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Buchtipp: „Warum ADHS keine Krankheit ist – Eine Streitschrift“

Montag, den 28. Januar 2019


Die Unruhe zu beherrschen  

 

Von Uta Luise Zimmermann-Krause

 

Sitz still und hör zu! Wie oft ist eine Ermahnung dieser Art zu hören, die, allzu oft ausgesprochen, das Kind abstumpfen lässt. Es tut sich ein Teufelskreis auf, dem nur schwer zu entkommen ist. Die Autorin Amrei Wittwer hat viele Jahre zu ADHS im Rahmen eines Forschungsprojekts am Collegium Helveticum an der Universität in Zürich geforscht. In ihrem Buch „Warum ADHS keine Krankheit ist. Eine Streitschrift“, erschienen im S. Hirzel Verlag, ergänzt Wittwer Ihre Erkenntnisse mit Zitaten von Kindern, Eltern, Lehrern, Psychologen sowie Forschern und diskutiert alternative Behandlungsmethoden. Die Behandlung von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung) mit Medikamenten scheint wohl ersetzbar zu sein durch alternative Behandlungsmethoden im Lebensumfeld. Sozial störendes Verhalten tritt etwa bei jedem vierten Kind in einigen europäischen Ländern auf. Die Kinder stehen im Dauerkonflikt mit Eltern und Lehrern. Doch diese Symptome sollten nicht mit Psychostimulanzien wie Ritalin unterdrückt werden. Die Apothekerin zeigt Alternativen auf, die den Kindern mit diagnostiziertem ADHS helfen könnten, denn die Gabe von Psychopharmaka lässt die jungen Patienten lediglich abstumpfen und unterdrückt ihre Impulse. Schulische Leistungsfähigkeit und Konzentration werden nicht verbessert. Medikamentöse Behandlung weist Nebenwirkungen auf, zu denen auch die Toxizität für Nervenzellen zählt, die letztlich zur Vergiftung der Psyche führt. In ihrer Streitschrift erläutert Wittwer, dass ADHS nicht auf organischen Ursachen beruht. Demzufolge wird vorgeschlagen, die häuslichen und schulischen Lebensumstände zu ändern. Dazu gehören Schulungen, die Eltern und Lehrern angeboten werden. Da es sich um eine pädagogische Problemstellung handelt, werden pädagogische Lösungen gefordert. Schulische Musiktherapie und das Erlernen eines Instruments oder das Erlernen von Meditation und andere Achtsamkeitspraktiken sowie Teilnahme an Sportstunden werden empfohlen, die Hyperaktivität Betroffener zu reduzieren. Diese Vorgehensweise der Zuwendung ist allemal zeit- und arbeitsaufwendiger als die schnelle Gabe von Medikamenten, um die schulische Leistung zu verbessern. Und die Suchtgefahr sollte nicht unterschätzt werden, denn damit tut man keinem Betroffenen etwas Gutes. Die Risikofaktoren für ADHS sind nicht im „kranken“ Körper des Kindes zu finden, sondern in seinem Lebensumfeld. Hier muss Grundlegendes geprüft und geändert werden: psychischer Stress, unpassende Erziehungsmethoden, Armut, Mangelernährung, Fehlsichtigkeit, Aggression. Das allgemeinverständlich-wissenschaftliche Sachbuch „Warum ADHS keine Krankheit ist. Eine Streitschrift“ richtet sich insbesondere an Fachpersonal aus den Bereichen Bildung, Medizin und Psychologie aber auch an Familien und interessierte Laien. Ziel des Buches ist es nicht, eine fachmedizinische Diagnose zu ersetzen. Vielmehr informiert die Autorin über den aktuellen Forschungsstand und ruft dazu auf, bisherige Behandlungsmethoden zu hinterfragen.

 

  • Amrei Wittwer.

Warum ADHS keine Krankheit ist - 

Eine Streitschrift,

310 Seiten, Broschur,

S. Hirzel Verlag, 2019,
ISBN: 978-3-7776-2761-8
Preis: € 29,00