veröffentlicht am Montag, 1. Januar 2025
Magdeburg. Die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt kann auf ein überaus erfolgreiches Jahr 2024 zurückblicken. So sind die Teilnehmerzahlen gegenüber dem Vorjahr um rund 24.000 auf jetzt 67.000 gestiegen. Gründe dafür waren die zahlreichen Veranstaltungen anlässlich der Europa- und Kommunalwahlen, die Aktivitäten im Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, netzpolitische Angebote oder Ausstellungsprojekte.
Vom Grundgesetzgeburtstag bis zur Europa- und Kommunalwahl, vom Demokratieprojekt bis zur Outdoorausstellung – im Programm der Landeszentrale war von allem etwas dabei. „Angefangen bei den Nachwirkungen des verheerenden Angriffs der Hamas auf Israel und der Zunahme von antisemitischen Vorfällen bis zur US-Wahlnacht haben wir in diesem Jahr zahlreiche Themen aufgegriffen und inhaltliche Akzente gesetzt“, bilanzierte der Direktor der Landeszentrale, Maik Reichel. Dabei konnte die Landeszentrale im abgelaufenen Jahr eine deutlich gestiegene Nachfrage verzeichnen. So sind mehr als 67.000 Besucher mit den verschiedenen Formaten – von Vorträgen und Lesungen über Online-Workshops bis zu literarischen Kammerkonzerten – erreicht worden. Insgesamt waren es im zurückliegenden Jahr 426 Veranstaltungen, die entweder allein oder gemeinsam mit Kooperationspartnern ausgerichtet werden konnten. „Wir freuen uns über das enorme Interesse der Bürger. Das zeigt auch, dass wir dabei auf die richtigen Themen gesetzt haben“, so der Direktor.
Im Mittelpunkt des vergangenen Jahres standen thematisch unter anderem die Kommunal- und Europawahlen. Allein an der Juniorwahl beteiligten sich dabei 124 Schulen. Das sei ziemlich rekordverdächtig, so der Direktor zufrieden. Dazu gab es den Wahl-O-Mat zum Aufkleben, mit dem bei elf Stationen im ganzen Land – von Wernigerode bis Wittenberg und von Halle bis Stendal – über 900 junge Menschen erreicht werden konnten. Im Fokus der Tour standen hier weiterführende Schulen sowie Hochschulen, um vor allem Erstwähler zu erreichen.
Im Blick auf die Kommunalwahlen gab es zudem gleich zwei thematischen Reihen. So startete die Landeszentrale zusammen mit dem Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt e.V. die Kampagne „Frauen machen Kommunalpolitik“. Außerdem wandte sich die Veranstaltungsreihe „Fit für die Zukunft – Kommunalpolitik macht's!“ den besonderen Aufgaben vor Ort sowie den Herausforderungen bei der Energiepolitik oder dem Stadtumbau zu. Allein diese Reihe umfasste 17 Veranstaltungen im Zeitraum vom März bis Juni 2024.
Einen weiteren inhaltlichen Schwerpunkt bildete der gestiegene Antisemitismus in der Folge des Terrorangriffs der islamistischen Hamas auf Israel. Eine gemeinsame Tagung mit dem Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung (LISA) am 24. Juni beleuchtete das Thema unter dem Motto „Der Terror, der Krieg, der Hass“ und fragte, was Schule und Zivilgesellschaft gegen solche Tendenzen tun könnten. Im Rahmen des Tages des offenen Denkmals am 8. September bot das Projekt „Offene jüdische Häuser in Halberstadt“ die Chance, früheren jüdischen Nachbarn nachzuspüren. Außerdem unterstützt die Landeszentrale Schulen jetzt auch bei Fahrten zu Einrichtungen jüdischer Geschichte und Kultur in Sachsen-Anhalt. Dazu wurde eine Kooperationsvereinbarung mit dem Berend-Lehmann-Museum in Halberstadt und dem Museum Synagoge Gröbzig unterzeichnet.
Breiten Raum nahm zudem das 75-jährige Jubiläum des Grundgesetzes ein. Neben einer prominent besetzten Festveranstaltung in der Magdeburger Johanniskirche am 23. Mai, u.a. mit der früheren Verfassungsrichterin Prof. Dr. Susanne Baer und Prof. Dr. Hans Vorländer (TU Dresden) vom Zentrum für Verfassungs- und Demokratieforschung, gab es verschiedenen thematische Angebote – etwa ein Quiz zum Grundgesetz oder Multimediavorführungen mit Ingo Espenschied in Magdeburg, Gommern, Halle (Saale) und Schönebeck. Einen Rekord gab es schließlich beim Landestag der Courage-Schulen am 18. September in Magdeburg. Erstmals stieg die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Mitwirkenden auf über 900.
Aber auch neue Themen und Formate spielten in den zurückliegenden Monaten eine große Rolle. So zogen die beiden Outdoorausstellungen „Zwischen Erfolg und Verfolgung – Jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach“ auf dem Domplatz sowie „Kalter Krieg in kurzen Hosen. Die Aktion ‚Vorstoß II‘, der 1. FC Magdeburg und der FC Bayern München“ zahlreiche Neugierige an. Der Podcast „Du bist Politik“ ging im November neu an den Start. Bisher konnten zwei Folgen veröffentlicht werden, die nächste soll im Februar 2025 auf Sendung gehen. Auch die Schülermedientage Sachsen-Anhalt und die Zukunftswerkstatt Journalismus im Mai sowie die Aktionstage „Netzpolitik und Demokratie" und die dazugehörige Werkstatt Medienbildung im November haben neue Themen und Zielgruppen erschlossen. So ging es in diesem Jahr inhaltlich insbesondere um die Radikalisierung und Desinformation auf TikTok oder die zunehmende Queerfeindlichkeit sowie die Intensivierung der Vernetzung im Bereich der politischen Medienbildung.
Aber auch historische Themen kamen nicht zu kurz. Eine Tagung thematisierte den „Bernburger Bürgermord“ von 1849, im Gespräch mit dem Enkel des Hitler-Attentäters Claus Graf Schenk von Stauffenberg konnten die Folgen für die Familien der Verschwörer aufgezeigt werden. Der 35. Jahrestag der friedlichen Revolution und des Mauerfalls spielte schließlich nicht nur beim länderübergreifenden Schulprojekttag in Marienborn, sondern auch bei zwei Exkusionen an die ehemalige innerdeutsche Grenze nach Abbenrode und Stapelburg im Harz sowie nach Böckwitz in der Altmark oder der Lesereihe „Geteilte(r) Meinung“ eine Rolle. Darüber hinaus tourte die Autorin Ines Godazgar im Auftrag der Landeszentrale mit ihrem Buch „Grenzschicksale“ durchs Land und brachte den Besucherinnen und Besuchern die Lebensgeschichten von Menschen entlang der früheren Grenze nahe.
Weitere Lesungen gab es u.a. mit den Rechtsextremismus-Experten und Journalisten Andreas Speit und Christian Fuchs, dem Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk oder den Autorinnen Mirna Funke und Ines Geipel. Darüber hinaus wurden insgesamt 9.350 Publikationen in der Literaturstelle der Landeszentrale bestellt und ausgegeben. Erneut führte das Buch „Grenzschicksale“ die Hitliste der meistgefragten Bücher an, gefolgt vom Heft „Aschkenas – Jüdisches Leben in Deutschland“ sowie der Biographie „Poltawa, Auschwitz, Bergen-Belsen, Kyjiw“ mit der Lebensgeschichte der Anastasia Gulej. Weitere gefragte Titel waren „Künstliche Intelligenz“ von Manuela Lenzen und die „Kleine Geschichte des israelisch-palästinensischen Konfliktes“ von Jörn Böhme und Christian Sterzing.
Neben den Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt wurden im vergangenen Jahr aber auch die Kooperationen mit Partnereinrichtungen aus anderen Bundesländern fortgeführt. So präsentierten sich die Landeszentralen aus Sachsen und Sachsen-Anhalt den Besuchern der Buchmesse in Leipzig wieder mit einem Gemeinschaftsstand. Auch die Zusammenarbeit mit der Niedersächsischen Landeszentrale wurde mit der KonterBUNT-App fortgesetzt. Die gemeinsam ausgebildeten Trainerinnen und Trainer für Argumentationstrainings gegen Stammtischparolen haben sich zum Erfahrungsaustausch und zur Weiterbildung getroffen. Die bundesweite Netzwerkkonferenz Planspiele 2024 zum Thema „Und JETZT? – Politische Bildung nach den Landtagswahlen in Ostdeutschland, der Blick auf die Bundestagswahl 2025 und darüber hinaus“ konnte vom 21. bis 23. November in Magdeburg ausgerichtet werden.
Text & Foto: Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt