veröffentlicht am Dienstag, 22. Juli 2025
Bad Doberan/Halle/Magdeburg. Die 6. KlangART Vision ist am Samstag mit einem Gastauftritt bei der »Zappanale« in Bad Doberan unter tosendem Beifall ausgeklungen. Der erfolgreiche Abschluss zeigt die Bedeutung des Festivals und der zeitgenössischen Musik in Sachsen-Anhalt – auch über Landesgrenzen hinaus.
»Visionäre Klangkunst bereicherte die vergangenen zweieinhalb Monate. Geprägt von künstlerischer Originalität, experimentierfreudigem Zusammenspiel und zeitgeschichtlichem Kommentar. Dargeboten von brillanten [...] Musikern an traditionsreichen Orten des Landes. Mit diesem spannungsreichen Brückenschlag haben wir die Notwendigkeit zeitgenössischer Musik einmal mehr ›betont‹«, resümiert Markus Steffen, künstlerischer Leiter der KlangART Vision 2025.
Vom 4. Mai bis 19. Juli zelebrierte die KlangART Vision das gegenwärtige Musikschaffen in Sachsen-Anhalt mit 18 Veranstaltungen, darunter v. a. Konzerte und Uraufführungen. Unter dem Motto »Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum« widmete sich das Festival im 125. Todesjahr Friedrich Nietzsches seiner Liebe zur Musik und Philosophie der Kunst.
Zu erleben waren die Pianistin Ragna Schirmer, die bedeutenden sachsen-anhaltischen Gegenwartskomponisten Thomas Buchholz und C. René Hirschfeld, regionale Ensembles wie »Vokal Lokal«, »SchallSpektrum« und »X.Brass« sowie internationale Gäste mit dem Kiewer Sinfonie Orchester und Dmitry Batalov, John Cage Award Gewinner des vergangenen Jahres.
In diesem Rahmen wurde der 2. Fanny Mendelssohn Kompositionspreis an Abigél Varga vergeben. Die offizielle Verleihung findet am 4. Oktober 2025 in Halberstadt statt.
Höhepunkte der 6. KlangART Vision
Sechs Uraufführungen bereicherten die 6. KlangART Vision, darunter »Folias! – eine Wahnsinnsrevue« mit Werken von Kurt Schwitters, Arnold Schönberg und Peer Baierlein. Das von Olaf Katzer gegründete Ensemble »AuditivVokal Dresden« entführte das Publikum in die Goldenen Zwanziger, während das Ensemble »Art d’Echo« um Juliane Laake barocke Folias aus ganz Europa zelebrierte. Der lärmenden Lustbarkeit folgten Standing Ovations, sowohl im Gesellschaftshaus Madgeburg als auch im Schloss Köthen.
Das Auftragswerk »Human Behaviour: Björk & Nietzsche« vereinte die Klänge von sechs Musikern, Dutzenden von Instrumenten und den Besuchern selbst zu einem schöpferischen Spiel von Komposition und Improvisation: Das Ensemble Renibre und die deutsch-iranische Dirigentin und Sängerin Cymin Samawatie verwoben Björks sphärische Klangwelten mit Nietzsches Philosophie und eröffneten damit neue Dimensionen der Wahrnehmung – im Gesellschaftshaus Magdeburg und im Puschkinhaus Halle (Saale).
Zwei weitere Uraufführungen vereinte »Am Ende das Leuchten« mit zwei Klavierkonzerten. »MUTTERLAND« von Thomas Buchholz ist die künstlerische Auseinandersetzung mit der Rolle der Frau und der Mutter in der modernen Gesellschaft. C. René Hirschfelds »nacht.wachen.« versteht sich als musikalisches Mahnmal gegen die Unmenschlichkeit gezielter Zerstörung und Gewalt im Krieg. Die Aufführung setzte ein starkes ethisches und künstlerisches Zeichen im aktuellen politischen Diskurs – platziert im Dessauer Technikmuseum »Hugo Junkers«, einem Ort verdichteter Erinnerung: einst Symbol der Vision eines pazifistischen Erfinders, der den Himmel mit Maschinen für den zivilen Fortschritt erschließen wollte, später vom NS-Regime für den Dienst der Kriegsmaschinerie missbraucht.
Berührt haben auch weitere Konzerte: In »VolkseigenTon« im Konzerthaus Liebfrauen Wernigerode beleuchtete Ragna Schirmer mit Matthias Daneck und Axel Ranisch die Musik und Lyrik der DDR im Spannungsfeld zwischen Avantgarde, Regime-Kritik und Kunstdiktat.
Mit »Wanderer und ihre Schatten« widmete sich das neugegründete »SchallSpektrum« in der Kunsthalle Bernburg und dem Schloss Gossler der künstlerischen Auseinandersetzung zeitgenössischer Komponisten mit Friedrich Nietzsche und brachte Kompositionen von Wagner bis Hirschfeld zu Gehör.
Resonanz & Pressestimmen (Auswahl)
Das Flächenfestival ließ die zeitgenössische Musik durch ganz Sachsen-Anhalt tönen – vom pulsierenden Zentrum bis zum entlegeneren Winkel des Landes – und begeisterte vorrangig das lokale Publikum sowie Gäste der Städte und Gemeinden. Die positive Resonanz der Besucher*innen spiegelt das Presseecho mit ausführlichen Beiträgen und anerkennenden Rezensionen bis hin zur überregionalen Berichterstattung (Auswahl):
»Mutige Akteure mit gewagten Ideen an ungewöhnlichen Konzertorten – ein Festival, dem man jährlich wiederbegegnen möchte.« neue Musikzeitung
»Ein wichtiges Zeichen für die Gegenwartsmusik« Mitteldeutsche Zeitung
»Die Vollblut-Instrumentalisten offenbaren sich in diesem 90-Minuten-Werk, dessen Titel gleichsam für die Spannbreite der Klänge steht, als begnadete Tonsetzer.« Volksstimme (über »Human Behaviour« in Magdeburg)
Fanny Mendelssohn Kompositionspreis & Nachwuchsförderung
Im Rahmen der KlangART Vision 2025 wurde der 2. Fanny Mendelssohn Kompositionspreis an die in Ungarn geborene Komponistin Abigél Varga vergeben. Die Auszeichnung ist verbunden mit einer Auftragskomposition, die zur feierlichen Preisverleihung am 4. Oktober 2025 in Halberstadt uraufgeführt wird.
Nachwuchsförderung bildet ein besonderes Anliegen des Festivals. Diesmal waren Schüler*innen des Burg Gymnasiums Wettin eingeladen, die Generalprobe für den Festivalauftakt »It’s wonderful« mit Ragna Schirmer mitzuerleben. Zudem präsentierte die KlangART Vision mit dem Musikland Sachsen-Anhalt »Junge Klänge aus Sachsen-Anhalt« in der Landesvertretung in Berlin.
Partner und Förderer
Kulissen und Kooperationspartner bildeten einige der wichtigsten Kulturinstitutionen des Landes wie das Gesellschaftshaus Magdeburg, das Theater Magdeburg, das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), das Kloster Michaelstein sowie traditionsreiche Spielstätten wie das Konzerthaus Liebfrauen Wernigerode, das Schloss Köthen, die Künstlerstadt Kalbe und die Kunsthalle Bernburg. Zudem gastierte das Festival in der Landesvertretung Sachsen-Anhalts in Berlin sowie auf der »Zappanale« in Bad Doberan.
Allen Mitveranstaltern, musikalischen Institutionen und Kooperations- und Medienpartnern gilt ein besonderer Dank. Ebenso wie dem Land Sachsen-Anhalt, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung für die Förderung einzelner Veranstaltungen und der Julius Blüthner Pianofortefabrik Leipzig für das Sponsoring.
Über KlangART Vision
Das Festival KlangART Vision widmet sich der zeitgenössischen Musik mit Fokus auf dem musikalischen Schaffen in Sachsen-Anhalt. Zu erleben sind etablierte Größen und Nachwuchstalente, Soli, Ensembles und Orchester aus der Region und von internationalem Rang – an verschiedenen kulturhistorisch bedeutsamen Orten des Landes. Unkonventionell, experimentell, über Raum- und Genregrenzen hinweg, werden Brücken gebaut und neue Räume erobert, um ungewöhnliche Begegnungen zwischen den Künstlern und dem Publikum zu ermöglichen – und neue Visionen zeitgenössischer Klangkunst zu erschaffen.
Über International Academy of Media and Arts e. V.
Der International Academy of Media and Arts e. V. (IAMA) ist ein Zusammenschluss von Medienunternehmen und Institutionen der Kreativwirtschaft im Land Sachsen-Anhalt. Der Verein ist Ausrichter der Filmmusiktage Sachsen-Anhalt und des Festivals KlangART Vision. Er vergibt einmal jährlich gemeinsam mit der Deutschen Filmkomponistenunion DEFKOM den DEUTSCHEN FILMMUSIKPREIS. Darüber hinaus tritt er als Akademie in Erscheinung und bietet Workshops und Weiterbildungen im Bereich Postproduktion Film und Animation an. Mit dem Bildungsprogramm sowie Branchen-, Netzwerk- und Publikumevents von internationalem Rang und deutschlandweiter Ausstrahlung gestaltet die IAMA den aktuellen Diskurs um die Zukunft und die Rahmenbedingungen der Kultur-, Medien- und Kreativwirtschaft aktiv mit.
Die KlangART Vision ist eine Veranstaltung des International Academy of Media and Arts e. V., wird gefördert vom Land Sachsen-Anhalt und steht unter der Schirmherrschaft von Rainer Robra, Chef der Staatskanzlei, Staatsminister und Minister für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt.
Bildunterschrift: Abige?l Varga
Text: International Academy of Media and Arts e.V.
Foto: Tomás Cambas