veröffentlicht am Sonntag, 2. November 2025
Magdeburg. Die Proben für die nächste Premiere am 9. November läuft im Magdeburger Theater auf Hochtouren. Es ist „Clivia“, die Operette von Nico Dostal aus dem Jahre 1933. Auf der Grundlage des Originals arrangiert der musikalische Leiter Kai Tietje die Musik neu und erstellt mit Regisseur Julien Chavaz und Dramaturg Christoph Clausen aus der aberwitzigen Story eine zeitgemäße Überarbeitung. Nach dem einschlagenden Erfolg von „Blume von Hawaii“ inszeniert Magdeburgs Theaterintendant damit wieder einen echten Operettenklassiker in zeitgenössischem Gewand. Tietje dirigierte „Clivia“ bereits an der Komischen Oper in Berlin.
In Magdeburg begeisterte er das Publikum mit der Open Air Aufführung „Catch Me If You Can“ und mit der „Blume von Hawaii“. Die Zusammenarbeit mit dem Magdeburger Theater, insbesondere mit dem tollen Orchester und engagierten inszenierenden Intendanten, bedeutet ihm viel. Es ist nun schon seine dritte Premiere am Magdeburger Theater. Wie ich von Tietje erfahre, kommt er eigentlich aus der Unterhaltung, spielte in der Schule und später in Bands vorwiegend Rock und Pop. Dirigent zu werden war nicht sein erstes Ziel, Komponist wollte er werden. Er absolvierte zunächst in Düsseldorf ein Studium zum Diplom-Ton- und Bildingenieur, bevor er seine musikalische Ausbildung an der dortigen Robert-Schumann-Hochschule in den Fächern Dirigieren und Klavier fortsetzte und mit Auszeichnung abschloss. Nach dem Studium ging er als Kapellmeister ans Musiktheater nach Gelsenkirchen, wo er für zahlreiche Einstudierungen von Opern, Operetten und insbesondere Musicals verantwortlich zeichnete.
Seine Musikalität hat er von den Großeltern vererbt bekommen und am liebsten macht er Arrangements für Operetten in moderner Erzählweise, mit Humor und durchaus mit poppigen Gesangsszenen. Die Bearbeitung einer Operette dauert ca. 6 Wochen und endet mit einer Klavierfassung. Etwa 2000 Seiten Noten umfasst eine Operette. Wie Tietje mir schmunzelnd erzählt, sei ihm beim Dirigieren auch schon mal der Taktstock ins Publikum entglitten. Ein Zuschauer tippte ihn beim Dirigieren an die Schulter und gab ihn zurück. Seine Frau, die er beim Studium kennenlernte, ist übrigens Sopranistin und die 18jährige Tochter Ava probiere sich noch musikalisch aus. Sie singt und spielt Gitarre in einigen Bands und schreibt kleine Drehbücher. Nun macht sie aber erst einmal ihr Abitur.
Bildunterschrift: das dritte Mal zu Gast am Magdeburger Theater ist Kai Tietje
Bildunterschrift Titelfoto: Ausschnitt aus der Operette „Clivia“, die am 9. November Premiere hat
Text: Gisela Lichtenecker
Foto: Nilz Böhme/Ludwig Ohla