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Offener Brief an Holger Stahlknecht und Lutz Trümper zu den Ereignissen vom vergangenen Samstag

Magdeburg, den 23. April 2018

Von Daniel Krüger, GF Café Central, Sternstr. 30

Herr Minister Stahlknecht, Herr Oberbürgermeister Trümper, ist der Hasselbachplatz ein rechtsfreier Raum?

Seit dem Nachmittag des 21.04. war klar, dass ein Teil der Fangemeinde des 1. FCM den Aufstieg feiern wollte und schnell wurde klar dass es auch diesmal wieder zum Hasselbachplatz gehen würde. 
Umso erstaunlicher war es, dass die Polizei zuerst lediglich mit einigen Streifenwagen präsent war, haben doch die Ereignisse der letzten Monate das Gewaltpotential bestimmter Gruppen offengelegt. Nun geschah Folgendes:

Am späten Nachmittag sammelten sich die Fans zum Feiern am Hasselbachplatz. Schnell wurde aus unserer Sicht klar, dass darunter ein beträchtlicher Anteil Gewaltbereiter war, die mit zunehmendem Alkoholkonsum immer aggressiver wurden. Die Stimmung kochte immer weiter hoch und ab ca. 20:30 Uhr überwog eine gewalttätige und brutale Stimmung. „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus.“ und ähnliche Sprüche wurden Passanten nachgerufen. Es wurden Flaschen und Böller geworfen und Raketen abgeschossen. Alles unter den Augen der Polizei. Diese war bspw. in der Sternstraße bis spät in die Nacht jedoch lediglich mit einem Streifenwagen präsent, welcher die Straße für den Durchgangsverkehr sperrte. Die angesprochenen Beamten waren ebenso ratlos wie wir. Am Notruf der Polizei war die Auskunft, dass man die „Beschwerde“ an die Einsatzleitung weiterleiten werde, aber vor Ort derzeit wohl nichts machen könne. Nichts passierte, stundenlang, obwohl in der Leibnizstraße nach und nach massiv Einsatzkräfte zusammengezogen wurden. Erst um zwei Uhr Nachts wurde seitens der Polizei durchgegriffen.

So lange sah die Polizei zu, wie wilde Horden Feuer entzündeten und  den Hitlergruß zeigten. Dabei tragen die Beamten vor Ort sicher keine Schuld. Sie sollten nichts tun, so die Vermutung. Es entstand ein rechtsfreier Raum für lange Zeit.  

Natürlich blieben uns und den Kollegen so die Gäste weg. Wer mag schon einen lauen Frühlingsabend auf einer Terrasse verbringen, wenn nebenan wilde Horden freien Lauf haben? Viel schlimmer jedoch ist die landesweite und nachhaltige Etablierung des Hasselbachplatzes als unsicherer Ort, an dem man nicht angstfrei ausgehen kann. 

Unser Fazit: der Hasselbachplatz wird immer öfter zum rechtsfreien Raum. So auch am vergangenen Samstag. Das Klima von Gewalt und Angst schadet nachhaltig dem Ruf und damit den vielen Geschäften des Stadtteils, der gern als Partymeile Magdeburgs beschrieben wird. Wir sorgen uns um die Zukunft des gesamten Viertels und unseres Lokals vor Ort. 

Es bleiben Fragen:

Herr Stahlknecht, wieso griff die Polizei trotz des oben genannten Verhaltens erst um zwei Uhr Nachts durch? 

Ist der Magdeburger Hasselbachplatz ein zeitweise rechtsfreier Raum? 

Müssen wir, die Ladenbesitzer und Anwohner, solche Ereignisse nun immer häufiger hinnehmen oder uns gegebenenfalls sogar selbst verteidigen?

Herr Trümper, wie lautet Ihr Rezept zum weiteren Umgang mit den sich wiederholenden Ereignissen am Hasselbachplatz?

Wir fordern von den zuständigen Behörden:

Aufklärung zum Verhalten der Polizei am Abend des 21.04.18. Warum wurde stundenlang nichts getan?
Ein langfristiges Konzept der Stadt zur Entwicklung des Hasselbachplatzes als touristischer und kultureller Hotspot der Stadt inkl. Prävention von Gewalt.
Ein kurzfristiges Konzept aller zuständigen Behörden im Hinblick auf die anstehenden Ereignisse wie Christi Himmelfahrt und vor allem die Fussball-WM, die traditionell Anlässe für ähnliche Exzesse bieten. 
  

Daniel Krüger, 
Geschäftsführer 7Fridays Gmbh & Co. KG
Café Central und Rayon Haus Magdeburg