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Neubau der Synagoge in Dessau-Roßlau / Haseloff: Jüdisches Leben wird in der Stadt wieder sichtbar

Magdeburg, den 8. November 2018



„Es gibt wieder jüdisches Leben in Deutschland. Neue Synagogen werden gebaut: auch hier in Dessau-Roßlau. Wer ein Haus baut, will bleiben. Deshalb ist dieser Tag ein bedeutender Tag, ein Tag der Zuversicht, der Freude und der Dankbarkeit. Jüdische Leben wird in der Stadt Dessau-Roßlau wieder deutlich sichtbar.“ Das sagte Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff (Foto) heute in Dessau-Roßlau. Dort nahm er im Rathaus an der Auftaktveranstaltung zum Bau der neuen Synagoge in Dessau-Roßlau teil.

 

Haseloff wies auf die geschichtliche Bedeutung jüdischen Lebens in Dessau hin. Er erinnerte an den in Dessau geborenen Philosophen und Aufklärer Moses Mendelssohn, Vorbild für Lessings Nathan den Weisen, und Kurt Weill, dessen Vater Kantor in Dessau war. „In Dessau hat jüdisches Leben eine lange Tradition und vielen Juden war das Dessauer Land zur Heimat geworden. Dennoch können wir nicht nahtlos an Vergangenes anknüpfen.“

 

Mit Blick auf den 80. Jahrestag der Reichspogromnacht sagte Haseloff: „Die Erinnerung an die singulären Verbrechen des Nationalsozialismus muss lebendig bleiben. Diese Geschichte verjährt nicht. Man kann sie auch nicht bewältigen. Was geschehen ist, ist geschehen. Aber wir alle tragen Verantwortung. Wir dürfen nicht blind in die Zukunft gehen. Es ist wichtig, Fragen zu stellen, über die Geschichte nachzudenken, den Bezug zur Gegenwart herzustellen und aus diesen Zusammenhängen die richtigen Konsequenzen zu ziehen. So wird aus dem Erinnern ein konkreter Auftrag.“

 

In seinem Grußwort warnte Haseloff vor Antisemitismus in Deutschland: „Alle in Deutschland lebenden Menschen müssen wissen: Rechtsextremistische und antisemitische Parolen werden nicht geduldet und konsequent bekämpft. In unserer Gesellschaft muss ein Klima der Toleranz und des gegenseitigen Respekts herrschen. Nur dann können Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen in Frieden miteinander leben.“

 

Hintergrund


In der Nacht vom 9. November auf dem 10. November 1938 wurden in Dessau die 1908 eingeweihte Synagoge auf dem Eckgrundstück Askanische Straße/Kantorstraße, das Gemeindehaus und die Trauerhalle auf dem Jüdischen Friedhof ausgeplündert und niedergebrannt. Während und unmittelbar in Folge des Novemberpogroms starben weit mehr als 1.300 Menschen, und über die Hälfte aller Synagogen oder Gebetshäuser in Deutschland und Österreich wurden stark beschädigt oder völlig zerstört.

 

1994 gründeten Zugewanderte die Jüdische Gemeinde zu Dessau neu. Heute gibt es in der Stadt wieder ein aktives jüdisches Leben. Auf dem Eckgrundstück, wo einst die alte Synagoge stand, soll nun die neue Synagoge gebaut werden.