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VERHALTEN IM VERKEHR: Mit Rücksicht und Fairness unterwegs

20. Juli 2018

  • Rechter Fahrstreifen ist keine Lkw-Spur
  • Bei jeder Stockung Rettungsgasse bilden
  • Beschleunigungsspur ausnutzen

Als Interessenvertretung aller Autofahrer mahnt der Automobilclub von Deutschland e. V. (AvD) sämtliche Verkehrsteilnehmer, sich auf der Straße fair und partnerschaftlich zu verhalten. Der AvD appelliert an Kraftfahrer ebenso wie an Radfahrer und Fußgänger, nicht nur das eigene Vorankommen im Sinn zu haben, sondern auch zu überlegen, welche Auswirkungen das persönliche Verhalten auf andere Verkehrsteilnehmer hat.

Das gilt auch und gerade für Autobahnen, die jetzt in der Ferienzeit besonders in den Brennpunkt des Verkehrsgeschehens rücken. Damit die Kapazitäten der Bundesfernstraßen bestmöglich genutzt werden, ist die Einhaltung des Rechtsfahrgebots, wie es in der Straßenverkehrsordnung festgeschriebenen ist, unbedingt erforderlich. Insbesondere bei dreispurigen Autobahnen scheinen viele Autofahrer der irrigen Meinung zu sein, die ganz rechte Spur dürfe ausschließlich von Lastkraftwagen befahren werden. Die grundlose Dauernutzung der Mittelspur ist jedoch nicht nur rücksichtslos, sondern gefährdet auch den nachfolgenden Verkehr, da schneller fahrende Autos genötigt werden, bisweilen mehrere Fahrstreifen zu wechseln, um Mittelspurfahrer zu überholen. Durch ihr Verhalten beanspruchen Mittelspurfahrer zudem überproportional viel Verkehrsraum: Sie beanspruchen nicht nur ihren eigenen Fahrstreifen, sondern blockieren zusätzlich auch eine entsprechende Fläche auf der rechten Spur. Dadurch schränken Mittelspurfahrer in erheblichem Umfang das Verkehrsvolumen ein, das eine Autobahn aufzunehmen in der Lage ist. Das führt in der Folge zu zähem Verkehrsfluss bis hin zum Stau.

Spurwechsel: Mindestens zweimal in den Rückspiegel schauen

Gefährliche Situationen entstehen auch immer wieder, weil der Überholende den von hinten nahenden Verkehr zu wenig beachtet und das Tempo der Fahrzeuge auf der linken Spur nicht richtig einschätzt. Der Fehler liegt zumeist darin, dass nur durch einen kurzen Blick in den Rückspiegel geprüft wird, ob sich ein Auto von hinten nähert, wobei aber die Geschwindigkeitsdifferenz, mit der sich dieses nähert, nicht abzuschätzen ist. Um die Geschwindigkeitsdifferenz zu schnelleren Fahrzeugen vor dem Überholvorgang richtig zu erfassen, sollten Autofahrer am besten einige Sekunden lang in den Rückspiegel schauen. Da das aber die Aufmerksamkeit zu sehr vom Verkehrsgeschehen vor dem eigenen Fahrzeug ablenkt, empfiehlt der AvD, vor dem Ausscheren mindestens zwei Mal kurz in den Rückspiegel zu schauen. So ist zu erkennen, mit welcher Geschwindigkeitsdifferenz sich ein schnelleres Fahrzeug auf der Überholspur nähert.

Baustelle: Die rechte Fahrspur ist breiter

Für zäh fließenden Verkehr und eine nicht unerhebliche Gefährdung sorgen auch Autofahrer, die eine Baustellenpassage auf der verengten linken Fahrspur durchfahren, sich dann aber nicht trauen, an einem auf der rechten Spur fahrenden Lastwagen vorbeizuziehen. Der AvD erinnert daran, dass es auch in Baustellen keinerlei Verpflichtung zur Nutzung der linken Spur gibt. Es ist nicht ehrenrührig, in Abschnitten mit eingeschränkter Fahrspurbreite auf Nummer sicher zu gehen und auf das Überholen zu verzichten. Stur links zu bleiben, ohne zu überholen, ist hingegen egoistisch und rücksichtslos und erfüllt den Tatbestand der Nötigung. Diese wird als Straftat geahndet und zieht erhebliche Strafen bis hin zu Führerscheinverlust und Freiheitsentzug nach sich.

Generell gilt: Die rechte ist die zu nutzende Fahrspur; die mittlere und linke sind Überholspuren. Zwar gestattet der Gesetzgeber eine längerfristige Nutzung der Mittelspur, wenn auf der rechten Spur in einigem Abstand langsamere Fahrzeuge unterwegs sind. Das bedeutet aber nicht, dass es gestattet wäre, dauerhaft in der Mitte zu fahren, nur weil ganz rechts alle paar Kilometer ein Lkw unterwegs ist.

Rettungsgasse: Verpflichtend, auch wenn kein Einsatzfahrzeug kommt

Zu den verbindlich vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Verhaltensweisen im Straßenverkehr zählt auch das Bilden einer Rettungsgasse, sobald der Verkehrsfluss auf mehrspurigen Straßen stockt. Dabei ist es unerheblich, ob sich von hinten tatsächlich ein Polizei- oder Rettungsfahrzeug nähert. Um die Rettungsgasse zu bilden, orientieren sich alle Fahrzeuge auf der linken Spur am äußersten linken Fahrbahnrand, die Autos auf allen anderen Spuren am rechten Rand. Davon abgesehen ist es sinnvoll, im Stau grundsätzlich ein paar Meter Abstand nach vorn zu lassen, um die Position des eigenen Autos der aktuellen Situation anpassen zu können.

Richtig auf die Autobahn auffahren

Auch an Autobahnauffahrten kommt es regelmäßig zu heiklen Situationen. In vielen Fällen wird der Beschleunigungsstreifen von den auffahrenden Kraftfahrern nicht hinreichend ausgenutzt, weil sie bereits unmittelbar nach Ende der durchgezogenen Linie mit zu niedriger Geschwindigkeit auf den rechten Fahrstreifen der Autobahn wechseln. Besser den Beschleunigungsstreifen vollständig nutzen, um die Geschwindigkeitsdifferenz zum fließenden Verkehr so weit wie möglich zu reduzieren und dann in eine sich bietende Lücke einscheren. Dabei aber keinesfalls einen Spurwechsel erzwingen – die bereits auf der Autobahn fahrenden Fahrzeuge haben in jedem Fall Vorfahrt! Zu einer Gefahr für sich und andere werden auch Fahrer, die sich auf der Autobahn einer Auffahrt nähern und, ohne den rückwärtigen Verkehr zu beachten, die Spur wechseln oder auf ihrer Spur unvermittelt bremsen, um einem anderen Autofahrer das Auffahren auf die Autobahn zu erleichtern. Derartiges Verhalten kann als Verkehrsgefährdung geahndet werden. Kommt es durch eines dieser Manöver zum Unfall, haftet auch der gutmeinende Autofahrer.

Die Panne – ärgerlich und sehr gefährlich

Der Standstreifen einer Autobahn ist kein sicherer Ort. Das wird jeder bestätigen, der schon einmal auf einer Bundesfernstraße mit einer Panne liegengeblieben ist. Daher hat die Eigensicherung oberste Priorität. Wichtig: Ruhe bewahren und Hektik vermeiden. Sobald das Fahrzeug auf dem Standstreifen zum Stehen gekommen ist, sollten alle Insassen durch die Türen auf der rechten Seite aussteigen. Aufgabe des Fahrers ist es nun, das Warndreieck aus dem Kofferraum zu holen und zur Absicherung der Pannenstelle rund 100 Meter entgegen der Fahrtrichtung aufzustellen. Bevor es losgeht, die Warnweste nicht vergessen! Den Weg legt man am besten am äußersten Rand des Standstreifens zurück und hält währenddessen das aufgeklappte Warndreieck vor dem Oberkörper. Das erhöht die Sicherbarkeit und Sicherheit. Der Rückweg wird dann auf dem angrenzenden Grünstreifen zurückgelegt, wobei man stets ein Auge auf den fließenden Verkehr haben sollte. Auch die übrigen Mitfahrer sind gut beraten, sich auf den Grünstreifen zu begeben und falls erforderlich die Leitplanke zu übersteigen. Tipp: Positionieren Sie sich am Heck ihres Fahrzeugs oder – noch besser – ein paar Schritte entgegen der Fahrtrichtung. So vermeiden Sie, dass sie vom eigenen Auto erschlagen werden, falls ein vorbeifahrendes Auto mit dem Pannenfahrzeug kollidiert. Sind alle Reisenden in Sicherheit, ist der richtige Zeitpunkt gekommen, den Notruf abzusetzen. Dafür kann man sich der in regelmäßigen Abständen entlang der Autobahn positionierten Notrufsäulen bedienen oder ganz komfortabel das eigene Mobiltelefon nutzen.



Bildnachweis: © shutterstock - oneinchpunch