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KfW Research: Elektroautos werden aktuell vor allem von einkommensstarken Haushalten und in ländlichen Regionen genutzt

Dienstag, den 18. Mai 2021

-  Einkommen, Alter und Wohnort spielen Rolle bei Entscheidung für ein E-Auto

-  Motiv für Anschaffung am häufigsten Klimaschutzaspekt und technologische Innovation

 -  E-PKW verdrängen vor allem Autos mit Verbrennungsmotoren

Der Bestand an Elektroautos in Deutschland ist nach wie vor gering, entwickelt sich aber dynamisch: Im vergangenen Jahr machten diese Fahrzeuge laut Kraftfahrtbundesamt bereits knapp 14 % aller Neuzulassungen aus – Perspektive weiter steigend. Eine Sonderauswertung des KfW-Energiewendebarometers gibt nähere Einblicke dazu, was und wer hinter diesem Anstieg steht: Der repräsentativen Befragung von KfW Research zufolge besitzen zurzeit 1,3 % der Haushalte in Deutschland ein batterieelektrisches Auto oder einen Plug-in-Hybrid. Weitere 1,1 % der Haushalte planen die Nutzung binnen eines Jahres. Gegenwärtig sind es vor allem gutverdienende Haushalte in Ein- oder Zweifamilienhäusern. Auch in ländlichen Regionen sind Elektroautos deutlich überdurchschnittlich vertreten.
 
Haushalte mit überdurchschnittlichen Einkommen nutzen rund dreimal so häufig Elektrofahrzeuge wie unterdurchschnittlich verdienende Haushalte. Ähnliches gilt für Haushalte, die in Ein- oder Zweifamilienhäusern wohnen: Hier sind Elektroautos mehr als doppelt so häufig anzutreffen wie bei Objekten mit mehreren Parteien. Auch das Alter der Personen spielt eine Rolle. Bei jüngeren liegt der Anteil etwa doppelt so hoch wie bei älteren Personen. Zudem zeigen sich Unterschiede je nach Wohnsitz des Haushalts. Im ländlichen Raum liegt der Anteil rund 50 % höher als in den Mittel- und Großstädten. Dies dürfte zumindest in Teilen auf die Lade- bzw. Stellplatzmöglichkeiten zurückzuführen sein, die auf dem Land in der Regel besser sind als in der Stadt.
 
Zur Abschätzung der künftigen Nutzung hat KfW Research diejenigen Haushalte gefragt, die noch kein E-Auto nutzen und dies auch nicht binnen eines Jahres planen, ob bzw. wann sie sich für ein Elektrofahrzeug entscheiden könnten. Etwa die Hälfte von diesen geht davon aus, in der Zukunft ein Elektroauto im Alltag zu nutzen; 6 % bereits in den nächsten 2–3 Jahren, 21 % innerhalb von 4 bis 10 Jahren und weitere 22 % im Zeitraum danach. Etwa ein Drittel (32 %) der Haushalte erwartet keinen Umstieg auf ein Elektroauto. Immerhin rund 15 % sehen ebenfalls keine Nutzung, kommen allerdings generell ohne Auto aus. Diese Werte bewegen sich insgesamt auf dem Vorjahresniveau, sodass von einer unveränderten Dynamik bei der Nutzung von E-Mobilität ausgegangen werden kann.
 
Bei den Motiven für die Anschaffung eines E-Fahrzeugs überwiegen Klimaschutzaspekte (78 %) und der innovative Charakter der Technik (62 %). Hauptgründe gegen eine Anschaffung sind neben dem hohen Preis (61 %) vor allem Bedenken hinsichtlich der Praktikabilität, z. B. mit Blick auf Ladeinfrastruktur (69 %) und Reichweite (54 %). Zweifel an der Umweltbilanz von Elektroautos haben im Zeitverlauf zugenommen und werden inzwischen von fast jedem zweiten Haushalt (48 % in 2020 ggü. 36 % in 2017) geäußert. Angesichts eines immer grüneren Strommixes und mehrheitlich „klimapositiver“ Befunde aus der Wissenschaft ist dies ein durchaus überraschender Trend.
 
In den Klimabilanzanalysen wird angenommen, dass das Elektroauto Fahrten mit einem Verbrenner ersetzt und zudem nicht zusätzlich angeschafft wird. Hierzu gibt es bisher wenig empirische Evidenz. Das KfW-Energiewendebarometer zeigt nun, dass rund 30 % der Haushalte in Deutschland, die ein Elektroauto besitzen oder die Anschaffung planen, aktuell nur ein Fahrzeug nutzen. Daneben zeigt sich, dass die E-Pkw gegenwärtig tatsächlich vor allem Verbrenner verdrängen: Die Haushalte gaben an, dass fast drei Viertel der mit dem Elektroauto zurückgelegten Strecken sonst mit einem Pkw mit Verbrennungsmotor zurückgelegt worden wären (74 %). Eine Kannibalisierung von ÖPNV (5 %) und Fahrrad (2 %) hält sich in Grenzen.
 
„Es ist Bewegung in den Markt für Elektromobilität gekommen, und vieles spricht dafür, dass die 2020er-Jahre den Durchbruch der Elektromobilität bringen“, sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib (Foto), Chefvolkswirtin der KfW. Die dynamische Entwicklung sei aus Klimasicht erfreulich, denn die Klimabilanz der Fahrzeuge sei im Regelfall bereits heute deutlich positiv und verbessere sich stetig mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien. „Für das Gelingen der Verkehrswende muss die Elektromobilität jedoch in allen gesellschaftlichen Gruppen als eine attraktive Alternative etabliert werden“, so Köhler-Geib weiter. „Ein wesentlicher Aspekt ist dabei die Wirtschaftlichkeit von Elektroautos. Gezielte Anreize, wie der zum 01.01.2021 eingeführte Preis auf Treibhausgasemissionen im Verkehrs- und Wärmebereich unterstützen die Umstellung auf klimafreundliche Technik. Daneben gilt es, eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur aufzubauen, um eine alltagstaugliche Nutzung von Elektroautos zu ermöglichen.“ Hierbei seien auch die Bereiche zu adressieren, in denen eine Umsetzung mit besonderen Herausforderungen verbunden ist, wie etwa im Fall von Mehrfamilienhäusern.