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Studenten Hoersaal pexels

Magdeburg-News: Systematischer Rechtsbruch an Landes-Hochschulen – GEW Sachsen-Anhalt


veröffentlicht am Dienstag, 9. Dezember 2025

Magdeburg. Eine parlamentarische Anfrage des Landtagsabgeordneten Lange (Die Linke) deckt gravierende Missstände auf: Trotz schuldrechtlicher Vereinbarung setzen die Hochschulen in Sachsen-Anhalt systematisch auf Kurzzeitverträge für studentisch Beschäftigte - mehrheitlich ohne die vorgeschriebene Begründung. Die Gewerkschaften fordern Konsequenzen.

Sofia Kohler, Gewerkschaftssekretärin für Hochschulpolitik der Gewerkschaft Erziehung & Wissenschaft (GEW), erklärt: „Mit der schuldrechtlichen Vereinbarung sollte für studentisch Beschäftigte eine Standardlaufzeit von zwölf Monaten etabliert werden, kürzere Verträge müssen folglich begründet werden. An der Martin-Luther-Universität werden weniger als 50 Prozent der Fälle begründet. An der Otto-von-Guericke-Universität fehlt eine statistische Erfassung der Begründungen gänzlich. Dieser systematische Rechtsbruch ist ein Skandal, bei dem die Landesregierung zuschaut.“

In der Tarifverhandlung der Länder 2023/2024 wurde die schuldrechtliche Vereinbarung geschlossen. Als Standard gelten seit dem 1. April 2024 zwölf Monate Vertragslaufzeit, kürzere Laufzeiten erfordern eine Begründung. Nur 13 Prozent der 7.300 neuangestellten studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräfte erhielten 2024/2025 die Mindestvertragslaufzeit. Hochschulübergreifend liegen explizite Begründungen für die Unterschreitung in weniger als 50 Prozent der Fälle vor.

Felix Stacke, Gewerkschaftssekretär aus Sachsen-Anhalt Nord der vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), gibt sich angesichts der am 3. Dezember 2025 startenden Tarifrunde der Länder kämpferisch: „Die schuldrechtliche Vereinbarung ist gescheitert. Studentisch Beschäftigte dürfen von der Tarifgemeinschaft der Länder nicht wieder mit unverbindlichen Notlösungen abgespeist werden. Dafür ist das Thema viel zu wichtig.

Wir von ver.di als tarifführende Gewerkschaft werden gemeinsam mit unseren Kolleginnen und Kollegen alles daran setzen, dass diese Enttäuschungserfahrung korrigiert wird. Voraussetzung dafür ist, dass wir uns bis dahin weiter organisieren und starke gewerkschaftliche Strukturen an den Hochschulen aufbauen. Wir haben in der letzten Tarifrunde bewiesen, dass wir kämpfen können. Her mit dem Tarifvertrag!

Fabian Pfister, Referatssekretär für die Themen Jugend, Bildung und berufliche Bildung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), wirbt für eine Tarifwende: „In der Anfrage wird ersichtlich, wohin eine Politik führt, die auf Kosten der Beschäftigten spart: Wenn Tarifbindung fehlt, dann zeigen sich unsichere Beschäftigungsverhältnisse, prekäre Verträge und ungerechte Löhne. Die Tarifgemeinschaft der Länder muss Kurs auf die Tarifwende nehmen und den lange geforderten Tarifvertrag für studentisch Beschäftigte abschließen“.


Text: GEW Sachsen-Anhalt
Symbolfoto: pexels