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Lucy Dicki Titelbild 25

Lucy & Dicki, Teil 34 – Eine Geschichte von Kathrin König aus Haldensleben

Drachenfliegen

Sonntag, den 23. Juni 2019


Kater Felix schaut ganz gebannt zu, wie seine Menschenfamilie zwei Drachen baut. Sie werkeln und kleben und zum Schluss malen sie die Drachengesichter. Überall ist Felix mit dabei. Nun sollen sie auch gleich ausprobiert werden und alle gehen zum Drachenberg. Dort bläst der Wind aus allen Himmelsrichtungen und die Drachen erheben sich in die Luft. Felix findet es wunderbar, wie die Drachen sanft hin- und herfliegen und Max und Antonia jubeln vor Freude. 

Felix kann es gar nicht abwarten, bis er Lucy, Dicki und Arno diese Neuigkeit erzählen kann. „Das müssen wir morgen auch mal probieren!“, sagt Arno. Auch die anderen sind begeistert und wollen mitmachen. 

Am nächsten Tag treffen sie sich bei Felix zu Hause und holen die Drachen aus dem Stall. Sie überlegen, wie sie diese am besten bis zum Drachenberg tragen können. Sie probieren dabei viel aus. Arno hat dann die Idee! Er trägt beide Drachen übereinander auf seinem Rücken und an den Seiten passen Lucy und Dicki auf, dass die Ecken gerade bleiben. Felix geht zum Schluss und dirigiert Arno und die beiden anderen. Jeder hat somit eine wichtige Aufgabe.

Der Weg ist doch ganz schön weit. Mit der Zeit stöhnt Arno unter dieser Last und die Kater wechseln sich ab. Als sie endlich auf dem Drachenberg sind, plumpsen sie ins Gras und ruhen sich aus. „Endlich   geschafft!“, sagen die vier Freunde. Lange bleiben sie nicht liegen, denn sie wollen die Drachen steigen lassen. Felix bereitet alles vor und erklärt ihnen, wie das geht. Felix hält die Schnur in seinem Mäulchen und Arno und Dicki halten den Drachen. „Wir laufen jetzt los und ihr haltet ihn in den Wind! Wenn der Drachen fliegen will, lasst ihr ihn los!“ Und so wird es auch gemacht. Der Drache erhebt sich in die Luft und  segelt hin und her. Sie staunen, wie schön das aussieht. Felix zieht an der Schnur und holt ihn langsam wieder runter. Er hatte gut aufgepasst, als er mit seiner Menschenfamilie hier war. „Ich habe eine Idee!“, sagt Arno. „Wie wäre es, wenn wir alle Katzen herbestellen und ihnen das Fliegen der Drachen vorführen? Sie werden auch ihren Spaß daran haben!“ Sie stimmen diesem Vorschlag zu und verstecken die Drachen. Sie laufen zurück ins Dorf und setzen die Nachrichtenkette in Gang. Es dauert auch nicht lange und alle Katzen kommen neugierig zum Drachenberg. Sie setzen sich in einen Halbkreis und warten gespannt auf die Vorführung. 

Felix fängt mit seinem Drachen an und dieser erhebt sich schnell in die Luft. Er merkt, dass der Wind zugenommen hat und er beim Halten der Schnur ganz schön aufpassen muss. Er ruft Lucy zu, dass sie ihren Drachen nicht steigen lassen soll, aber sie versteht ihn nicht. Lucy, Arno und Dicki laufen los und der Drachen erhebt sich in die Luft. Sie hatte vorher nicht geübt, weil das so leicht aussah. Nun merkt sie, dass sie dazu ganz schön Kraft braucht, um den Drachen zu halten. Sie beißt in die Schnur und wickelt sie auch um ihre Pfote. „Nur nicht schlapp machen!“, denkt sie. Die nächste stärkere Windböe erfasst den Drachen mitsamt der Lucy und beide fliegen durch die Luft. Die anderen Katzen denken, dass das mit zur Vorführung gehört und jubeln vor Freude. Der Wind trägt Lucy immer weiter weg. Dicki und seine beiden Freunde sind im ersten Augenblick starr vor Schreck, aber dann laufen Dicki und Arno los. Felix lässt einfach die Schnur los und sein Drachen segelt immer höher in den Himmel. Die Drei laufen dem Drachen mit Lucy nach. „Hoffentlich kommt Lucy wieder gut auf die Erde!“, keucht Dicki. „Ja, hoffentlich! Ich weiß nicht, woher der Wind auf einmal kommt! Ich hätte Lucy nicht an den Drachen lassen dürfen! Sie ist zu leicht dafür!“ Felix ist zum Heulen zumute. Arno schreit mehrmals vor lauter Angst! Dicki tröstet beide: „Wir müssen jetzt einen kühlen Kopf bewahren und ganz genau aufpassen, wo der Drachen runterkommt! Heulen können wir hinterher und hoffentlich vor Freude, dass Lucy nichts passiert ist!“ 



Sie sehen, dass der Drachen am Waldrand sinkt. Die drei Kater lassen im Laufen nicht nach, sie müssen durchhalten! Und irgendwo im Wald geht dieser runter und sie versuchen, die Richtung beizubehalten. Sie laufen in den Wald und rufen: „Lucy! Lucy! Wo bist du?“ Auf einer Lichtung steht ein großer, alter Eichenbaum. Sie sehen, wie der Drachen mit seinem Schwanz in den Ästen des Baumes und Lucy frei in der Luft hängen. Mit ihren Zähnchen hält sie die Schnur fest. 

Nun stehen die Drei ratlos unter dem Baum. Wie können sie jetzt Lucy helfen, damit sie heil auf einen Ast kommt? Lucy ruft ihnen durch die Zähne zu, dass sie sich beeilen  sollen, aber so richtig versteht sie keiner! Arno hat eine Blitzidee! „Komm mit, Dicki! Wir klettern hoch und sehen zu, dass wir Lucy zu einem Ast bekommen!“ Beide klettern im Nu in den Baum und suchen sich einen geeigneten Ast aus, der Lucy am nächsten ist. „Beeilt euch! Ich kann mich nicht mehr lange halten!“, jammert sie. Arno und Dicki kriechen fast bis zum Astende und sie rufen ihr zu: „Lucy, du musst dich mit der Drachenschnur zu uns herüberschwingen, damit du auf unseren Ast springen kannst. Und pass schön auf, dass du nicht daneben springst!“ 
Lucy hat Angst! „Versuch es, Lucy! Dir bleibt keine andere Wahl! Entweder du springst auf den Ast oder du fällst irgendwann runter!“, ruft ihr Felix zu. „Nur Mut!“, sagen Dicki und Arno und so denkt Lucy ebenfalls. Sie hat wirklich keine andere Wahl! Sie schaltet einfach die Angst aus und fängt langsam an, hin- und herzuschaukeln. Als sie so schön in Schwung ist und sich zum Ast zubewegt, geht alles ganz schnell. 

Arno ist bereit und schreit: „Jetzt, Lucy!“ Sie lässt im Schwung die Schnur los und springt auf den Ast. Arno  hält sie fest und Dicki hält Arno fest. „Geschafft, Lucy!“, schreien die drei Kater vor großer Freude. Lucys Pfötchen zittern: „Ich habe jetzt keine Kraft mehr, den Baum hinunterzuklettern!“ Aber Arno und Dicki sagen: „Das schaffst du auch! Wir helfen dir dabei!“ Und sie klettern von Ast zu Ast und bald sind sie unten. Lucy wirft sich hin und die vier Katzen sind überglücklich! Nach einer kleinen Pause schauen sie sich den Baum mit dem hängenden Drachen noch einmal an und sagen: „Kommt! Wir gehen jetzt heim!“ Als sie zum Drachenberg kommen, sind keine Katzen mehr da. Sie haben es nicht mitbekommen, dass dieser Drachenflug so nicht geplant war und sich Lucy damit in höchster Lebensgefahr befand. Sie reden noch tagelange über diese tolle Drachen-Flug-Vorstellung mit der mutigen Lucy an der Schnur.

Als Felix nach Hause kommt, sieht er Max und Antonia weinen. „Unsere Drachen wurden gestohlen!“, sagen sie zu Felix. Der Kater hat ein ganz schlechtes Gewissen und schmust um ihre Beine. Sophie kauft für die Kinder neue, hübsche Drachen, die sie dann zusammen wieder auf dem Drachenberg steigen lassen. Felix, Lucy, Dicki und Arno sind nur Zuschauer und lassen den Menschenkindern ihren Spaß.