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Die „Grüne Zitadelle“ - das Magdeburger Hundertwasserhaus

Sonntag, den 27. Oktober 2019

Von Doris Richter

Nach der ersten Verwüstung der Stadt Magdeburg 1631 im Dreißigjährigen Krieg durch die Kaiserlichen hatte die Stadt viel von ihrer Bedeutung verloren. Ihre Geschicke wurden vom Erzstift Magdeburg geleitet. Nach dem Ende des Krieges kam die Stadt unter die Herrschaft Brandenburg-Preußens. Es begann der Ausbau zur größten und stärksten Festung Preußens, der bis nach 1740 andauerte. Zentraler Bestandteil war die Zitadelle auf der Elbinsel. Nach der Napoleonischen Zeit modernisierte Preußen die Festung in mehreren Bauphasen bis 1890. Erst 1900 wurde der Festungsstatus Magdeburgs aufgehoben. Inzwischen hatte sich die Stadt zu einem Zentrum des Schwermaschinenbaus und der Rüstungsindustrie entwickelt. Das blieb so bis zum Ende des 2. Weltkrieges und führte am 16. Januar 1945 zur zweiten großen Zerstörung durch alliierte Bomber. Der Dom zu Magdeburg galt dabei als Zielmarke. 90% der Stadt lagen danach in Trümmern.

Auch der Breite Weg (der als Deutschlands schönste Barockstraße galt) war fast vollständig zerstört. Hier (an der Bärstraße) begann 1951 der Wiederaufbau der Stadt. Eine Inschrift erinnert bis heute daran. Auch das Barockensemble am Domplatz und die hier befindliche Nikolaikirche, das spätere Zeug- haus, waren von den Zerstörungen betroffen. 1959 erfolgte der Abriss. An ihrer Stelle entstand in den 70er Jahren ein Neubaublock mit 8 Etagen.

Rolf Opitz, der damalige Vorsitzende der Wohnungsbaugenossenschaft „Stadt Magdeburg von 1954“, fragte 1995  bei Friedensreich Hundertwasser an, ob der weiße Plattenbau nicht durch ihn farbig gestaltet werden könne. Das Enkelkind von Rolf Opitz soll den Opa angeblich dazu angestachelt haben, „das Haus bunt zu machen“. Der Künstler und Architekt bot statt dessen an, hier am nordwestlichen Eck des Domplatzes einen Hundertwasser-Neubau zu errichten. Der erstellte Entwurf löste bei vielen Magdeburgern Entsetzen aus, kam aber doch zur Realisierung. Baufreiheit wurde hergestellt, die Baugrube ausgehoben. Dann kamen zuerst einmal die Archäologen zum Zuge - mittelaterliches Magdeburg halt. Zum Glück war alles geregelt als Hundertwasser im Jahr 2000 starb, die Grundsteinlegung erfolgte dann 2003 und am 3. Oktober 2005 wurde die „Grüne Zitadelle von Magdeburg“ feierlich eröffnet. Die skeptischen Magdeburger standen Schlange - kaum einer meckert noch. Das letzte Hundertwasserhaus ist seit nunmehr 14 Jahren ein Touristenmagnet gegenüber der ersten gotischen Kathedrale in Deutschland, dem Dom St. Mauritius und Katharina zu Magdeburg.

Als Stadtführerin weiß Doris Richter viel Wissenswertes über unsere Stadt zu erzählen. In Magdeburger-News.de erläutert sie Themen, bei denen nicht nur Touristen Neues erfahren, sondern sicher auch eingefleischte Magdeburger.

Foto: Die Grüne Zitadelle - 4000 qm Bepflanzung auf Dächern und Terrassen des Hundertwasserhauses. (c) Privat