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Rappbode Talsperre Harz pixabay

Sachsen-Anhalt-News: Gedenktafel zur NS-Zwangsarbeit an Rappbodetalsperre im Harz eingeweiht


veröffentlicht am Samstag, 3. Oktober 2026

Oberharz am Brocken/Magdeburg. Die Rappbodetalsperre gilt als herausragendes ingenieurtechnisches Meisterwerk: Sie ist nicht nur die größte und höchste Trinkwassertalsperre Deutschlands, sondern auch unverzichtbar für den Hochwasserschutz im Harz. Die Anlage wurde 1959 in Betrieb genommen, doch ihre Geschichte reicht deutlich weiter zurück. An ein Kapitel, das bislang nur wenig sichtbar war, wird jetzt vor Ort erinnert: Im Beisein von Umweltminister Prof. Dr. Armin Willingmann hat der Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt in dieser Woche eine Gedenktafel zur Zwangsarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1938 und 1945 eingeweiht. Damit werden die bisherigen Informationen zur Bau- und Technikgeschichte ergänzt.

Mit dem Bau des Talsperrensystems im Harz war 1938 begonnen worden. Die Arbeiten wurden 1942 kriegsbedingt weitestgehend eingestellt und 1952 wieder aufgenommen. In der ersten Bauphase mussten auch zwangsdeportierte Männer dort arbeiten, darunter viele Juden. Sie verrichteten an verschiedenen Einsatzorten schwere körperliche Arbeit und lebten eingesperrt in mehreren Lagern, die wie etwa das Lager Wendefurth II am so genannten Kohlenberg mit Stacheldraht gesichert waren.

Wie viele Menschen damals Zwangsarbeit verrichten mussten, lässt sich heute nicht mehr belastbar sagen. Sicher ist: Viele von ihnen kamen dabei ums Leben. Das ist das Ergebnis von Recherchen des Vereins „Spurensuche Harzregion“, für die sich mit Stephan Gistrichovsky auch der Enkel eines ehemaligen Zwangsarbeiters engagiert. Die historische Aufarbeitung durch den Verein ist Grundlage für den nun sichtbaren Ort des Erinnerns in Form der Gedenktafel.

Minister Willingmann sagte: „Die Rappbodetalsperre ist ein Wahrzeichen und Besuchermagnet für die Harzregion. Die touristischen Angebote sind ein echter Mehrwert zu den grundlegenden Funktionen der Anlage für Trinkwasserversorgung, Hochwasserschutz und Stromerzeugung. Umso wichtiger ist es, dass Besucherinnen und Besucher sich ab sofort nicht nur über die eindrucksvolle Technik der markanten Talsperre informieren können, sondern auch über die Geschichte der Menschen, die an ihrer Entstehung beteiligt waren. Und dazu gehören neben den Bauarbeitern zur DDR-Zeit ganz zentral auch die Zwangsarbeiter, die von den Nationalsozialisten entrechtet und verfolgt wurden – und sich hier zum Teil zu Tode schuften mussten. An sie zu erinnern, ist eine Frage unserer menschlichen und historischen Verantwortung.“

Die 1959 eingeweihte Rappbodetalsperre gehört mit der bundesweit höchsten Staumauer (106 Meter hoch und 415 Meter lang) zu den herausragenden Talsperren in Deutschland und ist zudem durch die touristischen Angebote von Harzdrenalin und weiteren Anbietern ein beliebtes Ausflugsziel im Harz. Die Anlage kann 109 Millionen Kubikmeter Wasser speichern und ist damit Deutschlands größte Trinkwassertalsperre: Aus dem knapp vier Quadratkilometer großen Stausee werden jährlich rund 47 Millionen Kubikmeter Trinkwasser für etwa 1,2 Millionen Menschen im mitteldeutschen Raum gewonnen. Seit 1999 ist der Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt für Unterhaltung und Betrieb der Rappbodetalsperre verantwortlich.
 

Text: Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt
Symbolfoto: pixabay