veröffentlicht am Sonntag, 19. Juli 2026
Magdeburg. Wenn der Job längst zu hart und die Rente noch zu weit weg ist: Von den rund 3.350 Bauarbeitern in Magdeburg sind nach aktuellen Angaben der Arbeitsagentur gerade einmal rund 100 Beschäftigte älter als 63 Jahre. „Ob Maurer, Dachdecker, Kanal- oder Straßenbauer: Sie machen harte körperliche Arbeit. Und das bei Wind und Wetter – bei Hitze und Frost“, sagt Thomas Waldheim von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Der Vorsitzende der IG BAU Altmark-Börde-Harz sieht dabei eine kritische Altersgrenze: „Für die meisten ist schon Schluss, bevor sie 60 sind. Sie packen die Arbeit auf dem Bau gesundheitlich dann einfach nicht mehr“, so Thomas Waldheim.
Für die IG BAU Altmark-Börde-Harz ist klar: „Es schafft kaum einer, auf dem Bau bis 67 zu arbeiten. Wenn es demnächst dann noch länger gehen soll: keine Chance“, so Thomas Waldheim. Der Gewerkschafter kritisiert damit die Pläne der Rentenkommission, die die Bundesregierung umsetzen will. „Was dabei fehlt, ist die Flexi-Rente. Also die Chance auf vernünftige Übergänge vom Arbeitsleben in den Ruhestand für alle Branchen, in denen Beschäftigte durch ihren Job gesundheitlich einfach früher am Ende sind. Eine faire Rente muss unbedingt dem ‚Härtegrad der Arbeit‘, die geleistet wird, angepasst werden“, sagt Thomas Waldheim und fordert für die Betroffenen einen „Expresszugang in den regulären Ruhestand“.
Das gelte für die Baubranche, aber auch für die Land- und Forstwirtschaft, die Gebäudereinigung, den Garten- und Landschaftsbau. An die heimischen Bundestagsabgeordneten in Magdeburg und der Region appelliert die IG BAU Altmark-Börde-Harz, „Renten-Rückgrat“ zu zeigen und die Pläne der Bundesregierung „dringend zu korrigieren“. Andernfalls würden viele Berufe, in denen hart gearbeitet werde, mehr und mehr an Attraktivität verlieren.
Ein weiterer Kritikpunkt der Gewerkschaft: das Abschaffen der Rente mit 63. „Das wäre gerade für viele Baby-Boomer ein Schlag ins Gesicht. Es macht ihnen nämlich einen dicken Strich durch ihre Lebensplanung“, sagt Thomas Waldheim. Betroffen davon seien viele: In Magdeburg gibt es 32.600 Baby-Boomer, die in den kommenden zehn Jahren in Rente gehen werden, so die IG BAU Altmark-Börde-Harz. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Berechnungen des Pestel-Instituts.
Der Chef der IG BAU Altmark-Börde-Harz warnt, die geburtenstarken Jahrgänge nicht zu enttäuschen: „Immerhin haben viele Boomer ihre Beitragsjahre für die Rente voll. Sie haben 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt und damit eine enorm lange Zeit ihres Lebens gearbeitet. Ihnen jetzt – gewissermaßen kurz vor knapp – die Rente mit 63 vor der Nase wegzuschnappen, das geht nicht. Das kostet politisches Vertrauen – und Vertrauen in den Staat“, ist Thomas Waldheim überzeugt.
Im Fokus der Kritik der IG BAU Altmark-Börde-Harz steht auch das Rentenniveau. Dabei gehe es um einen weiteren wichtigen Punkt von den 33 Vorschlägen, den die Rentenkommission vorgelegt hat: Es fehle eine garantierte Haltelinie beim Rentenniveau. Hierauf baue vor allem die kommende Rentner-Generation: „Der Staat darf den Baby-Boomern ab 2031 kein Absenken des Rentenniveaus unter 48 Prozent zumuten. Auch hier muss die Rentenpolitik Verantwortung zeigen: Rente ist politische Vertrauenssache“, so Thomas Waldheim.
Die Bundesregierung müsse dringend klarstellen, dass es keinen Einbruch beim Rentenniveau gebe – auch nicht beim Übergang zur kapitalgedeckten Zusatzrente. „Grundsätzlich muss das Rentenniveau dann schnell wieder auf mindestens 53 Prozent kommen“, sagt IG BAU-Bezirkschef Thomas Waldheim. Auch hierfür sollen sich, so die Forderung der IG BAU Altmark-Börde-Harz, die heimischen Bundestagsabgeordneten in ihren Fraktionen in Berlin jetzt stark machen.
Bildunterschrift: Auf Dauer nicht zu machen: das Schleppen von Säcken. Gerade Ältere stoßen bei schwerer körperlicher Arbeit wie auf dem Bau an ihre Grenzen. Deshalb soll es für alle, die hart arbeiten, eine „Flexi-Rente“ geben – eine Art „Expresszugang in den Ruhestand“, fordert Thomas Waldheim von der IG BAU Altmark-Börde-Harz. Außerdem appelliert er an die heimischen Bundestagsabgeordneten, sich gegen die Abschaffung der Rente mit 63 stark zu machen. Und auch beim Rentenniveau fordert die IG BAU Altmark-Börde-Harz eine Haltelinie bei zunächst 48 Prozent. Die Zielmarke müsse künftig allerdings wieder bei mindestens 53 Prozent liegen.
Text: Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt Bezirksverband Altmark-Börde-Harz
Foto: IG BAU | Alireza Khalili