veröffentlicht am Donnerstag, 24. Oktober 2024
Eisleben/Nordhausen. Die Lohnrunde für die rund 1.400 Beschäftigten der Großbäckerei Aryzta an den Standorten Eisleben (Sachsen-Anhalt) und Nordhausen (Thüringen) ist mit einer ersten konstruktiven Verhandlung gestartet. Das Unternehmen sagte zu, die veraltete Eingruppierung zu überarbeiten und deutliche Lohnerhöhungen vorzunehmen. Beides sind zwei zentrale Forderungen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).
„Wir begrüßen den positiven Auftakt. Wichtig ist jetzt, dass Aryzta den Worten Taten folgen lässt. Das wird sich in den kommenden Wochen und am zweiten Verhandlungstermin im November zeigen“, sagt NGG-Verhandlungsführer Olaf Klenke.
Der Gewerkschafter weiter: „Wo landen wir beim Lohn? Wie gestalten sich genau die Abstände zwischen den Lohngruppen und wird wirklich jede und jeder nach seiner Arbeit richtig eingruppiert? Auf diese Fragen brauchen wir konkrete Antworten. Erst dann wissen wir, ob wir auf dem richtigen Weg sind.“
Die Beschäftigten haben eine klare Erwartungshaltung und die NGG weist auf den dringenden den Handlungsbedarf hin. Die unterste Lohngruppe liegt derzeit bei 13,01 Euro in der Stunde und damit nur gering über dem Mindestlohn, der zumb1. Januar 2025 auf 12,82 Euro steigt. Zum 31. Dezember 2024 läuft der aktuelle Tarifvertrag aus. Nach dem Verhandlungsauftakt am 21. Oktober sind für den 19. November und 12. Dezember zwei weitere Termine vereinbart. Gelingt bis Jahresende keine Einigung, sind Streiks möglich.
Neben einer neuen Eingruppierung fordert die NGG für ihre Mitglieder eine Schließung der Lohnlücke zum Tarifvertrag der Brotindustrie Ost. Die Lohnunterschiede liegen hier bei mehreren hundert Euro, bei einzelnen Lohngruppen sogar über tausend Euro.
Bereits vor der ersten Verhandlung sendeten die Beschäftigten mit einer Plakataktion ein deutliches Signal an das Unternehmen. Hunderte haben sich fotografieren lassen mit Sprüchen wie „Wir wollen mehr als Krümel!“, „Unser Teig geht auf, unsere Löhne nicht!“ oder „Ohne uns bekommt ihr nichts gebacken!“
Aryzta ist nach eigenen Aussagen Marktführer für Tiefkühlbackwarenhersteller in Deutschland und versorgt den Lebensmitteleinzelhandel und die Gastronomie mit Backwaren. Statistisch gesehen, verzehre jeder Deutsche pro Jahr 43 ARYZTA-Produkte. Am Standort Eisleben arbeiten rund 1.200 Beschäftigte, in Nordhausen rund 170. Die NGG Ost hat in den vergangenen Jahren die Kampagne Lohnmauer einreißen gestartet und hat in vielen Betrieben deutliche Verbesserungen oder bereits die komplette Lohnangleichung durchsetzen können.
Text: Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten
Symbolfoto: pexels