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Motorsport-News: Mercedes-AMG Petronas F1 Team: Großer Preis von Ungarn 2021 - Vorschau

Mittwoch, den 28. Juli 2021

Der elfte Lauf zur Formel 1-Saison 2021 führt die Königsklasse des Motorsports nach Ungarn, wo das letzte Rennen vor der F1-Sommerpause auf dem Programm steht.

Datum: So., 1. Aug., 15:00 Uhr
Strecke: Hungaroring

Toto über Ungarn

Jeder hat seine eigene Meinung zu den Ereignissen in Silverstone und es war ein sehr polarisierender Zwischenfall. Das Wichtigste ist jedoch, dass Max okay ist. Es ist niemals schön, wenn ein Fahrer einen Unfall hat, besonders bei so hohen Geschwindigkeiten und in einer solchen Kurve. Deshalb sind wir froh, dass er diesen Unfall unbeschadet überstanden hat.

Das zurückliegende Rennwochenende war für die Fans sehr unterhaltsam und wir haben eine tolle Kulisse auf den Tribünen gesehen. So etwas hatte es seit einiger Zeit nicht mehr gegeben und wir konnten ihre Energie geradezu spüren. Das machte es zu einem unglaublich besonderen Wochenende und sie hatten die Gelegenheit, ebenso wie die Zuschauer Zuhause, ein extrem dramatisches Rennen zu verfolgen.

Mit Blick auf die Pace unseres Autos war es ein ermutigendes Wochenende. Die kleinen Upgrades, die wir dabei hatten, haben gut funktioniert und wir konnten wertvolle Punkte sammeln. Diesen Schwung möchten wir nun mitnehmen.

Lewis war in Silverstone in einer bestechenden Form und zeigte nach der Strafe eine brillante Aufholjagd vor seinem Heimpublikum. Auch Valtteri erlebte ein starkes Wochenende mit großartigem Teamwork und einer guten Pace, wodurch wir den Abstand in beiden Weltmeisterschaften verringern konnten.

Uns ist bewusst, wie eng es in dieser Saison zugeht und wie das Pendel von einem Rennen zum nächsten zwischen den Teams umschlagen kann. Red Bull und wir sahen in Silverstone sehr ausgeglichen aus, aber auch Ferrari war sehr schnell. Jetzt geht es beim nächsten Rennen auf einer ganz anderen Strecke weiter.

Der Hungaroring ist eine winklige und enge High-Downforce-Strecke. Fast wie eine große Kartbahn. In Ungarn erwartet uns deshalb ein anderes Wochenende als beim letzten Rennen und der Kurs dürfte unseren Konkurrenten wahrscheinlich besser liegen als uns, aber wir werden trotzdem unser Bestes geben.

Hinter uns liegt eine lange und intensive erste Saisonhälfte und wir haben nun fast die Sommerpause erreicht. Jetzt möchten wir sicherstellen, dass wir auf dem richtigen Fuß in die Pause gehen, bevor wir die Chance erhalten, unsere Akkus aufzuladen und die bisherigen Geschehnisse zu analysieren, um dann in der zweiten Saisonhälfte wieder voll anzugreifen.

Wie entscheiden die Teams, was sie an ihren Autos verbessern wollen?

Wie so oft in der Formel 1 kommt alles auf die richtige Planung und die Details an. Bei der Weiterentwicklung eines Autos und der Entscheidung, was man daran verbessern möchte, müssen die Teams zunächst einen Plan erstellen, woran sie arbeiten müssen. Die Frage lautet: Wo liegen die Stärken, die wir weiter ausbauen möchten, und wo die Schwächen, die wir verbessern können?

Bei der Entscheidung für ein Upgrade muss man sich auf die Bereiche konzentrieren, die innerhalb der kürzesten Zeitspanne am meisten Performance-Gewinn einbringen. Gleichzeitig muss man die richtige Balance finden, in welchen Bereichen man danach sucht und wie groß das Projekt sein kann, das man angeht.

Als Faustregel gilt: Je größer ein Teil ist, desto länger dauert es, dieses zu designen, herzustellen und auf die Strecke zu bringen. Dabei müssen die Teams beachten, wie kritisch ein Teil für die Struktur des Fahrzeugs ist. Ein entscheidendes strukturelles Teil wie etwa der Front- oder Heckflügel, die starken Belastungen ausgesetzt sind, muss strenge Tests durchlaufen, um die strikten Sicherheitsregeln zu erfüllen. Deshalb werden diese Komponenten im Normalfall schon relativ früh festgelegt und über sie entschieden.

Als nächstes sehen sich die Teams auf der aerodynamischen Seite den Unterboden und den Diffusor an. Beides sind Teile, die viel Abtrieb erzeugen und lange Produktionszeiten besitzen. Danach sieht man sich die kleineren Komponenten an, die sich schneller herstellen lassen, aber immer noch viel Performance bringen. Das sind etwa die Bremsbelüftungen, Bargeboards oder die Motorabdeckung.

Sobald diese Bereiche definiert wurden, hängt der allgemeine Ablauf für ein Upgrade auf dem Weg zum Streckeneinsatz von der jeweiligen Komponente ab. Aber egal, ob es sich um ein internes oder ein externes Teil handelt, alle müssen entworfen und getestet werden, bevor die Entscheidung getroffen wird, mit dem Konzept fortzufahren oder eine andere Lösung zu suchen.

Sehen wir uns beispielhaft ein Aero-Teil an. Die Aerodynamik-Abteilung entwickelt eine Reihe von Konzepten und Lösungen, die dann in Computational Fluid Dynamics (CFD) Simulationen entworfen und getestet werden. Die besten Optionen werden dann zu Komponenten für ein Windkanalmodell, wo sie getestet werden. Erst danach erhält die finale Lösung grünes Licht, um produziert und an die Strecke gebracht zu werden. Dieser gesamte Prozess kann mehrere Wochen dauern, weshalb die Planung der Upgrades und eine ordentliche Zeitachse für die Weiterentwicklung entscheidend sind.

Viele der innovativen Designs bekommt man im TV nie zu Gesicht, stattdessen sind sie unter dem Bodywork des Autos versteckt, etwa das Getriebe oder die Kühlsysteme. Hier finden sich oft viele kleine Dinge, die sich einfach einbinden lassen und zwischen den großen Upgrades eingeführt werden können.

Einer der interessantesten internen Bereiche für ein Upgrade ist der Motor, da sich hier all die spannenden Dinge in den Brennkammern abspielen. Die Ingenieure können eine Vielzahl an Upgrades für den Motor entwickeln und mitbringen, die von außen kaum wahrnehmbar sind.

So war es zum Beispiel beim DAS-Lenksystem, das wir für die Saison 2020 entwickelt haben. Man konnte es nur sehen, weil die Fahrer das Lenkrad vor- und zurückbewegt haben, um damit eine Innovation zum Leben zu erwecken, die für die restliche Welt ansonsten unsichtbar gewesen wäre.

Was passiert mit den Konzepten, die nicht weiterverfolgt werden?

Die Upgrades, die man an der Rennstrecke sehen kann, sind nur die Spitze des Eisbergs. Es kann hunderte oder gar tausende verschiedener Lösungen geben, die im Laufe des Designprozesses ausgetüftelt werden, aber nicht alle davon werden getestet – zum Beispiel bei Aero-Komponenten in CFD-Simulationen.

Sobald die virtuellen Tests durchgeführt worden sind, wird nur eine Handvoll Konzepte im Windkanal getestet, um ein realistischeres und genaueres Gefühl dafür zu erhalten, wie sie auf den Luftfluss rund um das Auto reagieren. Von diesen Designs landet am Ende nur eines als Teil des Upgrade-Pakets an der Rennstrecke.

Jedes Teil besitzt einhundert Brüder und Schwestern, die mit ihm gemeinsam getestet wurden, um die beste Lösung ausfindig zu machen. An diesem Prozess ist eine Vielzahl an Menschen beteiligt, die unzählige Stunden an jedem noch so kleinen Detail arbeiten. Die meisten dieser Geschwister erblicken niemals das Tageslicht, aber das bedeutet nicht, dass sie komplette Verschwendung wären. Stattdessen ziehen wir daraus sehr wichtige Erkenntnisse, die Inspirationen für die nächsten Lösungen darstellen können, von denen es eine tatsächlich auf die Rennstrecke schafft. Egal, ob es sich um ein internes oder externes Teil handelt, es geht immer um ‚Trial and Error‘, durch dieses Ausprobieren verbessert man sich und findet die richtige Richtung.

Wodurch unterscheidet sich die Weiterentwicklung eines Autos im Jahr 2021?

In diesem Jahr ist die Weiterentwicklung des Autos aus mehreren Gründen anders als jemals zuvor. Zunächst gibt es ein homologiertes Reglement, wodurch die Teile, die wir verändern können, eingeschränkt sind. In Folge der COVID-19-Pandemie wurde das neue Reglement auf 2022 verschoben. Um die Kosten zu senken, beschlossen die Teams, große Teile des Autos zu homologieren und praktisch vom Vorjahr zu übernehmen.

Die Teams durften nur zwei Token einsetzen, um strukturelle Teile zu verändern. Hinzukamen noch die aerodynamischen Komponenten, was eine erhebliche Veränderung im Vergleich zum üblichen Rhythmus des Entwicklungsrennens einer normalen Saison darstellt. Zudem wurde auch das Reglement für die Power Units geändert, sodass daran nur noch ein Upgrade erlaubt ist. Sobald dieses durchgeführt worden ist, darf die Power Unit nur noch aus strukturellen Gründen und zur Verbesserung der Zuverlässigkeit geändert werden.

Der zweite Grund dafür, warum die Weiterentwicklung eines Auto in der Saison 2021 ganz anders ist, sind die Einschränkungen bei den Aero-Tests. Diese sind umso einschneidender, je schneller dein Auto in der Vorsaison gewesen ist. Als amtierender Weltmeister erhalten wir die wenigsten CFD- und Windkanalversuche. Auch dies ist etwas, das wir einkalkulieren müssen, da wir aus jedem CFD- oder Windkanalversuch alles herausholen müssen.

Der dritte Faktor ist die Budgetobergrenze, die dazu führt, dass wir genauer darüber nachdenken müssen, wo wir unsere Ressourcen einsetzen, um das Optimum aus jeder Möglichkeit herauszuholen. Und all das während wir versuchen, die richtige Balance zwischen der Weiterentwicklung des 2021er Autos sowie dem vierten Faktor zu finden - den Regeländerungen für 2022.

2022 erwarten uns erhebliche Regeländerungen, nicht nur angesichts der Änderungen an sich, sondern auch in der Art, wie diese geschrieben sind. Dies ist eine große Menge Arbeit und die Entscheidungen müssen sorgfältig getroffen werden, um das Beste aus der Saison 2021 herauszuholen und gleichzeitig dem 2022er Auto die notwendige Aufmerksamkeit zu widmen. Die Suche nach dieser Balance ist eine ähnliche Herausforderung wie in jeder Saison, aber zu Beginn einer neuen technischen Ära ist sie umso intensiver.

Wie ist es für einen Fahrer, wenn ein Upgrade ans Auto kommt?

Die Fahrer werden kontinuierlich über die Entwicklungsfortschritte informiert, damit sie wissen, wann neue Dinge geplant sind, worauf sie achten müssen und welches Feedback wir uns von ihnen wünschen. Die Korrelation zwischen dem Windkanal und der realen Welt ist unheimlich schwierig, deshalb ist die direkte Rückmeldung, die wir von den Fahrern erhalten, sehr nützlich für uns, um zu sehen, wie ein Upgrade die Performance und die Balance des Autos verändert hat.

„Bei der ersten Ausfahrt ist es sehr schwierig, die Unterschiede zu spüren, weil man einfach schneller ist“, sagte Lewis Hamilton. „Es kann in der Balance versteckt sein. Oft merkt man, wenn das Heck stabiler ist, das heißt, wenn man mehr Abtrieb am Heck hat, bemerkt man es vielleicht am meisten.“

„Das lässt sich nicht immer einfach spüren, aber es steckt enorm viel Arbeit darin, um ein Upgrade an die Strecke zu bringen. So viele Details, so viel Designarbeit und dann der Herstellungsprozess. Wenn man in die Fabrik geht und sieht, wie alle an ihren Workstations voll konzentriert und entschlossen arbeiten, dabei Überstunden machen, damit ein Projekt abgeschlossen wird, das ist einfach fantastisch. Dann sieht man die Ideen, die zu CAD-Zeichnungen werden und das macht sie zu etwas, das man anfassen kann. Das ist absolut überwältigend.“

„Die Kreativität all dieser Leute ist unheimlich inspirierend. Es treibt dich an, wenn neue Teile auf dem Weg sind oder vielleicht ist es etwas, das wir schon seit einiger Zeit wollten, aber es brauchte Monate, um es herzustellen. Wenn es dann endlich da ist, im Auto steckt und du den Unterschied spüren kannst, dann ist das fantastisch.“

Foto: Formel 1 - Mercedes-AMG Petronas Motorsport, Großer Preis von Großbritannien 2021. Valtteri Bottas © Daimler

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