veröffentlicht am Donnerstag, 10. Juli 2025
Magdeburg. Heute findet ab 15 Uhr vor dem Landtag Sachsen-Anhalt in Magdeburg eine Kundgebung unter dem Motto „Familien gehören zusammen!“ statt. Hintergrund ist der Beschluss des Bundestages vom 27. Juni 2025, den Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte für zwei Jahre auszusetzen. Der Gesetzentwurf wird am 11. Juli im Bundesrat behandelt – auch wenn dort kein direktes Votum vorgesehen ist, kann das Gremium eine Stellungnahme abgeben oder Einspruch einlegen.
Zivilgesellschaftliche Organisationen und politische Gruppen fordern ein klares Signal für Menschlichkeit, Gerechtigkeit und das Recht auf Familie. Saeed vom Syrisch-Deutschen Kulturverein (SDK e.V.) sagt dazu: „Seit dem Bundestagsbeschluss zur Aussetzung des Familiennachzuges erreichen uns täglich verzweifelte Rückmeldungen. Viele Betroffene sind am Rande ihrer Kräfte, manche depressiv, einige mussten sogar medizinisch betreut werden. Es geht nicht um abstrakte Zahlen, sondern um Eltern, Ehepartner und Kinder, die teils seit Jahren auf Wiedervereinigung warten. Viele von ihnen sind längst Teil dieser Gesellschaft – sie arbeiten, lernen Deutsch, engagieren sich. Integration braucht Sicherheit – und dafür ist Familienzusammenführung zentral.“
Die Maßnahme wird als notwendige Regelung begründet, doch für die Betroffenen bedeutet sie vor allem eines: weitere Jahre der Trennung von Ehepaaren, Kindern und Eltern. Viele Angehörige leben unter unsicheren und gefährlichen Bedingungen, während in Deutschland lebende Familienmitglieder oft mit Sorge und Ohnmacht zurückbleiben.
Der Bundestag hat damit nicht nur ein Gesetz verabschiedet, sondern eine Entscheidung getroffen, die für tausende Menschen ganz konkrete, existenzielle Folgen hat. Diese Verlängerung der Trennung darf nicht als politischer Kompromiss verharmlost werden. Sie stellt einen tiefen Einschnitt in das Recht auf Familie dar – ein Grundrecht, das in internationalen und europäischen Abkommen fest verankert ist. Wer Familien dauerhaft auseinanderhält, gefährdet Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt. In mehreren Bundesländern finden daher vor den jeweiligen Landtagen am 10. Juli Kundgebungen statt. Der Schutz der Familie ist kein politisches Privileg, sondern ein humanitärer Grundsatz.
Text: LAMSA e. V., Syrisch-Deutscher Kulturverein e. V.
Symbolfoto: pexels