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Motorsport-News: Dieter Gass: „Audi RS 5 DTM ist das Auto, das es zu schlagen gilt“

Donnerstag, den 12. September 2019

Audi hat sich schon vorzeitig die Herstellermeisterschaft in der DTM gesichert. Vor den beiden Rennen auf dem Nürburgring (Samstag und Sonntag jeweils ab 13 Uhr live auf SAT.1) spricht Audi-Motorsportchef Dieter Gass über die Stärken des Audi RS 5 DTM und der Titelkandidaten René Rast und Nico Müller sowie die ersten gemeinsamen Rennen mit der japanischen Super GT.

Herzlichen Glückwunsch zum vorzeitigen Gewinn der Herstellermeisterschaft in der DTM. Wie wichtig ist dieser Titel für Audi?

Wie in der Formel 1 ist auch in der DTM der Fahrertitel in der Wirkung nach außen am wertvollsten. In der DTM hat aber auch der Herstellertitel einen sehr hohen Stellenwert. Er ist ein Indikator dafür, wer als Mannschaft insgesamt den besten Job gemacht hat. Dazu zählen die Fahrer, die Teams, unsere Partner und auch all jene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Neuburg, Ingolstadt und Neckarsulm, die man nicht unbedingt an der Rennstrecke sieht. Es ist der Titel, auf den jeder Audianer stolz sein kann.

Noch nie in der neuen Ära der DTM hat ein Automobilhersteller den Titel so überlegen und so früh gewonnen …

Das hat uns auch selbst etwas überrascht. Es zeigt, dass unser Audi RS 5 DTM in diesem Jahr das Auto ist, das es zu schlagen gilt. Ich denke auch, dass unser Vierzylinder-Turbomotor derzeit das Maß der Dinge ist. Unsere Ingenieure haben ihr großes Know-how gut genutzt. Man darf nicht vergessen, dass Audi bereits 2001 der erste Automobilhersteller war, der die Direkteinspritzung im Motorsport mit der Turboaufladung kombiniert hat. Der Audi R8 LMP war mit seinem TFSI-Motor bei den Sportprototypen von 2001 bis 2005 praktisch unschlagbar. Kurz nach dem ersten Le-Mans-Sieg 2001 kam die TFSI-Technologie in die Serie. Heute ist die Kombination von Benzindirekteinspritzung und Turboaufladung Standard und eine wichtige Effizienztechnologie, die dem Unternehmen hilft, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Von diesem Erfahrungsvorsprung profitieren unsere Kunden – und auch unsere DTM-Piloten.

Können Sie verstehen, dass aufgrund der aktuellen Audi-Überlegenheit erste Rufe laut werden, die Performancegewichte wieder einzuführen?

Natürlich wünschen auch wir uns möglichst spannende und abwechslungsreiche Rennen – aber bitte nicht durch die Rückkehr der Performancegewichte. Der DTM wurde früher vorgeworfen, mehr Show zu sein als Motorsport. Mit Gerhard Berger haben wir einen echten Racer als DTM-Chef. Er sieht es genauso wie wir: Der Beste soll gewinnen. Die Abschaffung der Performancegewichte in der Saison 2017 war ein ganz wichtiger Schritt. Wir haben seitdem trotzdem viele spannende Rennen gesehen. Anfang 2018 waren wir in einer ähnlichen Situation wie jetzt der Wettbewerb: Mit der damals vereinheitlichten Aerodynamik haben wir uns zunächst sehr schwergetan. Absoluter Tiefpunkt war das Samstagsrennen auf dem Lausitzring mit null Punkten. Es war eine schwierige Phase für die ganze Mannschaft, doch wir haben hart gearbeitet und uns trotz der homologierten Autos mit viel Detailarbeit in der laufenden Saison wieder an die Spitze gekämpft. In der DTM geht es um viele kleine Details. Die Zeitabstände sind so gering, dass sich das Blatt jederzeit ganz schnell ändern kann – trotz „eingefrorener“ Technik.

Warum ist Audi in diesem Jahr denn so stark?

Wie gesagt: In der DTM muss das gesamte Paket stimmen. Unsere größte Stärke ist in diesem Jahr ganz sicher, dass unser Auto auf allen Strecken gut funktioniert und alle unsere Fahrer auf einem ähnlich hohen Niveau unterwegs sind.

Was sind die besonderen Stärken von René Rast und Nico Müller, die Kopf an Kopf um den Titel kämpfen?

Sollte René in diesem Jahr Meister werden, dann hat er es unter anderem seiner extrem starken Qualifying-Performance zu verdanken. Er hat inzwischen 27 Punkte allein im Qualifying geholt. Nico Müller hat – saisonübergreifend – inzwischen in 18 Rennen in Folge Punkte geholt. Auch das ist außergewöhnlich.

War es mit Blick auf die Herstellermeisterschaft entscheidend, zwei Autos mehr am Start zu haben als BMW?

Ganz sicher nicht, es zählen ja nur jeweils die vier besten Autos einer Marke für die Herstellerwertung. Der Vorteil ist minimal. Das sieht man auch, wenn man die insgesamt von den zwei zusätzlichen Kundenautos beigetragenen Punkte zusammenzählt.

Nach den letzten Rennen gab es viele Diskussionen zum Thema „Teamorder“. Was sagen Sie dazu?

Ich kann den Wunsch der Fans verstehen, die „freies Racing“ sehen wollen. Das haben sie in der ersten Saisonhälfte auch zu sehen bekommen. Jeder unserer Fahrer hatte die Chance, sich in die Position zu bringen, in der zweiten Saisonhälfte Unterstützung zu bekommen. Das ist bei BMW auch nicht anders. Schauen Sie sich Assen an: Da ist Marco Wittmann von ganz hinten gestartet und innerhalb der ersten fünf Runden von allen seinen Markenkollegen vorbeigelassen worden. Es ist klar, dass jene Fahrer unterstützt werden, die Chancen auf den Fahrertitel haben. Dazu brauche ich auch keine Teamorder. Wir haben intelligente Fahrer, die wissen, wie Teamwork funktioniert. Das kann man durchaus mit der Tour de France vergleichen – oder mit der Formel 1: Hat sich jemand beschwert, dass Sebastian Vettel in Spa mitgeholfen hat, dass sein Teamkollege Charles Leclerc gewinnt? Das gehört einfach zum Motorsport. In der DTM wird es als extremer wahrgenommen, weil wir derzeit nur mit drei Marken fahren und zudem eine der drei noch nicht voll konkurrenzfähig ist. Gerhard Berger arbeitet intensiv daran, mehr Marken in die DTM zu holen – dann erledigen sich die Diskussionen von allein.

  


Foto: DTM 2019, Test Lausitzring

Dieter Gass

Copyright: Audi Communications Motorsport / Michael Kunkel