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TV-Tipp-News: Kill the Messenger • 3sat • ab 23.10 Uhr • Thriller nach wahrer Begebenheit

7. August 2022

1996: Der Journalist Gary Webb ist aus persönlichen Gründen mit seiner Frau Sue und seinen drei Kindern von Cleveland, Ohio, nach Kalifornien gezogen. Dort schreibt er für eine Regionalzeitung, die "San Jose Mercury News". Für eine seiner Storys besucht Webb den ehemaligen Drogendealer Ronald J. Quail in dessen Haus. Dieser beschwert sich bei Webb darüber, vom Staat quasi enteignet worden zu sein.

Kurze Zeit später meldet sich die schöne Coral Baca bei Webb. Ihr Freund Rafael Cornejo, genannt Rafi, steht wegen Drogenhandels vor Gericht. Doch nach Meinung von Coral ist er nur ein kleiner Fisch. Der größte Drogendealer des Landes, ein Mann namens Danilo Blandon, wird von der Staatsanwaltschaft unter Russell Dodson jedoch nicht behelligt. Das hat einen Grund. In einem Café übergibt Coral Gary Kopien geheimer Regierungsdokumente, die belegen, dass der US-Geheimdienst CIA billigte, dass große Mengen von Kokain aus Mittelamerika ins Land kamen. Diese Drogen fluteten in Form von Crack vor allem die Straßen von South Central Los Angeles und wurden so überwiegend armen Afroamerikanern zum Verhängnis. Mit den Milliarden-Einnahmen aus dem Verkauf finanzierte die US-Regierung Waffen für die Contras in Nicaragua. Langfristiges Ziel der USA war es, zu verhindern, dass sich kommunistische, von der Sowjetunion unterstützte Systeme vor der eigenen Haustür verbreiten.

Gary recherchiert die schier unglaubliche Story sorgfältig. Im Kern besagt sie nichts anderes, als dass eine demokratische Regierung ungestraft ihre eigene Bevölkerung zur Unterstützung illegaler Kriege im benachbarten Ausland mit Drogen vergiftet. Mit Zustimmung seiner Redakteurin Anna Simons und seines Chefs Jerry Ceppos veröffentlicht Gary die Story unter dem Titel "Dark Alliance" - "Dunkles Bündnis". Auch über das Internet verbreitet sich Garys Geschichte. Zunächst wird der Journalist von den Medien für seine Veröffentlichung gefeiert. Dann leugnen seine Quellen ihre Aussagen, Zeugen verschwinden. Gary hat sich mächtige Feinde gemacht.

"Echter Journalismus berichtet den Leuten etwas, das die Regierung ihnen verheimlichen will." (Gary Webb, übersetzt und zitiert nach dem englischen Presseheft zum Film)

"Manche Geschichten sind zu wahr, um sie zu verbreiten", sagt im Film der von Michael Sheen dargestellte Fred Weil, ein Regierungsangestellter, in Washington D.C. zu Gary Webb. Weil war leitender Ermittler im Untersuchungsausschuss von John Kerry und dann Mitglied im Nationalen Sicherheitsrat.

Gary Webb, geboren 1955, wurde 2004 mit zwei Kopfschüssen tot in seinem Haus in einem Vorort von Sacramento aufgefunden. Offiziell gilt sein Tod als Selbstmord. 1998 veröffentliche die CIA einen 400-seitigen Bericht, der Gary Webbs Enthüllungen bestätigte. Dieser Bericht fand kaum Aufmerksamkeit in der US-Öffentlichkeit, weil die amerikanischen Medien zur selben Zeit nur ein einziges Thema kannten - die Affäre des damaligen Präsidenten Clinton mit seiner Praktikantin Monica Lewinsky. Auch Senator John Kerry, später Barack Obamas Vizepräsident, der in einem Regierungsausschuss die "Iran-Contra-Affäre" untersuchte, bestätigte 1997 im Kern die Richtigkeit von Gary Webbs Recherche.

"Atemlose Spannung, emotionale Intensität und atmosphärische Dichte bieten ausgezeichnete Unterhaltung ..." (Blickpunkt Film vom 17.08.2015)


Text / Foto: ARD