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Tag der Pflege: In Sachsen-Anhalt fehlen weiter Fachkräfte

12. Mai 2018 - Tag der Pflege

Die Beschäftigung in der Pflegebranche steigt weiter an. Die Stellenbesetzung dauert überdurchschnittlich lange – ein Problem: Viele Fachkräfte pendeln in andere Bundesländer – ein Grund dafür: Die unterschiedlichen Löhne – Senius: „Trotz Qualifizierung von Arbeitslosen - solange Lohnunterschiede so gravierend sind, wird sich an dem Fachkräfteproblem nichts ändern!“

Pflegeberufe in Sachsen-Anhalt boomen. Die Zahl der Beschäftigten steigt, aber für die Branche wird es eng. Denn es fehlen Fachkräfte. Das zeigt eine Datenanalyse der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen zum „Tag der Pflege“ am 12. Mai.

Überdurchschnittlich steigende Beschäftigungszahlen

In Sachsen-Anhalt waren im Juni 2017 49.962 Frauen und Männer in Pflegeberufen beschäftigt, das sind 1.659 Beschäftigte beziehungsweise 3,4 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Zur Einordnung: Die Beschäftigung in Sachsen-Anhalt insgesamt stieg im gleichen Zeitraum lediglich um 1,1 Prozent. „Gerade in Ostdeutschland altert die Bevölkerung sehr stark, dazu kommt ein gewachsenes Gesundheitsbewusstsein. Das führt zu einer hohen Nachfrage nach Arbeitskräften im Pflegebereich. Dieser seit Jahren ungebrochene Trend stößt allerdings an Grenzen, weil der Markt für Fachkräfte quasi leergefegt ist, “ sagt Kay Senius, Chef der Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt.

Wartezeiten von 179 Tagen bei der Stellenbesetzung

Und die Stellenbesetzung dauert überdurchschnittlich lange: Bei 179 Tagen lag etwa die sogenannte abgeschlossene Vakanzzeit von Stellen für Fachkräfte in der Altenpflege im Schnitt im Jahr 2017. 2016 dauerte es noch 124 Tage, bis eine Stelle für Fachkräfte in der Altenpflege besetzt werden konnte. Im Durchschnitt dauerte es im vergangenen Jahr in Sachsen-Anhalt 99 Tage, um eine offene Stelle zu besetzen.

Missmatch: Arbeitslose und Stellen passen häufig nicht zusammen

Dabei ist die Bewerberlage auf den ersten Blick nicht so ungünstig: 1.287 Stellen für Pflegeberufe sind bei den Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt gemeldet, dem stehen 3.040 Arbeitslose entgegen, die eine Tätigkeit in einem Pflegeberuf suchen. Das Problem: Gebraucht werden vor allem Fachkräfte. Viele Arbeitslose streben allerdings eine Helfertätigkeit an. Die Folge: Ein sogenanntes Missmatch. „Bei Fachkräften in der Altenpflege haben wir zum Beispiel nicht mal einen Bewerber pro Stelle. Bei den Altenpflegehelfern kommen rechnerisch mehr als drei Arbeitslose auf einen Job“, erklärt Kay Senius. Die Arbeitsagenturen steuern deshalb mit entsprechenden Qualifizierungsprogrammen für Arbeitslose und geringqualifizierte Beschäftigte gegen. Allein im vergangenen Jahr starteten über 300 Arbeitslose und geringqualifizierte Beschäftigte eine Maßnahme mit dem Ziel eines Berufsabschlusses in Pflegeberufen. „Zur Wahrheit gehört aber auch, dass viele Arbeitslose lange ohne Job sind oder andere individuelle Vermittlungshemmnisse haben. Andere erkennen schnell, dass der fordernde Pflegeberuf schlichtweg nichts für sie ist“, so Kay Senius.

Mehr Aus- als Einpendler

Die Daten zeigen ein weiteres Phänomen, das nicht zur Entspannung der Fachkräftesituation beiträgt: Noch immer pendeln mehr Pflegefachkräfte aus Sachsen-Anhalt zur Arbeit in andere Bundesländer als umgekehrt. So wohnten  2.332  Krankenpflegefachkräfte 2017 in Sachsen-Anhalt, arbeiteten aber in einem anderen Bundesland, ein Jahr vorher waren es noch 2.307. Umgekehrt kamen 478 Krankenpflegefachkräfte aus einem anderen Bundesland zur Arbeit nach Sachsen-Anhalt. Bei den Altenpflegern ist der Trend ähnlich: 1.157 Fachkräfte für Altenpflege pendelten 2017 aus - und nur 266 ein.

Altenpfleger in Niedersachsen verdienen über 20 Prozent mehr als in Sachsen-Anhalt

Ein Grund dafür könnte auch in der unterschiedlichen Entlohnung liegen. So sind in den angrenzenden Bundesländern die Entgelte in Pflegeberufen zum Teil höher als in Sachsen-Anhalt. Während der Medianlohn für vollzeitbeschäftigte Altenpfleger in Sachsen-Anhalt bei 1.864 Euro liegt, verdienen Altenpfleger in Niedersachsen 2.276 Euro brutto, das sind 22 Prozent mehr. In Thüringen liegt der Medianlohn bei 2.102 und in Sachsen bei 1.930 Euro.

Senius: „So lange es so spürbare Lohnunterschiede zwischen den einzelnen Regionen gibt, wird es schwer, das Fachkräfteproblem zu lösen.

„Fachkräfte gewinnt und hält man nur mit guten Arbeitsbedingungen und fairen Löhnen im Beruf und im Land. Daran wird sich nichts ändern. Letztendlich geht es auch immer darum, was man am Monatsende für seine Arbeit bekommt. Solange es so große Verdienstunterschiede zwischen den Ländern gibt und die Arbeit in anderen Berufen ein höheres Einkommen bietet, wird es schwer, das Fachkräfteproblem zu lösen“, erklärte Kay Senius.