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Fatigue 31

Gesundheit-News: Chronisches Fatigue-Syndrom! Mehr als nur Erschöpfung - Wenn der Akku ständig leer ist

31. Juli 2021

Foto: Frau liegt mit geschlossenen Augen auf einem Sofa und hält sich mit der linken Hand die linke Schläfe

Juli 2021 (ams). Die Ursachen liegen im Dunkeln, die Diagnose ist schwierig, Medikamente fehlen: Das Chronische Fatigue-Syndrom (kurz: CFS) ist ein noch weitgehend unerforschtes, aber oft schweres Krankheitsbild. Fatigue ist das französische Wort für Erschöpfung oder Müdigkeit und: Dauerhafte Erschöpfung und viele andere Symptome schränken die Betroffenen zum Teil so massiv ein, dass sie unter Umständen kaum noch am Leben teilnehmen können. Mit viel Geduld, Unterstützung sowie psychologischen Techniken kann es gelingen, mit der Krankheit zurechtzukommen.

Haare kämmen, telefonieren, ein kleiner Spaziergang, die Spülmaschine ausräumen – schon nach einfachsten Tätigkeiten macht sich eine ausgeprägte Schwäche breit. Die Betroffenen sind völlig erledigt, eine Erholungspause bringt kaum Besserung. Viele Menschen, die an einem "Chronischen Fatigue-Syndrom" leiden, können wegen ihrer Erschöpfung nur noch reduziert oder gar nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen. Ein Viertel der Betroffenen schafft es nicht mehr, ohne Hilfe das Haus zu verlassen, einigen fällt das Sitzen und Stehen so schwer, dass sie sogar bettlägerig sind.

Nicht einfach zu diagnostizieren

"Das Chronische Fatigue-Syndrom ist nicht einfach zu diagnostizieren und kann manchmal bei der Untersuchung übersehen werden, denn Klagen über langdauernde Phasen mit Müdigkeit und Erschöpfung sind ja in der Allgemeinbevölkerung sehr häufig", sagt Dr. Astrid Maroß, Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie im AOK-Bundesverband. "Es handelt sich dabei um eine komplexe chronische Erkrankung, die mehrere Systeme im Körper betrifft und über Erschöpfung und Müdigkeit hinausgeht: Die Regulation des Immunsystems, des autonomen Nervensystems und des Energiestoffwechsels in den Körperzellen ist vermutlich gestört."

Die Zahl, der vom Chronischen Fatigue-Syndrom betroffenen Menschen in Deutschland, genau zu beziffern, ist schwer. "Es kann bei diesem Krankheitsbild sowohl Überdiagnosen als auch Unterdiagnosen geben, denn die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen ist nicht bei allen Fällen eindeutig", sagt Medizinerin Maroß. Die Betroffenen eines CFS sind in der Regel recht jung, im Durchschnitt 29 bis 35 Jahre alt, so das Charité Fatigue Centrum in Berlin. Auch Kinder und Jugendliche können unter einem CFS leiden.

Infektionen sind oft die Auslöser

Die Ursachen für die CFS sind noch nicht aufgedeckt. Meistens befällt die Erkrankung die Betroffenen recht plötzlich, oft ausgelöst durch eine Infektion. "Häufig waren die Patienten vorher an einem viralen Infekt, zum Beispiel am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt", so AOK-Expertin Maroß. Andere Betroffene berichten, dass die Erkrankung mit einer Magen-Darm-Infektion, einem grippalen Infekt oder einer Lyme-Borreliose begann. 

Wieder andere Erkrankte geben vorausgegangene medizinische oder biografische Episoden an, wie schwere Verletzungen, Operationen, eine Schwangerschaft, Arbeitslosigkeit oder der Tod eines nahestehenden Menschen. Die Diagnose CFS bekommt derzeit mehr Aufmerksamkeit durch Berichte über langanhaltende Folgesymptome einer durchgemachten Covid-19-Erkrankung. In wieweit das viel diskutierte Long-Covid zum CFS gehört oder ein separates Krankheitsbild ist und was Long-Covid genau ist, wird die Forschung erst zeigen.

Im Wesentlichen ist CFS eine klinische Diagnose. Diskutiert wird, ob es sich zumindest bei einem Teil der Erkrankten um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet.


Text / Foto: AOK Bundesverband