
Für Mathematik:

Deutschland liegt mit 500 Punkten signifikant über dem OECD-Durchschnitt von 489 Punkten. Die OECD-Spitzenstaaten sind Japan (527), Korea (526), Estland (523), Niederlande (519) und Polen (516).

Gegenüber PISA 2012, als Mathematik zuletzt Hauptdomäne war, sind die Leistungen in Deutschland um 13 Punkte signifikant zurückgegangen.

Seit 2012 ist der Anteil der Leistungsstarken von 17,5 auf 13,3 Prozent signifikant gesunken. Der Anteil der Leistungsschwachen ist seit 2012 von 17,7 auf 21,1 Prozent signifikant gestiegen.
 
Für die Naturwissenschaften:

Deutschland liegt mit 503 Punkten signifikant über dem OECD-Durchschnitt von 489 Punkten. Die OECD-Spitzenstaaten sind Estland (530), Japan (529), Finnland (522), Korea (519) und Kanada (518).

Im Vergleich zu 2015, als die Naturwissenschaften zuletzt Hauptdomäne waren, sind die Leistungen in Deutschland stabil geblieben.
Der Anteil der Leistungsstarken ist mit 10 Prozent seit 2015 stabil, der Anteil der Leistungsschwachen steigt von 17,7 auf 19,6 Prozent.
 
Leistungsdisparitäten:

Im Bereich Lesen haben sich die Jungen im Vergleich zu 2009 leicht verbessert, die Mädchen etwas verschlechtert, wodurch die Geschlechterdifferenz um 19 Punkte abnimmt.

In Mathematik haben sich die Jungen im Vergleich zu 2012 signifikant um 17 Punkte und die Mädchen leicht verschlechtert. Dadurch hat sich die Geschlechterdifferenz etwas abgeschwächt.

In den Naturwissenschaften haben sich die Jungen um 12 Punkte signifikant verschlechtert, während die Leistungen der Mädchen unverändert bleiben und sie nun erstmals einen geringfügigen Vorsprung aufweisen.

Wie in allen Staaten gibt es in Deutschland weiterhin einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status der Eltern und den PISA-Ergebnissen der Schülerinnen und Schüler. Der Zusammenhang ist stärker als im OECD-Schnitt und über dem Niveau von 2009.

Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungshintergrund ist seit 2009 von 26 auf 36 Prozent gestiegen. Laut OECD hat etwa die Hälfte dieser Jugendlichen einen sozioökonomisch niedrigen Status. Jugendliche, die in Deutschland geboren wurden und deren Eltern zugewandert sind, erreichen im Bereich Lesen im Schnitt 477 Punkte. Ist nur ein Elternteil zugewandert, erreichen die Kinder 497 Punkte. Jugendliche der sogenannten ersten Generation, die im Ausland geboren wurden und mit ihren Eltern nach Deutschland eingewandert sind, erreichen 405 Punkte.
 
Weitere Ergebnisse:

Im Bereich Lesestrategie -  also beim zielgerichteten und sinnerfassenden Umgang mit Texten - stehen die Fünfzehnjährigen in Deutschland an der Spitze der OECD-Staaten. 

Die Lesefreude hat erkennbar abgenommen. So hält beispielsweise ein Drittel der Schülerinnen und Schüler in Deutschland Lesen für eine Zeitverschwendung - im OECD-Durchschnitt sind dies deutlich weniger.

Zwei Drittel der Jugendlichen in Deutschland sind mit ihrem Leben zufrieden und 92 Prozent geben an, "manchmal oder immer" glücklich zu sein.

Im internationalen Vergleich ist das Schulklima in Deutschland stärker auf Zusammenarbeit als auf Konkurrenzdenken ausgerichtet. Nur ein Drittel der Fünfzehnjährigen gibt an, dass sie im Wettbewerb mit anderen stehen, während für zwei Drittel das Kooperieren mit anderen im Vordergrund steht.

Fast drei Viertel der Schülerinnen und Schüler geben an, dass ihre Lehrkräfte offensichtlich gerne unterrichten.

Das Selbstvertrauen in die Lesefähigkeit ist in Deutschland überdurchschnittlich ausgeprägt und spiegelt eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten wider.
 
Hintergrund:

PISA wird seit dem Jahr 2000 von der OECD durchgeführt, um die Kompetenzen Fünfzehnjähriger in den zentralen Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften zu ermitteln. An PISA 2018 haben 79 Staaten und Regionen teilgenommen. Es nahmen weltweit mehr als 600.000 Schülerinnen und Schüler teil, in Deutschland waren es 5451 an 223 Schulen. Neben Lesen, das zum dritten Mal als Schwerpunktdomäne untersucht wurde, wurden die Kompetenzen in Mathematik und Naturwissenschaft getestet.

Bei jedem PISA-Zyklus werden Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften getestet, wobei jeweils eines der Bereiche als Schwerpunktdomäne mit deutlich mehr Aufgaben und längerer Testzeit vertieft untersucht wird. Für längerfristige Entwicklung in einem Bereich zählen nur die Ergebnisse der Hauptdomäne.

PISA 2018 wurde zum zweiten Mal nach 2015 in Deutschland am Computer durchgeführt. Die Studie lag in der Verantwortung des Zentrums für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB), einem von Bund und Ländern gemeinsam getragenen Verbund der Technischen Universität München (TUM), des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF) und des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und der Mathematik an der Universität Kiel (IPN).