veröffentlicht am Montag, 14. Oktober 2024
Magdeburg. Bereits zum zweiten Mal verleiht die Ingeborg und Dr. H. Jürgen Tiemann-Stiftung am 23. Oktober den mit 50.000 Euro dotierten Tiemann-Preis zum Ankauf zeitgenössischer Malerei. Die Fachjury hat alle Bewerbungen eingehend geprüft und eine Entscheidung getroffen: Das Kunstmuseum Magdeburg ist der diesjährige Preisträger und erwirbt mit dem Ankaufsetat Arbeiten der Künstlerin Özlem Altin. „Das Kunstmuseum Magdeburg wird Altins Werke künftig in direktem Dialog mit anderen Kunstwerken präsentieren, was eine spannende wie auch bereichernde Ergänzung für die bestehende Sammlung darstellt“, heißt es in der Begründung der Jury.
Der renommierte Sammlungs- und Ausstellungsort in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts hatte sich mit dem Vorschlag, mehrere Werke von Özlem Alt?n in seine Sammlung aufzunehmen, um den begehrten Tiemann-Preis beworben und konnte diesen Wunsch besonders überzeugend begründen. Es handelt sich dabei um vier Gemälde beziehungsweise zwei Diptychen der in Berlin ansässigen Künstlerin, die Malerei und konzeptuelle Fotografie miteinander verbindet: das zweiflügelige Bild Naked Eye (landscape), 2023, und die beiden Werke Hieroglyph (transfer through touch), 2019, und Hieroglyph (mechanism), 2019.
„Wir freuen uns, dass das Kunstmuseum Magdeburg den Tiemann-Preis 2024 erhält, und begrüßen mit Begeisterung die Werke von Özlem Alt?n in unserer Sammlung. Unser Museum ist geprägt von künstlerischen Positionen, die gesellschaftliche Umbrüche individuell reflektieren und ihnen einen individuellen künstlerischen Ausdruck verleihen. Altins Werke, die sich durch ihre poetische Kraft und ihre intensive Auseinandersetzung mit körperlicher und gesellschaftlicher Transformation auszeichnen, werden in Magdeburg spannende neue Perspektiven eröffnen. Es ist großartig, dass wir dank der Unterstützung der Tiemann-Stiftung ein zentrales Anliegen unseres Hauses weiter stärken und ausbauen können.“
Der Tiemann-Preis wurde 2023 vom Stifterpaar Ingeborg und Dr. H. Jürgen Tiemann ins Leben gerufen und wird nun jährlich bundesweit ausgeschrieben. Er richtet sich an Museen und Kunstinstitutionen mit eigener zeitgenössischer Sammlung. Das von der Stiftung zur Verfügung gestellte Preisgeld ist für den Ankauf eines oder mehrerer Gemälde einer zeitgenössischen Künstlerin, eines Künstlers, eines Duos oder Kollektivs bestimmt. Die Kunstschaffenden sollten ihren Arbeitsmittelpunkt im deutschsprachigen Raum haben. Erster Preisträger der neuen Auszeichnung war im vergangenen Jahr das Esse- ner Museum Folkwang, das mit dem großzügigen Ankaufsetat eine Werkgruppe des Künstlers Armin Boehm erwarb.
Dr. H. Jürgen Tiemann, Stifter: „In der von uns gewählten Größenordnung gibt es wohl keinen weiteren Ankaufspreis in Deutschland. Museen haben in aller Regel keinen hinreichend großen finanziellen Spielraum für Ankäufe, daher ist unser Konzept sehr passend. Die Jury konzentriert sich in erster Linie auf Werke noch nicht etablierter, relativ junger Künstler. Insofern ist es für diese Künstler auch eine besondere Auszeichnung, nun in Museen ausgestellt zu werden. Die Reaktion der Museen, sich in erheblichem Umfang an den Ausschreibungen zu beteiligen, zeigt, dass wir mit unserer Konzeption richtig liegen. Die Voraussetzungen für diesen Kunstpreis sind so arrangiert, dass er sehr langfristig vergeben werden wird.“
Am 23. Oktober 2024 findet im Kunstmuseum Magdeburg ein Festakt zur Preisverleihung in Anwesenheit des Stifterpaars Ingeborg und Dr. H. Jürgen Tiemann und der Künstlerin Özlem Altin statt.
Das Museum nimmt an diesem Tag den Ankaufsetat entgegen. Gleichzeitig wird der künstlerische Inhalt im Rahmen der Präsentation der angekauften Werke gewürdigt. Die Neuerwerbungen sollen im Kunstmuseum Magdeburg zunächst repräsentativ ausgestellt und anschließend möglichst dauerhaft gezeigt werden.
Die öffentliche Ausschreibung für den Tiemann-Preis 2024 lief vom 1. Februar bis zum 30. April 2024.
Über die Vergabe des Preises hat eine Jury aus Experten für zeitgenössische Kunst entschieden.
Die Fachjury bildeten in diesem Jahr:
- Christiane Mennicke-Schwarz, Leiterin des Kunsthauses Dresden, Kunsthistorikerin und Kuratorin
- Prof. Dr. Annette Tietenberg, Professorin für Kunstwissenschaft, Hochschule für Bildende Künste, Braunschweig
- Prof. Dr. Wolfgang Ullrich, Kulturwissenschaftler und Kunsthistoriker, Leipzig
- Moritz Wesseler, Direktor des Fridericianum Kassel, Kunsthistoriker und Kurator
- Marcus Woeller, Kunstmarktredakteur bei Welt/Welt am Sonntag
Der Tiemann-Preis
Seit 2023 verleiht die Ingeborg und Dr. H. Jürgen Tiemann-Stiftung jährlich den mit 50.000 Euro dotierten Tiemann-Preis. Um den Preis bewerben können sich Museen und Kunstinstitutionen im gesamten Bundesgebiet, die über eine eigene Sammlung zeitgenössischer Kunst verfügen. Der Ankaufsetat ermöglicht es der Preisträger-Institution, ihre Sammlung durch den Erwerb eines Werks oder einer Werkgruppe aus dem Bereich der Malerei zu erweitern. Das Stifterpaar möchte mit dem Tiemann-Preis Häuser im Ausbau ihrer Sammlungen unterstützen und zugleich künstlerische Inhalte würdigen,
die auf dem Gebiet der zeitgenössischen Malerei einen wesentlichen Beitrag zum aktuellen Kunstdiskurs leisten. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass dank dieser Förderung herausragende malerische Positionen dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die vorgeschlagenen Werke sollen die jeweilige Sammlung in über- zeugender Weise ergänzen. Außerdem wird vorausgesetzt, dass die betreffende Künstlerpersönlichkeit (bzw. das Künstlerduo oder -kollektiv) ihren Arbeitsmittelpunkt im deutschsprachigen Raum hat. Eine fünfköpfige Fachjury wählt – ohne Einflussnahme des Stifterpaars – jedes Jahr einen Preisträger aus. Der Tiemann-Preis ist ein außergewöhnlich hoch dotierter Ankaufspreis und in seiner Ausrichtung einzigartig in Deutschland.
www.tiemann-preis.de
Die Tiemann-Stiftung
Im Jahr 2018 wurde die gemeinnützige Ingeborg und Dr. H. Jürgen Tiemann-Stiftung gegründet, die sich vor allem in den Bereichen Kunst und Kultur, Denkmal- und Naturschutz sowie Bildung engagiert. Ingeborg und Dr. H. Jürgen Tiemann legen viel Wert darauf, gezielt, langfristig und möglichst komplett Projekte zu fördern, die ihnen persönlich besonders am Herzen liegen. Dabei trifft die Liebe zu zeitgenössischer Malerei auf eine ausgeprägte Musikleidenschaft. Im Bereich der Denkmalpflege und des Naturschutzes ist die Tiemann-Stiftung unter anderem in der Finanzierung von Restaurierun- gen aktiv und unterstützt das Berliner Stadtschloss sowie den Verein der Freunde Preußischer Schlösser und Gärten e.V.: Beispielsweise wird derzeit eine Plantage gefördert, auf der klimaresiliente Bäume wachsen sollen. Die Tiemann-Stiftung ist außerdem ein wichtiger Partner der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Dazu gehört die Förderung einer Konzertreihe in Sellin auf Rügen, direkt an der Seebrücke. Darüber hinaus werden unter dem Namen „Tiemann-Stiftung“ bei der Studienstiftung des deutschen Volkes Mittel im Rahmen von Forschungsprojekten vergeben. Dr. H. Jürgen Tiemann wurde selbst während seines Studiums von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert und freut sich, auf diese Weise nun etwas zurückgeben zu können.
www.tiemann-stiftung.de
Text: Tiemann-Stiftung, mehnert/paris GmbH
Foto: pixabay