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Das Welken Unger

POESIE AUS MAGDEBURG ZUM SONNTAG


Das Welken

(zum Gemälde von Hans Unger*)


Du blickst mich an, du junge Frau -
so frühlingshaft und schön.
Wenn ich dir in die Augen schau’,
dann bleibt die Zeit fast steh’n.

Und deine zarte weiße Hand
umschließt die blauen Veilchen.
Du fandest sie am Wegesrand
und hütest sie ein Weilchen.

Du bist perfekt und voller Charme -
ich kann den Blick nicht wenden.
Dein Bild macht mir das Herze warm:
Der Zauber wird nicht enden…

Doch hinter dir ist Sommerzeit -
die dunkelgrünen Bäume -
sie welken. Welken weit und breit
und stören deine Träume.

Schau: gelb und braun die Blätter sind,
sie wollen bald enteilen.
Und so wie sie, kannst du, mein Kind,
nicht ewig hier verweilen.

Gehen die Zeiten auch vorbei,
da Veilchen dich begleiten.
Es soll der Wonnemonat Mai
dir lange Glück bereiten!

Helga Schettge


*Prof. Hans Unger (1872-1936) war ein deutscher Maler und Grafiker.
Sein großformatiges Gemälde „Das Welken“ (158 x 100 cm) entstand 1902 und wurde vom damaligen Kaiser-Friedrich-Museum Magdeburg  im Jahre 1904 angekauft. 
Herkunft/Rechte: Kulturhistorisches Museum Magdeburg

Aus:
Kastanienblüten. – Hohenwarsleben: vabaduse.de, 2017. –
ISBN: 978-3-96004-005-7