veröffentlicht am Mittwoch, 24. September 2025
Magdeburg. Die Bildungsgewerkschaft GEW Sachsen-Anhalt nimmt das Sofortprogramm „Kita STABIL“ des Sozialministeriums positiv auf. Die angekündigten Schritte setzen ein kurzfristig beruhigendes Signal für die angespannte Situation in vielen Kitas. Geplante Investitionen, die neue „Demografiepauschale“ sowie die angekündigten Dialogprozesse mit Trägern und Beschäftigten sind wichtige Impulse zur Stabilisierung des Kita-Netzes in Sachsen-Anhalt.
Würdigung der Maßnahmen
Die GEW begrüßt, dass mit „Kita STABIL“ erstmals gezielt auf den demographischen Wandel reagiert wird. Besonders die vorgesehenen Finanzhilfen für Gemeinden mit sinkenden Kinderzahlen und die Schaffung von Stellen, die über den Mindestpersonalschlüssel des KiFöG hinausgehen, können Einrichtungen kurzfristig entlasten.
„Erfreulich ist die angekündigte Einbindung von Kita-Trägern und Fachkräften in einen kontinuierlichen Dialog. Nach unserer Einschätzung ist es richtig, dort anzusetzen, wo die Probleme derzeit am deutlichsten spürbar sind – etwa bei kleinen Einrichtungen auf dem Land. Gleichzeitig warnen wir davor, dass die Herausforderungen keineswegs nur den ländlichen Raum betreffen. Wir sind gespannt, wie die Begrifflichkeiten ‚Demografiepauschale‘ und ‚Flächenfaktor‘ in der Praxis konkret umgesetzt werden sollen“, sagt Carsten Sievers, Gewerkschaftssekretär für Jugendhilfe und Soziale Arbeit der GEW Sachsen-Anhalt.
Beratung im Landtag
Am 24. September 2025 wird der Ausschuss für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung über die Situation in Sachsen-Anhalts Kitas beraten. Die öffentliche Anhörung im Landtag in Magdeburg beginnt um 9:30 Uhr – die GEW Sachsen-Anhalt wird vor Ort sein.
Forderungen der GEW
Trotz dieser Schritte hält die GEW an ihren zentralen Forderungen fest. Im Mittelpunkt steht die Einführung einer gesetzlich verankerten, tatsächlichen Fachkraft-Kind-Relation. Nur mit einer verbindlichen Regelung auf Grundlage wissenschaftlicher Empfehlungen lassen sich dauerhaft die Qualität der frühkindlichen Bildung sichern und die Arbeitsbelastung der Erzieher*innen wirksam verringern. Darüber hinaus erwartet die GEW, dass nun insbesondere junge Fachkräfte eine verlässliche berufliche Perspektive erhalten. In den kommenden Jahren wird ein erheblicher Teil der jetzigen Erzieher*innen in den Ruhestand gehen. Um diesen Generationenwechsel zu bewältigen, braucht es verbindliche Zusagen für die Übernahme des pädagogischen Nachwuchses und Planungssicherheit für Berufseinsteiger.
Bei der Umsetzung der geplanten Bildungspauschale ist es besonders wichtig, dass Personalausfall zum Zwecke der Fortbildung ausgeglichen wird und zur Nachhaltigkeit des Bildungsprogramms mittelbare pädagogische Arbeitszeit (zur Vor- und Nachbereitung) unerlässlich ist.
„Die GEW wird die Umsetzung der Maßnahmen kritisch und konstruktiv begleiten. Für uns ist klar: Kitas brauchen keine punktuellen Programme, sondern dauerhaft bessere Arbeitsbedingungen und eine verbindliche Fachkraft-Kind-Relation. Die Herausforderungen sind nicht auf einzelne Regionen beschränkt: Sowohl in den Städten als auch auf dem Land muss das gesamte Kita-System zukunftsfest gemacht werden. Nur so können die pädagogischen Fachkräfte gehalten, der Nachwuchs dauerhaft gebunden und die Bildungschancen aller Kinder langfristig gesichert werden,“ sagt Gewerkschaftssekretär Carsten Sievers abschließend.
Text: GEW Sachsen-Anhalt
Symbolfoto: pexels