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Magdeburg Johanniskirche   Mikulas

Magdeburg-News: Veranstaltungen zum Tag des Gedenkens an die Zerstörung Magdeburgs 1631 am 10. Mai 2025


veröffentlicht am Dienstag, 22. April 2025

Magdeburg. Die Eroberung Magdeburgs durch General Tillys Truppen am 10. (20.) Mai 1631 kam einer Apokalypse gleich. In den Gräueln der „Magdeburger Bluthochzeit“ fanden etwa 20.000 bis 30.000 Menschen den Tod, weit mehr als die Hälfte der damaligen Stadtbevölkerung. Aus Anlass dieser Zerstörung Magdeburgs vor 393 Jahren und in Mahnung an Kriege und Krisen unserer Gegenwart findet am 10. Mai 2025 ein Gedenktag statt. Vielfältige Veranstaltungen, die der Öffentlichkeit kostenfrei zur Verfügung stehen, gedenken der Opfer vergangener und aktueller Kriege in einem würdevollen und kulturellen Rahmen. Seit 1684 jährlich begangen, ist der 10. Mai der älteste Gedenktag in Magdeburg.

 
Ökumenische Andacht mit Gedenkgeläut
10. Mai 2025/9.55 Uhr – Kathedralkirche St. Sebastian
Kathedralpfarrer Daniel Rudloff (katholisch) und
Superintendent Stephan Hoenen (evangelisch)

Mit gemeinsamem Glockengeläut vieler Innenstadtkirchen und musikalischer Begleitung durch die [Hanse]Pfeyfferey gedenken die katholische und die evangelische Kirche gemeinsam den Opfern der Zerstörung Magdeburgs 1631.

Magdeburger Reden über den Frieden
Prof. Dr. Herfried Münkler (Berlin):
„Magdeburg, der Dreißigjährige Krieg und unsere Gegenwart“
10. Mai 2025/17 Uhr – Kulturhistorisches Museum

Herfried Münkler hat den Dreißigjährigen Krieg als Urkatastrophe der Deutschen beschrieben und Magdeburgs Untergang als ihren „blutigsten Tag“. In der diesjährigen Magdeburger Rede über den Frieden setzt der international bekannte Berliner Politikwissenschaftler den Untergang der Elbmetropole vor fast 400 Jahre mit den Weltkrisen unserer Gegenwart in Beziehung.

Gedenkkonzert zur Zerstörung Magdeburgs 1631
„DA PACEM, DOMINE“ – Musik von Krieg und Frieden
10. Mai 2025/20.30 Uhr – Johanniskirche

Werke von Heinrich Schütz, Malachias Siebenhaar, Reiko Füting u.a.
Auditvokal Dresden
Ensemble Art d’Echo (Leitung: Julian Laake)
Dirigent: Olaf Hatzer

Im Rahmen des einfühlsamen Konzertprogramms kommt es zur Wiederaufführung der Einweihungsmusik, die für die Eröffnung der hölzernen Notkirche in der Ruine der Johanniskirche 1644 geschaffen wurde. Malachias Siebenhaars Motette kehrt damit an den historischen Ort ihrer Entstehung zurück. Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Magdeburger Musikverein e.V.
 

Hintergrund zum Kuratorium Friedensforum Johanniskirche

Das Kuratorium hat es sich zur Aufgabe gemacht, im Gedenken an den 10. Mai 1631 bis zu dessen 400. Jahrestag 2031 Formen einer zeitgemäßen Erinnerungskultur zu etablieren, zukunftweisende Projekte für Frieden und Verständigung zu initiieren und thematisch überregional sichtbar zu machen. Von der Elbe soll ein starkes Signal für eine reflektierte Friedensarbeit ausgehen, die auf Verstehen, Versöhnung und Zukunftsorientierung setzt. Das Kuratorium lädt alle Magdeburger*innen, die Gäste und die Freunde unserer Stadt dazu ein, diesen Prozess gemeinsam zu gestalten. Gleichberechtigt kann es die Verständigung über historisches Erbe, städtische Identität und deren zeitgemäße Vermittlung an einem geeigneten Ort moderieren, strukturieren und das Gemeinwohl voranbringen.

Die Johanniskirche als Sinnbild erleb- und vermittelbarer Stadtgeschichte steht zentral im Mittelpunkt. Für sie sollen Perspektiven als Erinnerungs-, Diskussions- und Lernort entwickelt werden.

Auf der Website www.1631-2031.de berichtet das Kuratorium über seine Arbeit und geplante Veranstaltungen.

 
Hintergrund zur „Magdeburger Bluthochzeit“

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Magdeburg für die kaiserlichen Truppen zu einem strategischen Ziel von besonderer Symbolkraft. Die Eroberung der Stadt durch General Tilly am 10. (20.) Mai 1631 ging als „Magdeburger Bluthochzeit“ in die Geschichtsbücher ein. Mehr als die Hälfte der Stadtbevölkerung fiel dem Überfall zum Opfer. Auch wer überlebte, erlitt Gewalt oder wurde als Geisel verschleppt. Die Flammen des folgenden Brandes löschten auch das kulturelle Gedächtnis der Stadt weitgehend aus. Magdeburgs Stellung als urbanes Zentrum im Osten Deutschlands wurde für alle Zeiten gebrochen; der Wiederaufbau der Stadt benötigte mehr als 100 Jahre.

In einer Welt, in der die Geißel des Krieges täglich wütet, und in der doch der Ruf nach Frieden und Verständigung niemals verstummt, bleibt Magdeburgs Schicksal ein Sinnbild für globale Menschheitsfragen und für die langfristigen Folgen von Krieg und Gewalt. Dafür steht Magdeburg wie kaum eine andere Stadt in Deutschland.


Text: Kuratorium Friedensforum Johanniskirche
Foto: Archiv Michael Mikulas