veröffentlicht am Samstag, 20. Dezember 2025
Magdeburg. Ein Jahr nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt gedenkt das Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (LAMSA) e.V. der sechs getöteten Menschen und bekundet seine tiefe Solidarität mit allen Opfern, Verletzten, Hinterbliebenen und Betroffenen. LAMSA verurteilt Gewalt, Hass und Hetze in jeder Form auf das Schärfste.
Die Tat vom 20. Dezember 2024, getragen von islamfeindlicher und rechtsextremer Ideologie, hat Magdeburg tief erschüttert. Die Wunden dieses Anschlags sind bis heute spürbar. Umso alarmierender ist, was in den Monaten danach folgte: Statt gesellschaftlichem Zusammenhalt erlebten Menschen mit Migrationsgeschichte eine massive Welle rassistischer Gewalt. Allein in Magdeburg wurden über 30 Übergriffe dokumentiert – von Körperverletzungen und Bedrohungen bis hin zu Drohbriefen und Hakenkreuz-Schmierereien. Selbst Betroffene des Anschlags wurden zu Zielscheiben von Hass.
Mamad Mohamad (Foto), Geschäftsführer von LAMSA, erklärt: „Der Anschlag hat gezeigt, wohin Hass führt. Die rassistische Gewalt danach hat gezeigt, wie fragil unser Zusammenhalt ist. Menschen mit Migrationsgeschichte werden pauschal zu Sündenböcken gemacht – obwohl der Täter selbst von rechtsextremer Ideologie getrieben war. Diese Täter-Opfer-Umkehr ist zynisch und demokratiegefährdend.“
LAMSA stellt fest: Die Debattenkultur in Sachsen-Anhalt hat sich spürbar verschärft. Migration wird instrumentalisiert, pauschalisiert, entmenschlicht. Was als vermeintlich harte Politik verkauft wird, untergräbt in Wahrheit den gesellschaftlichen Zusammenhalt, beschädigt demokratisches Vertrauen und schwächt die Zukunftsfähigkeit des Landes.
LAMSA fordert von Politik, Zivilgesellschaft und Medien:
- Konsequente strafrechtliche Verfolgung rassistischer Gewalt und Hasskriminalität
- Anerkennung und strukturelle Förderung von Migrantenorganisationen als demokratische Akteure
- Beendigung der instrumentalisierenden und entmenschlichenden Migrationsdebatte
- Investitionen in demokratische Bildung und präventive Arbeit gegen Rechtsextremismus
- Sichtbarkeit und politische Teilhabe von Menschen mit Migrationsgeschichte auf allen Ebenen
„Der Kampf gegen Rassismus ist kein Randthema, er ist Demokratieschutz“, so Mohamad abschließend. „Wer die Demokratie in Sachsen-Anhalt verteidigen will, muss die Würde aller Menschen verteidigen.“
LAMSA wird das Gedenken an die Opfer wachhalten und sich weiterhin für eine offene, solidarische und demokratische Gesellschaft einsetzen.
Über das LAMSA: Das Landesnetzwerk (LAMSA) vertritt die politischen, wirtschaftlichen und sozialen, sowie kulturellen Interessen der Menschen mit Migrationsgeschichte auf Landesebene. Es versteht sich als deren Fürsprecher und steht gegenüber der Landesregierung, allen migrationspolitisch relevanten Verbänden, Institutionen und weiteren Migrantenorganisationen in anderen Bundesländern als Ansprechpartner zur Verfügung. Derzeit sind 120 Organisationen und Einzelpersonen unterschiedlicher Herkunft, kultureller Prägung sowie religiöser Zugehörigkeit im LAMSA vertreten.
Text: Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (LAMSA) e.V.
Foto: Alisa Sonntag