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Depressiv pixabay JoelFazhari 25.08

Gesundheit-News: Eine stille Krise? Männer und Depressionen - Schweigen belastet!


veröffentlicht am 25. August 2025

Bad Saulgau, August 2025. Depression gilt als Volkskrankheit – doch bei Männern bleibt sie besonders häufig unerkannt. Viele Betroffene zeigen keine „klassischen“ Symptome wie Traurigkeit oder Rückzug. Stattdessen kompensieren sie ihre innere Not mit Gereiztheit, übermäßigem Leistungsstreben oder sogar Suchtverhalten. 
„Wir sehen in der Klinik immer wieder Männer, die sich selbst nicht als depressiv wahrnehmen, obwohl sie seit Jahren alle Warnsignale aussenden“, sagt Dr. med. Steffen Häfner, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Er ist ärztlicher Direktor der Klinik am schönen Moos und gibt Einblicke in die meist maskierte Männerseele.

Gefühle bleiben ein Tabu
Ein zentrales Hindernis ist das Fortbestehen traditioneller Rollenbilder, die Stärke und Belastbarkeit betonen, während Emotionen wie Traurigkeit oder Angst noch immer als Schwäche gelten. Viele Männer haben nie gelernt, offen über ihre Empfindungen zu sprechen, und versuchen stattdessen, Probleme allein zu lösen – sei es, indem sie nach Feierabend stundenlang ins Fitnessstudio gehen, Überstunden anhäufen oder ihren Frust im Alkohol ertränken. „Was nicht ausgesprochen wird, bleibt im Innern stecken und kann zur gefährlichen Sackgasse werden, aus der man allein kaum herausfindet“, warnt Dr. Häfner.

Hilfe annehmen fällt schwer
Wissenschaftliche Studien zeigen konsistent: Männer suchen deutlich seltener professionelle Unterstützung als Frauen. Nur ein Bruchteil der Betroffenen nutzt therapeutische oder medizinische Angebote. „Der Weg in die Praxis oder Klinik ist für viele mit Scham behaftet. Sinnvoll sind deshalb geschlechtssensible, niedrigschwellige Angebote: Gruppentherapien nur für Männer, spezifische Ansprache in der Diagnostik oder alltagsnahe Hilfsprogramme zu Themen wie Work-Life-Balance, Erschöpfung oder Konfliktbewältigung“, erklärt der Facharzt. „Betroffene kommen erst, wenn nichts mehr geht. Wir müssen vorher ansetzen – mit Angeboten, die ihre Lebensrealität ernst nehmen und sie emotional abholen, ohne vorschnell zu pathologisieren.“

Schweigen belastet Partnerschaft und Familie
Wenn Männer ihre Depression nicht benennen können, belastet das oft auch Partner und Familien. Kommunikationsabbrüche, zunehmende emotionale Distanz, Rückzug oder Wutanfälle sind keine Seltenheit. Das Risiko: Auch Angehörige beginnen zu leiden, fühlen sich machtlos und alleingelassen. Dr. Häfner betont: „Eine unerklärliche Veränderung des Miteinanders, etwa wenn Nähe schwindet oder Gespräche vermieden werden, kann Ausdruck einer Depression sein. Nicht jede emotionale Kälte ist ein Beziehungsproblem – manchmal ist sie ein Krankheitssymptom.“

Raus aus der Sackgasse
Gerade Männer sind online oft aufgeschlossener: Chatangebote, Apps oder Online-Selbsttests senken die Hemmschwelle und ermöglichen einen ersten, anonymen Zugang. „Digitale Tools können ein Türöffner sein, um den Einstieg zu erleichtern“, so Dr. Häfner. Auch in der Therapie kommen digitale Bausteine inzwischen gezielt zum Einsatz – als Ergänzung, nicht als Ersatz. „Wir dürfen nicht erwarten, dass Männer sich in klassische Therapiesettings fügen. Manchmal beginnt der Weg aus der Krise mit einem Klick, und das ist okay.“

Unterstützung von außen
Einfühlungsvermögen, Geduld und die Bereitschaft, das Thema anzusprechen, sind entscheidend. Dr. Häfner rät, konkrete Veränderungen zu thematisieren und Unterstützung anzubieten, ohne zu moralisieren oder zu drängen. Im Alltag kann es helfen, kleine gemeinsame Routinen beizubehalten, etwa Spaziergänge, gemeinsames Kochen oder feste Essenszeiten. Offene Fragen wie „Wie geht es dir heute wirklich?“ oder „Was würde dir gerade guttun?“ laden eher zum Gespräch ein als Ratschläge oder Bewertungen. 
Auch praktische Entlastung, wie die Übernahme von Terminen, kann Druck nehmen. Gleichzeitig sollten Angehörige ihre eigenen Grenzen im Blick behalten und bei Bedarf selbst Unterstützung suchen. „Partner sind oft der Schlüssel zur Veränderung, aber sie sind nicht verantwortlich für die Lösung. Es braucht professionelle Begleitung, um aus der Isolation herauszufinden“, betont Dr. Häfner.
Weitere Informationen unter www.klinik-a-s-moos.de




Text / Foto: Borgmeier Public Relations / pixabay-JoelFazhari